Garnelen im Test

So haben wir getestet

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Garnelen im Test Alle Testergebnisse für Tiefgefrorene Garnelen

So haben wir getestet – Warentest

Im Test: 18 Produkte mit tiefgekühlten Garnelen, davon zehn mit rohen Warm­wasser­garnelen, fünf mit gekochten Warm­wasser­garnelen und drei mit gekochten Kalt­wasser­garnelen. Sechs Produkte tragen das Biosiegel. Wir haben die Garnelen im September und Oktober 2021 einge­kauft. Die Preise ermittelten wir durch Befragen der Anbieter im März 2022.

Sensorisches Urteil: 40 %

Fünf geschulte Prüf­personen verkosteten die anonymisierten Produkte auf neutralem Geschirr unter gleichen Bedingungen bei Raum­temperatur – auffällige oder fehler­hafte mehr­mals. Gekochte Garnelen wurden nach dem Auftauen verkostet, sofern eine Empfehlung zum Direkt­verzehr angegeben war. Die anderen gekochten Garnelen sowie die rohen erhitzten wir nach dem Auftauen zunächst in siedendem Wasser auf 70 Grad Celsius und ließen sie anschließend auf Raum­temperatur abkühlen. Die Prüfer dokumentierten Details zu Aussehen (auch vor dem Auftauen), Geruch, Geschmack und Mund­gefühl. Kamen sie zu unterschiedlichen Beschreibungen, erarbeiteten sie einen Konsens. Dieser war Basis für unsere Bewertung.

Die sensorischen Prüfungen wurden in Anlehnung an Methode L 00.90–22:2017 der ASU durch­geführt. Die Abkür­zung ASU steht für Amtliche Samm­lung von Unter­suchungs­verfahren nach Paragraf 64 Lebens­mittel- und Futtermittel­gesetz­buch (LFGB).

Einheitlich­keit und Verarbeitung: 10 %

Wir ermittelten, ob die Garnelen einheitlich groß waren. Außerdem bestimmten wir den Anteil an Schalen- und Darmresten durch Zählen der Schalen­stücke pro Packung sowie der Garnelen mit sicht­baren Darmresten. Den prozentualen Anteil an Bruch pro Packung ermittelten wir aus der Anzahl der Garnelenbruch­stücke (mit weniger als drei Segmenten) in Bezug auf das Gesamt­gewicht der aufgetauten Garnelen.

Schad­stoffe: 20 %

Im Labor prüften wir die Garnelen auf gesundheitlich bedenk­liche Stoffe: auf Metalle wie Blei, Kadmium und Queck­silber, auf Tier­arznei­mittel­rück­stände wie Chlor­amphenicol und Nitrofuran-Metabolite, Tetra­zykline und Triphenyl­methan­farb­stoffe. Zudem wurden die Garnelen auf Mineral­ölbestand­teile, Chlorat und Perchlorat untersucht. Folgende Methoden setzten wir ein:

  • Blei, Kadmium und Queck­silber: Mikrowellen­aufschluss gemäß Methode DIN EN 13805:2014 und Analyse nach Methode DIN EN 15763:2010 mittels ICP-MS.
  • Chlor­amphenicol, Nitrofuranmetabolite, Tetra­zykline und Triphenyl­methan­farb­stoffe: mittels LC-MS/MS.
  • Chlorat und Perchlorat: mittels LC-MS/MS.
  • Mineral­ölkohlen­wasser­stoffe: in Anlehnung an Methode DIN EN 16995 mittels online gekoppelter LC-GC/FID:2017.

Mikrobiologische Qualität: 10%

Wir analysierten im Labor an je drei Packungen pro Produkt die Anzahl an Keimen in den Garnelen, insbesondere an krankmachenden Keimen. Folgende Methoden setzten wir ein:

  • Gesamt­koloniezahl: gemäß Methode Iso 4833–2:2014.
  • Escherichia coli: gemäß Methode L 00.00–132/1:2021 der ASU.
  • Listeria mono­cytogenes: gemäß Methode L 00.00–22:2018 der ASU.
  • Enter­obacteriaceen: gemäß Methode L 00.00–133/2:2019 der ASU.
  • Koagulase-positive Staphylokokken: gemäß Methode L 00.00–55:2019 der ASU.
  • Salmonellen: gemäß Methode L 00.00–20:2021 der ASU.
  • Pseudomonaden: in Anlehnung an Methode L 06.00–43:2011 der ASU.
  • Vibrio sp.: gemäß DIN EN ISO 21872–1:2017. Keimidentifizierung erfolgte mittels Maldi-Tof MS.
  • Shigella sp.: gemäß DIN EN ISO 21567:2005.
  • Hefen und Schimmelpilze: gemäß ISO 21527–1:2008.

Nutzungs­freundlich­keit der Verpackung: 5 %

Drei Experten prüften, wie sich die Packungen öffnen, wieder­verschließen und die Produkte entnehmen ließen. Wir prüften auch Entsorgungs­hinweise.

Deklaration: 15 %

Wir begut­achteten, ob die Angaben auf der Verpackung – wie im Lebens­mittel­recht vorgeschrieben – voll­ständig und richtig waren. Wir prüften zudem die Nähr­wert­angaben sowie Lagerungs-, und Zubereitungs­hinweise. Drei Experten bewerteten die Leserlich­keit und Über­sicht­lich­keit der Angaben.

Weitere Unter­suchungen

Wir prüften die Produkte auf Sulfit, Phosphat, kondensierte Phosphate, Citrate und Karbonate. Wir bestimmten den pH-Wert und ermittelten den Glasur­anteil. In den deglasierten Garnelen bestimmten wir die Eiweiß- und Wasser­gehalte sowie die Kochsalzmengen. Folgende Methoden setzten wir ein:

  • Sulfit: gemäß ASU L 00.00–46/1:1999.
  • Gesamt-Phosphat, Calcium und Natrium: Aufschluss gemäß Methode DIN EN 13805:2014. Messung gemäß Methode L 00.00–144:2019 der ASU mittels ICP-OES.
  • Kondensierte Phosphate: in Anlehnung an Methode L 06.00–15:1982 der ASU.
  • Citronensäure/Citrate: Enzymatisch in Anlehnung an Methode L 07.00–13:2017 der ASU.
  • Carbonate: in Anlehnung an Methode des CVUA Karls­ruhe von Möllers, Ilse und Schöberl (2014), Lebens­mittel­chemie 68, 49–72.
  • pH-Wert: Analyse in Anlehnung an Methode L 06.00–2:1980 der ASU.
  • Glasur­anteil: gemäß Codex Alimentarius Methode Codex Stan 92–1981 (Fao-Methode).
  • Trockenmasse beziehungs­weise Wasser­gehalt: in Anlehnung an Methode L 06.00–3:2ß14 der ASU.
  • Eiweiß: in Anlehnung an Methode L 06.00–7:2014 der ASU.
  • Bei sensorisch auffälligen Produkten ergänzend geprüft: flüchtige stick­stoff­haltige Basen (TVB-N): gemäß Methode L 12.00–2:1988 der ASU, Indol: gemäß Methode L 12.01–2:2001 der ASU, Biogene Amine: gemäß Methode L 12.00–4:1999 der ASU.

Abwertungen

Abwertungen bewirken, dass sich Produktmängel verstärkt auf das test-Qualitäts­urteil auswirken. Sie sind in der Tabelle mit einem *) gekenn­zeichnet. Folgende Abwertungen setzten wir ein: Lautete das Schad­stoff- oder das Deklarations­urteil ausreichend, werteten wir das test-Qualitäts­urteil um eine halbe Note ab.

So haben wir getestet – Siegeltest

Im Test: Drei Siegel für Aquakultur­erzeug­nisse, die versprechen, bei der Garnelen­zucht bestimmte ökologische, Tier­bestands- und gegebenenfalls soziale Kriterien einzuhalten. Um die Aussagekraft zu beur­teilen, befragten wir die Siegel­geber mittels Fragebogen unter anderem zum System der Siegel­vergabe, zu den Anforderungen, die dem jeweiligen Stan­dard zugrunde liegen, und zur praktischen Umsetzung – bezogen auf die Garnelen­zucht.

Die Siegelanbieter sollten alle Angaben belegen. Wir baten sie nach­zuweisen, dass sie Garnelen bis zur Farm zurück­verfolgen können – für je drei exemplarisch aus dem Warentest ausgewählte Produkte. Unabhängige Sach­verständige über­prüften alle Angaben.

Aufgrund der Besonderheit des EU-Bio-Stan­dards befragten wir hier die auf den Verpackungen angegebenen Ökokontroll­stellen zur Umsetzung der Anforderungen in der Praxis. Waren die Organisationen einverstanden, klärten wir offene Fragen in einer Video­schaltung mit den jeweiligen Siegel­gebern.

Unter­suchungs­zeitraum: Die Befragung fand zwischen November 2021 und Februar 2022 statt.

Anforderungs­niveau: 40 %

Wir fragten die Siegel­geber, welche Kriterien sie in den nach­folgenden Bereichen anlegen, und wie sie über­wachen und kontrollieren, ob diese einge­halten wurden.

Umwelt­schutz: Unter anderem wollten wir wissen, ob es Vorgaben gibt, um Küsten­gebiete und Mangroven zu schützen, Bäume aufzuforsten oder Biodi­versität zu erhalten. Wir bewerteten etwa Vorgaben, die bestimmen, welche Futtermittel zum Einsatz kommen dürfen, wie umliegende Gewässer und Böden zu schützen sind. Und wir bewerteten Vorgaben zur Reinigung der Teiche und zum Wasser­austausch. Positiv werteten wir, wenn es ökologische Schu­lungen für die Farmen gibt.

Garnelen­zucht: Wir fragten nach Tier­bestands­kriterien wie maximaler Besatz­dichte, Laichgewinnung, Teich­gestaltung und Wasser­qualität. Außerdem ermittelten wir, ob sie Vorgaben zum Einsatz von chemischen und biologischen Mitteln oder Medikamenten wie Antibiotika machen.

Soziales: Wir fragten die Siegel­geber unter anderem nach Vorgaben zu Entlohnung, Arbeits­zeit, Gesund­heits- und Arbeits­schutz der Farm­arbeiter.

Organisation der Siegel­vergabe: 30 %

Management: Wir fragten die Siegel­geber unter anderem, welche Stellen für die Siegel­vergabe zuständig sind und ob es Vorgaben zur Rück­verfolg­barkeit gibt. Wir wollten wissen, wie der Zertifizierungs­prozess gemanagt wird und ob er durch unabhängige Stellen kontrolliert wird.

Wir bewerteten, ob verschiedene Interes­sengruppen an der Entwick­lung der Kriterien beteiligt sind und ob diese über­arbeitet werden. Zudem bewerteten wir, welche Dokumente und Informationen die Organisationen über sich öffent­lich zugäng­lich machen.

Wir fragten außerdem etwa, inwiefern die Siegel­geber Aquakultur­betriebe unterstützen und sich an Forschungs­projekten beteiligen.

Kontrollen: Wir bewerteten zum Beispiel, ob Über­prüfungen einheitlich erfolgen und was passiert, wenn Farmen Anforderungen nicht einhalten.

Umsetzung in der Praxis: 20 %

Die Siegel­geber sollten die Rück­verfolgung von je drei Garnelen­produkten aus dem Warentest mittels Dokumenten offenlegen. Ebenso sollten sie für die jeweiligen Garnelenfarmen darlegen, wie die unterschiedlichen Anforderungen der Stan­dards umge­setzt wurden. Das sollten sie durch entsprechende Auditbe­richte belegen. Prüfungen vor Ort führten wir nicht durch.

Trans­parenz: 10 %

Wir bewerteten, ob und wie ausführ­lich die Siegel­geber die Fragebögen beant­worteten, Angaben belegten und es ermöglichten, offene Fragen mit unabhängigen Sach­verständigen zu klären.

Garnelen im Test Alle Testergebnisse für Tiefgefrorene Garnelen

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Profilbild Stiftung_Warentest am 20.05.2022 um 11:42 Uhr
MSC Siegel

@c.bluemel: Bei diesem Test konzentrierten wir uns auf die Überprüfung von Siegeln für Garnelen aus Aquakultur - weil sie den Markt dominieren. Das MSC-Siegel hatten wir 2018 umfangreich bei einem Test von Lachsfilets überprüft, siehe:
www.test.de/MSC-Ein-Siegel-im-Check-5297352-0/

c.bluemel am 19.05.2022 um 21:19 Uhr
msc siegel

was ist mit dem msc siegel?

testmail am 23.12.2016 um 12:20 Uhr
antibiotika

waren öfters in vietnam, seitdem habe ich keine garnelen mehr gegessen.
die schütten dort säckeweise antibiotika in ihre zuchten, damit die garnelen in den kleinen küstentümpeln überhaupt überleben (sie trennen ein stück vom meer ab, d.h. kleine dämme und züchten dort). ich nehme an, dass das alle machen, ist am billigsten wegen ebbe und flutbewässerung.

Nikolaus2011 am 21.12.2016 um 22:01 Uhr
Qualität ganz oben - Preis ganz unten, sagen ALDI

Beide Aldi Gruppen sind bei 'Unser Rat' nicht mal erwähnt bei beiden Garnelengruppen. Das ist ja keine Seltenheit mehr. Das Vertrauen der Verbraucher in die Marke Aldi lässt nach. Warum wird da nicht gegengesteuert? Preise stimmen ja immer noch. Um Qualität anzubieten werden scheinbar immer mehr Marken verkauft.

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.12.2016 um 13:53 Uhr
Verfügbarkeit der getesteten Produkte

@Ex-Kd: Die Verfügbarkeit der getesteten Produkt hängt natürlich vom Warenangebot ab und von der Nachfrage.
Die Mindesthaltbarkeitsdaten der Produkte im Test reichen von April 2017 bis Mai 2018 – sie können also durchaus über längeren Zeitraum im Handel erhältlich sein. Vor unserer Testveröffentlichung haben wir die Anbieter befragt, ob sie ihre Produkte, die im Test bewertet wurden, verändert haben. Gewichtige Änderungen gab es demnach nicht. (spl)