Garan­tiezins sinkt Meldung

Ab dem 1. Januar 2015 sinkt der Garan­tiezins bei Kapital­lebens­versicherungen und privaten Renten­versicherungen von jetzt 1,75 Prozent auf dann 1,25 Prozent. Was bedeutet dies für die Kunden? test.de gibt Antworten auf die wichtigsten Verbraucher-Fragen.

Nicht nur Kapital­lebens­versicherungen betroffen

Was ist der Garan­tiezins?
Der Garan­tiezins ist der Zins, den Ver­sicherer Kunden bei Vertrags­beginn höchs­tens zusichern dürfen. Er wird auch „Höchst­rechnungs­zins“ genannt und bezieht sich lediglich auf den Spar­anteil des Beitrags – also Einzahlung abzüglich Todes­fall­schutz, Vermitt­lerprovision und Verwaltungs­kosten. Weil der Zins nur auf das gewährt wird, was vom Beitrag übrigbleibt, kann die garan­tierte Rendite auf die Beiträge bei teuren Versicherern unter 0 Prozent liegen.

Bei welchen Versicherungs­produkten gilt der Garan­tiezins?

Er gilt bei klassische Lebens­versicherungs­produkten wie Kapital­lebens- oder privaten Renten­versicherungen ohne Fonds, Riester-Renten­versicherungen, klassischen Rürup-Renten­versicherungen sowie Direkt­versicherungen und Pensions­kassen-Verträgen.

Gilt der neue Garan­tiezins auch für bereits laufende Verträge?

Nein. Laufende Verträge sind nicht betroffen. Der nied­rigere Zins gilt nur für ab 2015 neu abge­schlossene Verträge; für diese aber auf Dauer.

Wer entscheidet über die Höhe des Garan­tiezinses?

Die Deutsche Aktuar­ver­einigung, in der sich die Mathematiker der Lebens­versicherer zusammen­geschlossen haben, gibt Empfehlungen für die Höhe des Garan­tiezins. Fest­gesetzt wird er aber vom Bundes­finanz­ministerium. Es passt den Zins an, wenn die Umlaufrendite der Euro-Staats­anleihen im Durch­schnitt der letzten zehn Jahre sinkt oder steigt. Die Umlaufrendite ist die durch­schnitt­liche Rendite aller Euro-Staats­anleihen, die im Umlauf sind. Der Garan­tiezins darf nur rund 60 Prozent dieser Rendite betragen. Das soll Versicherer daran hindern, zu hohe Zins­zusagen zu geben, die sie dann vielleicht auf Dauer nicht einhalten können.

Nicht zur Unter­schrift drängen lassen

Ist es sinn­voll, noch schnell vor Jahres­ende 2014 einen Vertrag abzu­schließen, um sich den höheren Garan­tiezins zu sichern?

Kunden sollten nicht unüber­legt handeln und sich nicht zur Vertrags­unter­schrift drängen lassen. Denn eine Lebens­versicherung oder eine private Renten­versicherung läuft über viele Jahre oder sogar Jahr­zehnte. Kunden, die sich die Beiträge irgend­wann im Vertrags­verlauf nicht mehr leisten können und den Vertrag kündigen, haben ein sehr schlechtes Geschäft gemacht. Eine Kapital­lebens­versicherung eignet sich über­haupt nicht für die Alters­vorsorge, denn sie vermischt intrans­parent das Sparen und die Absicherung der Hinterbliebenen. Besser ist es, Sparen und Risiko­vorsorge zu trennen. Als Hinterbliebenen­schutz ist eine Risiko­lebens­versicherung sehr sinn­voll. Als Alters­vorsorge ist ein guter Riester-Vertrag empfehlens­wert. Dies muss aber keine Riester-Renten­versicherung sein. Gute Alternativen sind Riester-Bank­sparpläne und – für junge Sparer – Riester-Fonds­sparpläne. Diese Produkte sind von der Garan­tiezins­senkung über­haupt nicht betroffen.

Bis wann müssen Kunden handeln, um noch einen Versicherungs­vertrag mit dem höheren Garan­tiezins zu bekommen?

Dies haben wir die Versicherer auch gefragt – und unterschiedliche Antworten bekommen. Bei den meisten müssen die Antrags­unterlagen der Kunden bis zum 30. Dezember oder 31. Dezember vorliegen. Der Münchener Verein nannte uns das Datum 17. Dezember; die Stutt­garter antwortete uns: bis zum 23. Dezember. Und der Volks­wohl Bund nannte den 15. Dezember. Offen­bar sind die Versicherer aber hier flexibel. Wichtig für den Kunden: Die Sicherheit, den höheren Garan­tiezins auch wirk­lich zu bekommen, hat er nur dann, wenn der Versicherer ihm bis Jahres­ende erklärt, dass der Vertrag gilt. Diese Bestätigung nennen die Versicherer auch „Annahme­erklärung“.

Auch der Anla­geerfolg ist wichtig

Ist der Garan­tiezins allein entscheidend für die Leistung?

Nein. Kunden, die erst ab 2015 einen Vertrag neu abschließen, wird zwar für das gleiche Geld weniger Rente oder Einmalzahlung garan­tiert, als Kunden, die noch bis Ende 2014 einen Vertrag unter­schreiben. Das heißt aber nicht zwingend, dass diese neuen Kunden am Ende weniger heraus­bekommen als die anderen. Der garan­tierte Teil ist bei einer klassischen Lebens- oder Renten­versicherung nur der eine Teil der Auszahlung. Der andere kommt aus Über­schüssen. Gibt es weniger Garantie, kann dafür der Anteil an Über­schüssen etwas höher sein. Über­schüsse sind allerdings nicht sicher. Gerade derzeit erwirt­schaften die Lebens­versicherer durch das nied­rige Zins­niveau immer weniger Über­schüsse, denn sie investieren ja haupt­sächlich in fest­verzins­liche Wert­papiere. Doch hier gibt es große Unterschiede: Einige Versicherer erzielen einen besseren Anla­geerfolg für ihre Kunden als die Konkurrenz­unternehmen. Die Kunden bekommen dann höhere Über­schüsse gutgeschrieben.

Was ändert sich ab 2015 noch bei der Lebens­versicherung?

Die Versicherer müssen ihren Kunden mehr vom Risikogewinn abgeben. Bei Kapital­lebens­versicherungen gibt es ­einen Risiko­über­schuss, wenn weniger Kunden vor Vertrags­ende sterben, als vom Versicherer kalkuliert. Denn dann müssen die Versicherer weniger Todes­fall­leistungen auszahlen. Bei Renten­versicherungen entsteht so ein Über­schuss, wenn die Kunden früher sterben als gerechnet. Denn die Versicherer müssen die lebens­lange Rente nicht so lange zahlen wie ursprüng­lich kalkuliert. Kunden bekommen künftig mindestens 90 Prozent statt 75 Prozent des Risiko­über­schusses.

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