Garantiezins Lebensversicherung Meldung

Wieder eine schlechte Nachricht zum Thema Lebensversicherung: Ab dem 1. Januar 2012 sinkt der Garantiezins von jetzt 2,25 Prozent auf dann 1,75 Prozent. Welche Folgen das für Kunden hat, erklärt Finanztest-Redakteurin Susanne Meunier im Interview.

Was ist der Garantiezins?

Susanne Meunier: Der Garantiezins wird auch „Höchstrechnungszins“ genannt. Er gilt bei klassischen Lebensversicherungsprodukten wie Kapitallebens- oder Rentenversicherungen, also nicht für Fondspolicen. Es handelt sich um den Zinssatz, den Versicherungsunternehmen ihren Kunden maximal auf den Sparanteil im Beitrag zusagen dürfen. Der Sparanteil ist das, was nach Abzug von Kosten im Vertrag eines Kunden fürs Sparen übrig bleibt. Wie viel Ertrag bei ihm ankommt, hängt von mehreren Aspekten ab: Wie kostengünstig wirtschaftet sein Versicherer? Wie viel vom Ertrag gibt der Anbieter an seine Kunden weiter? Welche mehr oder weniger teuren Zusatzvereinbarungen sind Bestandteil des Versicherungsvertrags? Zahlt der Kunde seinen Beitrag kostengünstig jährlich oder beispielsweise monatlich mit Ratenzahlungszuschlägen ein? Schon heute bleibt bei teuren Versicherern von den derzeit geltenden 2,25 Prozent Garantiezins nur 1 Prozent und weniger übrig - auf den Beitrag gesehen.

Wer entscheidet über die Höhe des Garantiezinses?

Susanne Meunier: Die Deutsche Aktuarvereinigung, in der sich die Mathematiker der Lebensversicherer versammeln, kann Empfehlungen für die Höhe des Garantiezins abgeben. Festgesetzt wird er aber vom Bundesfinanzministerium. Es passt den Zins an, wenn die Umlaufrendite der Euro-Staatsanleihen im Durchschnitt der letzten zehn Jahre sinkt oder steigt. Die Umlaufrendite ist die durchschnittliche Rendite aller Euro-Staatsanleihen, die im Umlauf sind. Der Garantiezins darf nur rund 60 Prozent dieser Rendite betragen. Das soll Versicherer daran hindern, zu hohe Zinszusagen zu geben, die sie dann vielleicht auf Dauer nicht einhalten können.

Für welche Verträge wirkt sich die Senkung aus?

Susanne Meunier: Zunächst hatte das Ministerium angekündigt, dass der Zins schon ab dem 1. Juli 2011 von jetzt 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent für Verträge, die nach dem Stichtag neu geschlossen werden, sinkt. Nun kommt die Absenkung erst ab dem 1. Januar 2012. Damit ist man den Versicherern offenbar etwas entgegengekommen. Die Branche hatte sich für eine Senkung auf 2 Prozent ausgesprochen.

Was bedeutet die Absenkung konkret für den einzelnen Kunden?

Susanne Meunier: Laufende Verträge sind nicht betroffen. Der niedrigere Zins gilt nur für ab 2012 geschlossene Verträge, für diese aber auf Dauer. Erholt sich das Zinsniveau nachhaltig, wird auch der Garantiezins irgendwann wieder angehoben werden. Das gilt dann aber auch erst wieder für Neuverträge ab dem Zeitpunkt der Erhöhung.

Ist es sinnvoll, vor Jahresende 2011 einen Vertrag abzuschließen, um sich noch den höheren Zins zu sichern?

Susanne Meunier: Nein. Kunden, die erst ab 2012 einen Vertrag neu abschließen, wird zwar fürs gleiche Geld etwas weniger Rente oder eine geringere Einmalzahlung garantiert als denen, die noch bis Ende 2011 abschlossen. Das heißt aber nicht, dass diese neuen Kunden am Ende weniger herausbekommen als die anderen. Der garantierte Teil ist bei einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung nur der eine Teil der Auszahlung. Der andere kommt aus Überschüssen. Gibt es weniger Garantie, kann dafür der Anteil an Überschüssen etwas höher sein. Überschüsse sind allerdings nicht sicher. Gerade derzeit erwirtschaften die Lebensversicherer durch das niedrige Zinsniveau immer weniger Überschüsse, denn sie investieren ja hauptsächlich in festverzinsliche Wertpapiere.

Wie ist die generelle Meinung von Finanztest zu Lebensversicherungen?

Susanne Meunier: Es ist zu erwarten, dass viele Versicherungsvermittler die angekündigte Zinssenkung ausnutzen werden, um noch schnell viele Verträge zu verkaufen. Lebens- oder Rentenversicherungen passen aber nur zu wenigen Menschen, denn die Verträge vieler Anbieter sind teuer und wenig ertragreich, und zunehmend werden riskante Fondspolicen verkauft. Vor allem sind Lebensversicherungen unflexibel. Viele Kunden werden zur Unterschrift überredet und halten den Vertrag nachher nicht durch. Ein vorzeitiger Ausstieg aus einer langlaufenden Lebensversicherung macht jeden Vertrag kaputt: Ein guter wird schlecht, ein schlechter zu einer Katastrophe.

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