Garantiezertifikate Test

Abgestürzt, aber unsterblich: Ikarus ist Namensgeber einer Garantieanleihe der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Garantiezertifikate schützen ganz oder teilweise vor Verlusten an den Aktienmärkten. Doch nur ein Angebot aus unserem Test bietet auch faire Gewinnchancen.

Es könnte so einfach sein: Volle Teilhabe an den Kurschancen der Aktienmärkte, volle Absicherung nach unten. Das ist der Wunsch vieler Kunden, doch kaum eine Bank erfüllt ihn.

Eine kleine Ausnahme ist die Schweizer Bank Vontobel. Ihr Zertifikat „Europa Dividend Protect 100 – Partizipation 100“ bietet sowohl vollen Schutz vor Verlusten als auch eine nahezu vollständige Teilhabe an den Gewinnen des Index DJ Euro Stoxx Select Dividend 30, der die dividendenstärksten Aktien aus dem Euroraum abbildet. Ausgerechnet die Dividenden bekommt aber nicht der Anleger, sondern die Bank.

Es ist das beste Angebot aus unserem Test der Garantiezertifikate. Wir haben sieben aktuelle Papiere untersucht, die sich direkt oder indirekt auf einen Aktienindex beziehen. Das originellste hat zweifellos die Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt herausgebracht. Es ist die Ikarus Garant Anleihe.

Die Zertifikatebastler von HSBC trauen ihren Vertriebsleuten und Kunden wohl keine Kenntnisse griechischer Mythologie zu. Nur so ist es zu erklären, dass Ikarus Namenspatron ihres Produktes ist. Jener Ikarus, der mit dem von Vater Daedalus gebauten Fluggerät abstürzte, weil er der Sonne zu nahe kam und die Flügel in der Hitze schmolzen. Warum sollte jemand ein Zertifikat mit diesem Namen kaufen?

Höhenflug jäh gestoppt

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Das Papier heißt nicht nur so, es ergeht ihm auch ähnlich wie Ikarus: Sobald der Dax während der zwei Jahre Laufzeit mehr als 25 Prozent gegenüber dem Startwert zulegt, stürzt die Rendite des Zertifikats ab. Dann werden aus 100 angelegten Euro auf jeden Fall nur 108, gleich was danach noch passiert. So hat es HSBC festgelegt.

Dass der Dax der Sonne so nahe kommt, ist nicht unwahrscheinlich: Wir haben 10 000 mögliche Verläufe von Index und Zertifikat simuliert. In 6 332 Fällen hat der Dax die Renditeschwelle überschritten. In allen Fällen bekommen die Anleger 108 Euro. Das ist gut, wenn der Dax bis zur Fälligkeit seine Kursgewinne wieder abgibt und beispielsweise bei 103 Prozent oder sogar unter 100 seines Startwerts notiert.

In den meisten Fällen, nämlich 5 861, steht der Dax aber auch am Laufzeitende über 108. Dann hat Ikarus das Nachsehen.

Im besten Fall wirft das Zertifikat eine Rendite von 11,24 Prozent pro Jahr ab – und zwar dann, wenn der Dax zur Fälligkeit auf genau 124,99 Prozent steht. Das ist wenig wahrscheinlich.

Zugegeben, für eine Geldanlage ohne Risiko wären 8 Prozent für zwei Jahre kein schlechtes Ergebnis. Doch die gibt es zurzeit auch mit gewöhnlichen Anleihen.

Dabei sein ist alles

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Wer ein Garantiezertifikat kauft, tut das normalerweise in der Annahme, dass die Aktien steigen, und nicht, weil er risikolose 4 Prozent pro Jahr bekommen möchte.

Für den Fall, dass seine Annahme fehlschlägt, vereinbart er die Garantie. Wichtig ist ihm, dass er mit seinem Zertifikat möglichst vollständig am Anstieg des entsprechenden Markts teilhat. Sein Anteil drückt sich in der Beteiligungs- oder Partizipationsquote aus.

Ausgesprochen hoch ist die Quote beim oben angeführten Zertifikat von Vontobel: 95,1 Prozent. Bei der Ikarus-Garant-Anleihe nimmt der Anleger indessen nur zu 21,5 Prozent am Kursanstieg des Basiswerts teil (siehe Tabelle): Steigt der Index um 100 Punkte, steigt das Zertifikat durchschnittlich nur um 21,5 Punkte.

Vontobel hat außer dem besten Angebot im Test noch ein weiteres Garantiezertifikat im Rennen: das „Europa Protect IV Zertifikat – Partizipation 115%“. Es bezieht sich auf den DJ Euro Stoxx 50 Kursindex. Anders als es die Bezeichnung vermuten lässt, ist die Quote, mit der Käufer an einem Anstieg des Index teilhaben, aber nicht 115, sondern nur 55,5 Prozent.

Etikettenschwindel? Zumindest verspricht der Name mehr, als das Zertifikat hält. Die Unstimmigkeit rührt daher, dass die Bank den Auszahlungsbetrag für das Zertifikat nicht direkt vom Indexstand ableitet, sondern Durchschnittskurse bildet und die Beteiligung daraus errechnet. Nicht der Kurs des Euro Stoxx 50 am Fälligkeitstag zählt, sondern der Mittelwert aus 36 Punkteständen, der mit dem Faktor 1,15 multipliziert wird.

Hin und her gerechnet

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Die Durchschnittsbildung ist beliebt bei den Banken, für Anleger aber meistens von Nachteil, weil sowohl gute als auch schlechte Punktestände einfließen. Auch wenn ein Index stetig steigt, ist der Durchschnitt immer schlechter als der Endstand. Fünf der sieben Zertifikate im Test funktionieren so.

Die Zahl der Punktestände, aus denen die Banken den Durchschnitt ausrechnen, ist allerdings unterschiedlich. Vontobel berücksichtigt 36 Werte, das sind 12 pro Jahr.

Auf gerade mal fünf Werten basiert der Durchschnitt für das Garantiezertifikat auf den DJ Euro Stoxx 50 der DZ Bank, das 16 Monate läuft. Die Quote, mit der Anleger von Anstiegen des Index profitieren, beträgt 31,2 Prozent.

Glück gehabt

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Fällt der Index unter seinen Anfangsstand, greift die Garantie. Mitunter bekommt der Anleger aber sogar mehr als diese. Trotz Kursverlusten an den Aktienmärkten kann er mit seinem Zertifikat ein Plus machen.

Das ist die gute Seite der Durchschnittsbildung. Wenn der Index erst lange steigt und zum Ende hin abstürzt, schneidet der Anleger besser ab, als wenn sich die Bank nur den Endstand anschaut.

Wie oft das passiert, haben wir ebenfalls simuliert, zum Beispiel für das Garantiezertifikat der DZ Bank auf den DJ Euro Stoxx 50: Von allen Fällen, in denen der Index gefallen ist, macht der Anleger in 20 Prozent dennoch einen Gewinn.

In einigen Fällen bringt das Zertifikat sogar dann ein besseres Ergebnis, wenn der Basiswert steigt (siehe Grafiken). Oft kommt das allerdings nicht vor, sondern nur, wenn der Index lediglich leicht im Plus liegt.

Nie besser als der Index schneidet der Zertifikatekäufer mit dem Protect-100-Zertifikat von Vontobel ab – einfach, weil er den Indexstand erhält, abzüglich Kosten natürlich.

Der Renditevergleich

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Die Garantie bremst das Vorwärtskommen. Solche Zertifikate funktionieren wie ein Sportwagen mit Sicherheitsanker. Er kommt nur mühsam voran, manchmal bleibt er sogar hängen.

Die Beteiligungsquote gibt an, wie viel der Anleger von einem Anstieg des Basiswerts hat, die Garantie schützt ihn, wenn die Kurse fallen. Wir wollten wissen, wie das Zertifikat insgesamt im Vergleich zum Basiswert abschneidet, in allen Marktphasen.

Auch das haben wir simuliert und eine Rendite daraus errechnet. Generell gilt, dass die Garantiezertifikate eine geringere Renditechance haben als der Basiswert. Klar: Die Garantie gibt es nicht umsonst. In der Tabelle ist die mittlere Renditedifferenz gegenüber dem Basiswert angegeben, auf den sich das Zertifikat bezieht. Sie zeigt den Unterschied zwischen der Entwicklung des Basiswerts, meistens ein Kursindex, und dem Zertifikat, das eine Garantie enthält.

Doch diese Angabe alleine zeichnet noch kein vollständiges Bild: Investierte der Anleger nämlich direkt in den entsprechenden Aktienmarkt, würde er sich keinen Kursindex kaufen, sondern vernünftigerweise den Performanceindex. In einem Performanceindex sind die Dividenden automatisch enthalten. Wir haben deshalb die Dividenden, die dem Anleger entgehen, ebenfalls dargestellt.

Die Renditedifferenz und die entgangene Dividende zusammen ergeben den Preis, den er für die Garantie bezahlt.

Käufer des eingangs erwähnten Europa Dividend Protect 100 von Vontobel zum Beispiel verzichten auf Ausschüttungen in Höhe von rund 3,7 Prozent jährlich. Inklusive Kosten ist ihre Rendite rund 4,2 Prozent niedriger, als wenn sie den Index direkt kaufen.

Noch einen Haken hat die Rechnung: Garantiezertifikate gelten als Finanzinnovationen. Anleger müssen Kursgewinne deshalb auch nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist versteuern, und zwar mit ihrem persönlichen Steuersatz. Vom 1. Januar 2009 an wird auch für Garantiezertifikate die einheitliche Abgeltungsteuer eingeführt.

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