Garantiezertifikate Test

Garantiezertifikate retten den Anleger vor abstürzenden Finanzmärkten. Der Preis für diese Sicherheit ist meist eine viel geringere Beteiligung an Kursgewinnen und der Verzicht auf Dividenden. Finanztest hat sich die Funktionsweise von sieben Zertifikaten genau angeschaut und die Renditechancen aus jeweils 10 000 Simulationsrechnungen ermittelt. Nur ein Produkt bietet Anlegern faire Gewinnchancen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Garantiezertifikate

Nur ein akzeptables Zertifikat

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Alle sieben getesteten Garantiezertifikate investieren ausschließlich in Aktienpakete. Der Basiswert jedes Zertifikats ist ein Aktienindex. Der Logik von Garantiezertifikaten liegt die Annahme zugrunde, die Aktienkurse steigen. Die höchstmögliche Rendite erwirtschaftet ein Zertifikat bei steigenden Kursen, wenn es nahezu vollständig am Anstieg des jeweiligen Marktes teilhat. Der Test zeigt: Einige Banken beteiligen ihre Anleger angemessen am Kursanstieg, andere Institute dagegen streichen den größten Teil der Gewinne selbst ein. Mit 95,1 Prozent beteiligt die schweizer Bank Vontobel Anleger an Kursanstiegen, die ihr Zertifikat „Europa Dividend Protect 100 – Partizipation 100“ besitzen. Bei sinkenden Kursen verliert der Investor nur den Ausgabeaufschlag von 2,5 Prozent. Aufgrund seiner hohen Transparenz bietet Vontobel das beste Zertifikat im Test, obwohl sie die Dividenden nicht an die Anleger weitergibt.

Größter Happen für die Bank

Am geringsten partizipieren Besitzer der Ikarus Garant Anleihe vom Bankhaus HSBC Trinkhaus & Burkhardt von Kurssteigerungen. Der Anleger nimmt nur mit 21,5 Prozent am Anstieg des Basiswertes teil. Der Haken ist nämlich: Springt der Deutsche Aktienindex DAX einmal in der zweijährigen Laufzeit auf mindestens 25 Prozent des Startwerts, erhält der Sparer am Ende der Laufzeit nur eine Rendite von 3,4 Prozent per anno. Das ist dann gut, wenn der Aktienindex bis zum Ende der Laufzeit mindestens wieder 13,6 Prozent abgeben würde. Aber nur in 432 von 10 000 Fällen ist das so, wie die Tester aus den simulierten Verläufen von Index und Zertifikat berechnet haben. In 6 249 Szenarien von 10 000 hat der DAX zwischenzeitlich seinen Anfangswert um mindestens 25 Prozent überschritten. Die Wahrscheinlichkeit ist höher als 50 Prozent, dass die Bank den Anleger mit der niedrigen Garantiesumme abspeist.

Achtung: Durchschnitt

Auf viele Prozente verzichten müssen Anleger auch, wenn die Bank den Auszahlungsbetrag für das Zertifikat aus Durchschnittskursen berechnet. Der Auszahlungsbetrag leitet sich also nicht vom Indexstand am Ende der Laufzeit ab. Die Durchschnittsbildung ist bei steigenden Kursen für Anleger von Nachteil, weil auch die niedrigen Punktestände vom Beginn der Laufzeit in die Berechnung einfließen. Der Investor profitiert nur dann vom Durchschnittsprinzip, wenn der Aktienindex zum Ende der Laufzeit hin abstürzt. Dann schneidet er besser ab, als in der Konstruktion, bei der für die Bank nur der Endstand zählt.

Wissenslücke bei Beratern

Nach Garantiezertifikaten haben Testpersonen in 23 Beratungsgesprächen Bank- und Sparkassenmitarbeitern gefragt. Sie haben alles Mögliche angeboten bekommen, nur keine Garantiezertifikate. Festgeld, Sparanlagen, Bonuszertifikate, die nur einen Teilschutz haben, oder Altersvorsorge-Produkte holten die Berater aus der Schublade. Ausgenommen sind hier ein junger Berater der Dresdner Bank und ein Mitarbeiter der Sparkasse Mainz. Sie kannten sich aus und erklärten mehrere Varianten des strukturierten Produkts.

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