Zoff um die Zusatz­garantie

Kunden berichten über ihre Erfahrungen mit Elektronik­garan­tien. Mit dem Reparatur­kosten­schutz sind viele zufrieden. Der Diebstahl­schutz kommt bei den Verbrauchern allerdings nicht gut weg.

Streit um Diebstahl

Dominique Schaal hat noch einmal Glück gehabt. Die 21-jährige Studentin konnte sich erfolg­reich gegen den Kölner Versicherer Axa durch­setzen. Aber leicht war es nicht. Im März 2013 hatte Schaal die Handy­versicherung „MyPro­tect“ beim Berliner Versicherungs­makler Assona abge­schlossen. Versicherer bei „MyPro­tect“ ist die Axa. Während eines Aufenthalts in Israel wird Dominique Schaal im Februar 2014 bei einem Konzert in Tel Aviv das iPhone aus ihrer Hand­tasche gestohlen. Nach den damaligen Bedingungen von „MyPro­tect“ muss die junge Frau bei Diebstahl als Selbst­behalt 25 Prozent des Zeit­werts ihres Handys selbst tragen. Dominique Schaal kann also nur noch 450 Euro bekommen. Doch selbst die erhält sie nicht. Dominique Schaal zieht vor Gericht. Im Verfahren beruft sich die Axa auf diese Klausel in den Bedingungen: Versicherungs­schutz besteht nur, wenn das Gerät „in persönlichem Gewahr­sam sicher mitgeführt wird“. Schaal habe das Gerät nicht sicher mit sich geführt, als sie das Handy während des Konzerts in ihrer Umhängetasche hatte. Doch das Amts­gericht stellt sich am Ende auf die Seite der jungen Frau. Noch im laufenden Verfahren erklärt der Richter, dass er die Diebstahl­klausel für unwirk­sam hält. Darauf­hin erklärt sich die Axa doch zur Zahlung bereit und erkennt ihre Forderung von 450 Euro an (Amts­gericht Köln, Az. 142 C 265/14). Dominique Schaals Anwalt, Oliver Kloth aus Teningen, vermutet, dass die Axa mit dem Anerkennt­nis ein Urteil verhindern wollte, auf das sich andere Verbraucher berufen können.

Kein Schutz beim Sport

Die strenge Diebstahl­klausel der Axa findet sich so und ähnlich auch in Zusatz­garan­tien von Cyberport, Euronics (AmTrust Interna­tional), Media Markt, Saturn und Medimax. Handy oder Notebook dürfen die Besitzer eigentlich nie aus den Augen lassen. Bleibt das Handy etwa beim Sport in einer Tasche in der Umkleidekabine, ist es schon nicht mehr versichert. Wenn solche Alltags­situationen unver­sichert sind, fragt sich, was der Diebstahl­schutz über­haupt taugt.

Nur Zeit­wert­ersatz

Manfred West­phal hat vor einigen Jahren bei Media Markt einen Flach­bild­fernseher für 800 Euro und die Plus­Garantie für zusätzlich 100 Euro gekauft. Im fünften Jahr nach Kauf ging der Fernseher kaputt – laut Media Markt ein Totalschaden. Für diesen Fall sahen die Garan­tiebedingungen der Plus­Garantie als Erstattung noch 40 Prozent vom Kauf­preis vor. Die 320 Euro von Media Markt reichten natürlich nicht, um sich einen Ersatz-Fernseher in der 800-Euro-Kategorie zu kaufen. West­phal musste den Rest drauf­legen. Inzwischen hat Media Markt seine Garan­tieprodukte erheblich verbessert. Die Plus­Garantie bezahlt heute bei Totalschaden entweder ein Neugerät oder erstattet 100 Prozent des Kauf­preises (Tabelle Garantieverlängerung 12/2015).

Probleme mit dem Akku

Der freiberufliche Fotograf Johannes Backes ist zufrieden. Für sein Macbook hatte er eine Garan­tieverlängerung von Apple abge­schlossen. Kurz vor Ende der Garan­tiezeit verformte sich der Akku des Geräts – ein Produkt­fehler. Apple tauschte den Akku anstands­los aus. Lässt das Stromspeicher­vermögen eines Akkus nach, kann es sich allerdings auch um Verschleiß handeln. Dieser ist bei einfachen Garan­tieverlängerungen (Tabelle Garantieverlängerung 12/2015) in der Regel nicht versichert. Ausnahme: Bei der Plus­Garantie von Media Markt und Saturn ist Akku­verschleiß versichert. Apple hat diesen Schutz für Mac-Rechner inzwischen in den AppleCare Protection Plan aufgenommen.

Auffällig positiv: Wert­garantie

„Zu meinem Glück hatte ich eine Wert­garantie-Versicherung abge­schlossen..., obwohl ich kein Freund von Versicherungen bin“, so und ähnlich über­schwäng­lich positiv bewerten Teilnehmer der Finanztest-Leser­umfrage die Zusatz­garan­tien der Wert­garantie. Allerdings stellte sich nach einer simplen Internetrecherche heraus, dass diese Kommentare unter anderem von zwei Verkaufs­leitern und einem Regionalleiter der Wert­garantie stammten. In ihren Erfahrungs­berichten fehlte freilich jeder Hinweis auf ihren Job für das Versicherungs­unternehmen.

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