Garantieverlängerung Meldung

Beim Kauf eines Elektro­geräts empfehlen Händler oft, eine Garantieverlängerung mitzukaufen. Der Extraschutz ist nicht nur teuer, er hat auch viele Haken. test.de hat einige Garantie­erweite­run­gen überprüft.

Grenzen der Gewährleistung

Das hochauflösende Fernsehen steht vor der Tür. Mit einem neuen Fernseher gibt es die Olympischen Winterspiele in bester HDTV-Bildqualität. Doch moderne Elektrogeräte sind teuer. Die Fernseher kosten leicht mehr als 1 000 Euro. Eine Garantieverlängerung gibt es oft für einen Preis von bis zu 150 Euro dazu. Die Händler können mit den Grenzen des üblichen Schutzes argumentieren. Nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuchs dürfen Kunden beim Verkäufer Mängel nur zwei Jahre lang reklamieren. Außerdem haben die gesetzlichen Rechte eine Schwäche: Ab dem siebten Monat trägt der Kunde die Beweislast. Fordert er die Reparatur seines Geräts, kann der Händler von ihm den Nachweis verlangen, dass die Sache beim Kauf schon einen Mangel hatte. Der Beweis gelingt vielen nicht.

Garantieverlängerungen sollen helfen

Mit einer Garantie ist der Kunde besser dran, dann hat er diese Beweisnot nicht. ­Da die Herstellergarantie oft ebenfalls nur zwei Jahre läuft, bieten die Händler Verlängerungen an. Bei Media Markt (früherer Werbeslogan „Ich bin doch nicht blöd“) und Saturn können Kunden Garantien für vier oder fünf Jahre abschließen. Ähnliche Angebote machen Conrad Electronic, Gravis und viele kleinere Fachhändler.

Erwartungen der Kunden oft enttäuscht

Aber nicht alle Kunden sind mit dem ­Extraschutz zufrieden, stellt der Ombudsmann für Versicherungen, Günter Hirsch, in seinem Jahresbericht 2008 fest. Der ­ehemalige Bundesrichter schlichtet Streit zwischen Kunden und Versicherern. Er schreibt, dass einige Verbraucher falsche Erwartungen an eine Garantieverlängerung haben. Sie gehen davon aus, sich ein neues Gerät ihrer Wahl aus dem Elektromarkt holen zu dürfen, wenn ihr altes kaputtgegangen ist. Doch in erster Linie übernimmt der Garantiegeber bei Mängeln die Reparatur. Finanztest hat deshalb einige Garantieerweiterungen unter die Lupe genommen.

Plus-Garantie von Media Markt und Saturn

Die Standardgarantie von Media Markt und Saturn heißt „Plus-Garantie“. Die fünfjährige Plus-Garantie für einen 1 000-Euro-Fernseher kostet 100 Euro. Muss ein Fernseher in der Garantiezeit in Reparatur, bekommt der Kunde ein Leihgerät gestellt. Der Schutz eines 1 000-Euro-Notebooks ist teurer. Vier Jahre kosten 160 Euro. In den Klauseln zur Plus-Garantie ist die Haftung der Elektromärkte eingeschränkt: Schäden, die durch Abnutzung entstehen, sind nicht abgedeckt. Geht die Projektionslampe eines Beamers nach einigem Gebrauch kaputt oder verliert der Akku an Kapazität, greift die Garantie nicht.

Oft nur Ersatz des Zeitwerts

Ist die Reparatur teurer als der Zeitwert des Geräts bei Eintritt des Schadens, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Je nach Garantievertrag kann der Kunde bei Media Markt und Saturn dann ein Ersatzgerät bekommen. In vielen Fällen ist aber nur der Ersatz des Zeitwerts vorgesehen. Dieser Zeitwert ist oft schon nach kurzer Zeit sehr niedrig. Viele Kunden sind enttäuscht, wenn sie 1 000 Euro für ein Notebook ausgegeben haben und der Händler nach einem Totalschaden vier Jahre später nur 400 Euro ersetzt.

Diebstahlschutz kostet extra

Geräte wie Notebooks oder Kameras können Kunden bei Media Markt und Saturn zusätzlich gegen Diebstahl absichern („Plus-Schutz“). Im Plus-Schutz sind außerdem Schäden durch Verschleiß abgesichert. Die Garantieerweiterung auf vier Jahre inklusive Diebstahlschutz kostet für einen 1 000-Euro-Rechner allerdings 240 Euro. Die Bedingungen für den Diebstahlschutz sind hart. Der Kunde verliert den Schutz schon dann, wenn er am Bahnhof seinen Koffer samt Notebook neben sich stellt, um den Fahrplan zu studieren.

Safety Pack Plus von Gravis

Ähnlich sieht es bei Gravis aus, einem Fachhändler für Geräte der Firma Apple. Gravis bietet eine Garantieerweiterung mit Diebstahlschutz für drei Jahre an. Das „Safety Pack Plus“ kostet je nach Apple-Notebook bis zu 129,90 Euro. Wird das Notebook aus einem verschlossenen Auto gestohlen, ist der Gravis-Kunden nur dann versichert, wenn das Gerät im Auto nicht sichtbar war. Die Jacke über dem Notebook auf dem Beifahrersitz gilt bereits als „sichtbare Aufbewahrung“. Gravis kommt aber nicht nur für Diebstähle auf. Die Firma zahlt sogar, wenn der Kunde versehentlich selbst das Gerät kaputtmacht. Nach Totalschaden und Diebstahl erhält der Kunde zwar ein neues Gerät, er muss aber 536 Euro Selbstbehalt zahlen.

Conrad Electronic

Der Fachmarkt Conrad Electronic bietet die „48-Monate-Langzeitgarantie“. Sie kostet für den 1 000-Euro-Fernseher nur 59 Euro. Conrad formuliert seine Garantie knapp: „Für anfallende Reparatur- und Ersatzleistungen zahlen Sie keinen Cent“, heißt es auf der Seite der Handelskette im Internet. Auf Nachfrage erfährt Finanztest: Während der Garantiezeit übernimmt Conrad notwendige Reparaturen. Ist die Sache nicht mehr zu reparieren, erhält der Kunde ein Ersatzgerät, das mindestens dem technischen Standard des Altgeräts entspricht. Ausgenommen von der Garantie sind typische Verschleißteile wie Projektionslampen oder Akkus. Eine Absicherung bei Diebstahl oder Schutz für selbstverursachte Schäden ist nicht vorgesehen.

Wertgarantie für 5 Euro monatlich

Viele kleine und mittelständische Händler bieten ihren Kunden den „Komplettschutz“ der Wertgarantie Technische Versicherung AG aus Hannover an. Die Wertgarantie übernimmt wie Gravis auch Schäden, die durch eine Unachtsamkeit des Kunden entstanden sind. Außerdem bezahlt sie den Austausch von Verschleißteilen. Versichert werden können Geräte mit einem Kaufpreis bis zu 3 000 Euro und sogar gebrauchte Geräte mit Ausnahme von gebrauchten Mobiltelefonen.

Schutz der Wertgarantie schnell sehr teuer

Der Schutz der Wertgarantie geht weiter als die Plus-Garantie von Media Markt und Saturn, er wird aber auch schnell sehr teuer: Der Schutz kostet unabhängig vom Warenwert 5 Euro monatlich im ersten Jahr und ab dem zweiten Jahr 8 Euro monatlich. Bei allen Geräten der Haushalts- und Unterhaltungselektronik läuft die Versicherung für ein Jahr und verlängert sich um ein weiteres Jahr, wenn nicht drei Monate vor Ablauf des Jahres gekündigt wird. Wer ­seinen Fernseher also über fünf Jahre versichert, hat 444 Euro bezahlt.

Komplizierte Klauseln

Sind die Reparaturkosten höher als der Zeitwert des Geräts, kann der Kunde trotzdem reparieren lassen oder eine „Neukaufbeteiligung“ in Anspruch nehmen. Er bekommt dann mindestens 150 Euro und maximal den Zeitwert des Geräts. Das Geld darf er nur behalten, wenn er damit innerhalb eines Monats einen fabrikneuen Artikel kauft. Wer zusätzlich noch den Diebstahlschutz abschließt, zahlt 1,95 Euro monatlich extra. Ein Neugerät bekommt der Kunde im Falle eines Diebstahls nicht. Die Wertgarantie beteiligt sich am Kauf eines neuen Geräts mit mindestens 300 Euro und maximal dem Wert des gestohlenen Geräts. Kein Wunder, was Ombudsmann Hirsch über die Garantieverlängerungen schreibt: Die Verträge enthielten oft komplizierte Klauseln, „die selbst ein aufmerksamer Leser nicht ohne weiteres verstehen kann.“

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