Garan­tiefonds Test

Garan­tiefonds schützen vor Verlusten, doch die Aussicht auf gute Renditen ist gering. Ein Mix aus Fest­geld und Aktienfonds bringt mehr.

Garan­tiefonds sollen Anleger vor Verlusten schützen und sie an Gewinnen aus Aktien beteiligen. Eine viel­versprechende Idee in einer Situation, in der Sparer nur winzige Zinsen bekommen und die Aktienmärkte so gut gelaufen sind, dass manche Profis bereits vor Einbrüchen warnen.

Wir haben 31 Garan­tiefonds mit unbe­grenzter Lauf­zeit getestet. Davon sind 20 mit einer echten Garantie ausgestattet, 11 streben eine Wert­sicherung an. „Echt“ nennen wir eine Garantie, die einklag­bar ist. Sie ist ausdrück­lich im Prospekt erwähnt, die Fonds­gesell­schaft steht als Garan­tiegeber bereit. Fonds mit einfacher Wert­sicherung bieten diesen vertraglichen Anspruch nicht.

Garan­tiefonds enthalten eine Mischung aus Zins­papieren und Aktien. Die Zins­anlagen dienen als Sicherheit für mögliche Verluste am Aktienmarkt. Die Produkte sind allerdings so kompliziert, dass Anleger oft weder die Mecha­nismen der Garantie verstehen noch die Wert­entwick­lung durch­schauen können.

„Ich kann keinen Garan­tiefonds empfehlen“, sagt Finanztest-Projektleiter Yann Stoffel. Er hat Wert­entwick­lung und Risiko aller 31 Fonds für zwei Zeiträume untersucht: für die zurück­liegenden drei Jahre und für die fünf Jahre und sieben Monate vom 31. Dezember 2007 bis zum 31. Juli 2013.

Der rendite­stärkste Fonds im Test ist der UniGarantTop Europa IV von der Gesell­schaft Union Investment. Er hat seit Ende 2007 im Durch­schnitt 3,3 Prozent pro Jahr an Wert gewonnen.

Zum Vergleich: Ein Anleger, der sein Geld Ende 2007 für fünf oder sechs Jahre ohne vorherige Ausstiegs­möglich­keit in das damals attraktivste Fest­geld­angebot im Test investiert hat, erzielte mehr. Er strich eine Rendite von 4,6 Prozent pro Jahr ein.

Schlecht schneiden die Garan­tiefonds aus zwei Gründen ab: Ihre Kosten sind zu hoch. Der Ausgabe­aufschlag und die jähr­lichen Kosten nagen an der Rendite. Und das aktuell extrem nied­rige Zins­niveau raubt den Fonds die Möglich­keit, ausreichend in Aktienmärkte zu investieren.

Garan­tiefonds mit winzigen Chancen

Der größte Teil des Anlegergeldes in Garan­tiefonds fließt in Tages­geld und fest­verzins­liche Wert­papiere, etwa Staats­anleihen. Mit Zinsen und Zinseszinsen müssen die Fonds an einem künftigen Stichtag die Garantie des Fonds erfüllen, auch wenn die Aktienmärkte einbrechen würden. Je nied­riger die Zinsen, desto mehr Geld muss der Fonds­manager in Anleihen stecken, um die Garantie zu sichern.

Das geht auf Kosten des verbleibenden Anteils, den der Fonds­manager auf dem Aktienmarkt investiert. Schmilzt er weiter, sinken auch die Ertrags­chancen.

Bis 27 Prozent Verlust in drei Jahren

Anleger können mit Garan­tiefonds sogar Verluste machen. Das ist etwa möglich, wenn die Garantie keine 100 Prozent beträgt oder der garan­tierte Rück­nahme­preis unter dem beim Kauf gezahlten Ausgabepreis liegt.

Für vier Fonds im Test haben wir in den vergangenen drei Jahren einen maximalen Verlust von mehr als 10 Prozent fest­gestellt. Den maximalen Verlust macht ein Anleger, der unmittel­bar vor dem größten Kurs­verlust einsteigt und den Fonds am Tief­punkt wieder verkauft.

Die drei Fonds haben eine Garantie von 90 Prozent, bezogen auf jeweils zwölf Monate. Anleger können damit über drei Jahre theoretisch bis zu 27 Prozent verlieren.

Wir wollten wissen, wie gut der Kapital­schutz verschiedener Garan­tiefonds in der Finanz­krise funk­tioniert hat und wie sie sich im Vergleich mit anderen Geld­anlagen entwickelten: Die Garantie hat gut funk­tioniert, aber die Rendite könnte besser sein.

90-10-Mischung liegt vorn

Garan­tiefonds Test

Für den Vergleich haben wir den Garan­tiefonds zwei sichere, aber chancenreichere Alternativen gegen­überge­stellt, die ebenso Aktien und Zins­papiere mischen.

Variante eins ist das Finanztest-Garantiedepot: Fest­geld wird so mit einem kleinen Teil Aktienfonds gemischt, dass Anleger am Ende auch bei Einbrüchen des Fonds von bis zu 60 Prozent keinen Verlust erleiden. Bei dem Aktienfonds handelt es sich um den db x-trackers MSCI World Ucits ETF. Er bildet die Wert­entwick­lung des wichtigsten Welt­aktien­indexes nach.

Die zweite Variante ist eine Mischung aus 90 Prozent Renten und 10 Prozent Aktienfonds. Kombiniert werden zwei börsen­gehandelte Indexfonds (ETF): Der db x-trackers iBoxx € Sover­eigns Eurozone Ucits ETF enthält Staats­anleihen der Eurozone und bildet einen Renten­index nach. In diesen Fonds werden zu Beginn 90 Prozent des Anla­gebetrags investiert. Er stellt den sicheren Teil des Portfolios dar. Die verbleibenden 10 Prozent stecken im gleichen Aktienfonds in den das Finanztest-Garan­tiedepot anlegt.

Start unseres Vergleichs ist der 31. Dezember 2007. Bilanz ziehen wir Ende Juli 2013: Die 90-10-Mischung hat die Nase vorn. Ihr Wert ist in fünf Jahren und sieben Monaten um fast 31 Prozent nach oben geklettert. Das Finanztest-Garan­tiedepot folgt mit fast 24 Prozent Plus auf Rang zwei.

Auf dem dritten Platz landet der beste Garan­tiefonds UniGarantTop Europa IV mit einem Plus von knapp 20 Prozent, die schlechteren Fonds liegen weit dahinter.

Kein Garan­tie­ausfall bisher

Die Wert­entwick­lung ist dürftig, doch die Sicherungs­garan­tien halten. „Uns ist kein Fall bekannt, dass ein Garan­tiefonds seine Garantie nicht einge­halten hätte“, sagt Rolf Drees, Sprecher des Bundes­verbands Investment und Asset Management.

Die Garan­tiezusage für Fonds mit unbe­fristeter Lauf­zeit bezieht sich auf Stichtage. Der Zeitraum von einem Stichtag zum nächsten ist die Garan­tieperiode. Je nach Fonds­konzept kann die Garan­tieperiode einen Tag, ein Jahr oder mehrere Jahre dauern. Die Garan­tieperioden der Fonds in unserem Test liegen zwischen einem und fünf Jahren.

Je nach Fonds bezieht sich die Garantie auf unterschiedliche Werte. Bei einigen Fonds ist es der erste Anteils­wert der Garan­tieperiode. Beim UniProtect:  Europa ist es aber anders. Er garan­tiert 95 Prozent des letzten Anteils­preises der voran­gegangenen Garan­tieperiode, die am 31. März 2013 endete. Damals betrug der Anteils­wert 111,20 Euro. Also garan­tiert die Fonds­gesell­schaft Union Investment 105,64 Euro zum 31. März 2014. Den drei­prozentigen Ausgabe­aufschlag zahlt der Anleger zusätzlich.

Viele Fonds bieten eine weitere Sicherheit, bremsen damit aber die Rendite­chancen aus. Die Fonds­gesell­schaft Union hat Anlegern im Prospekt für den bereits genannten UniGarantTop Europa IV zugesichert, dass sie ihr Garan­tieversprechen am 31. März 2016 einlöst.

Union sicherte anfäng­lich den Wert ab, zu dem sie den Fonds aufgelegt hat, nämlich 100 Euro. Inzwischen greift die Höchst­stand­garantie von 100 Prozent. Sie liegt derzeit bei 124,75 Euro. So viel ist ein Anteil am Stichtag 31. März 2016 garan­tiert wert. Anschließend beginnt eine neue Garan­tieperiode.

Höchst­stand­garantie klingt gut. Allerdings kann sie sich in steigenden Märkten als Bremse erweisen. Denn für die Höchst­stands­sicherung wird Geld aus dem Aktien­anteil abge­zogen und in sichere Anleihen gesteckt. So ist der Kunde weniger am Aufschwung der Aktienmärkte beteiligt.

Garantie allein reicht nicht

Dass die Garan­tien funk­tionieren, ist kein ausreichendes Argument für Garan­tiefonds. Denn auch unsere genannten Alternativen bieten Anlegern ähnlichen Schutz.

Bei der 90-10-Mischung hängt das Verlustrisiko von der Entwick­lung der Finanzmärkte ab. „Auch nach relativ kurzer Anlagedauer von fünf Jahren waren Depots aus 10 Prozent Aktienfonds und 90 Prozent Zins­papieren nicht im Minus“, hat Finanztest-Projektleiter Thomas Krüger in zahlreichen Simulationen berechnet.

„Es gibt keinen Grund, einen Garan­tiefonds zu halten“, schluss­folgert sein Kollege Stoffel. Beide raten zu den selbst­gemachten Mischungen.

Wie Kunden ihren Fonds loswerden

Anleger können ihre Garan­tiefonds­anteile an die Gesell­schaft zurück­geben, auch vor Ablauf der Garan­tieperiode. Dann haben sie aber keinen Anspruch auf die Garantie.

Union Investment verlangt für die Rück­nahme jedes Garan­tiefonds meistens eine Gebühr von 1 Prozent. Eine solche Option lassen sich andere Anbieter auch offen.

Viele Sparkassen­kunden haben Deka-Garan­tiefonds in ihrem Depot. Unser Test enthält vier dieser Fonds, obwohl Anleger derzeit keine Anteile kaufen können, weil sie bis zum Beginn der folgenden Garan­tieperiode geschlossen sind. Der beste Deka-Fonds erzielte eine jähr­liche Rendite von 2,5 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Die anderen drei liegen weit darunter.

Dieser Artikel ist hilfreich. 66 Nutzer finden das hilfreich.