Garan­tiedepot

Die Anteile im Depot

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Garan­tiedepot - Ein Depot mit Garantie und Chancen
© Thinkstock

Die Lauf­zeit steht, Zins­anlage und Fonds sind ausgesucht, jetzt geht es um die Aufteilung der Anlagen.

Das Finanz­amt will von allen Kapital­einkünften ein Viertel abhaben, von Zinsen, Dividenden und Kurs­gewinnen. Das schmälert die Rendite.

Normaler­weise sollten steuerliche Über­legungen nicht an erster Stelle stehen, wenn Anleger eine Geld­anlage prüfen – einfach, weil es meistens wichtiger ist, wie die Anlage funk­tioniert. Rendite­chance und Risiko über­wiegen in der Regel steuerliche Aspekte. Wer allerdings beim Garan­tiedepot die Steuer nicht von vorn­herein berück­sichtigt, erlebt womöglich eine böse Über­raschung.

Im Garan­tiedepot sollen die Zinsen dafür sorgen, dass Anleger zum Schluss mindestens ihr angelegtes Geld wiederbe­kommen. Wird aber jedes Mal, wenn die Bank Zinsen zahlt, Abgeltung­steuer abge­zwackt, ist am Ende weniger übrig als gedacht. Anleger müssen den Aktien­anteil deshalb an die geringeren Zins­erträge anpassen.

In unserem Eingangs­beispiel hatten wir noch ohne Steuern gerechnet. Nach Abzug der Abgeltung­steuer erhält der Anleger mit der reinen Fest­zins­anlage (Fall A) statt 12 000 Euro nur rund 11 500 Euro. Das Garan­tiedepot (Fall B) wirft unter Berück­sichtigung der Steuer zwischen 10 000 Euro und 14 000 Euro ab.

Die Garantie

Wir haben Musterdepots mit unterschiedlichen Lauf­zeiten für zwei Anleger­typen entworfen: eine Variante für den vorsichtigen Sparhasen, die andere für den pragmatischen Sparfuchs. Für die vorsichtigen Anleger gehen wir von einem Total­verlust des Aktien­anteils aus. Für die pragmatischen rechnen wir mit 60 Prozent Verlust, das liegt leicht über dem Verlust, den es am Welt­aktienmarkt in den vergangenen 40 Jahren im schlimmsten Fall gegeben hat.

Um anschaulich zu zeigen, wie ein Garan­tiedepot laufen kann, haben wir rück­blickend analysiert, was die Musterdepots gebracht hätten. Wir haben für den sicheren Teil mit den aktuellen Zins­sätzen gerechnet. Für den Aktien­teil haben wir den Verlauf des Welt­marktes seit 1970 heran­gezogen. Wir haben untersucht, was passiert wäre, wenn der Anleger den schlimmsten Zeitraum erwischt hätte, und wie er im besten Fall abge­schnitten hätte.

Die Steuer auf Zinsen und Dividenden kalkulieren wir immer ein. Wir haben eine Dividendenrendite von 3 Prozent pro Jahr unterstellt. Auch auf die Gewinne haben wir Steuern berechnet.

Hasen und Füchse

Garan­tiedepot - Ein Depot mit Garantie und Chancen
© Stiftung Warentest

Der vorsichtige Anleger, unser Sparhase, hat sein Garan­tiedepot wie im Eingangs­beispiel auf fünf Jahre angelegt. Er hat einen Total­verlust der Aktien unterstellt und sein Geld, 10 000 Euro, so aufgeteilt wie in der Tabelle unten angegeben: 87 Prozent fest­verzinst, 13 Prozent in Aktienfonds.

Er hätte nach allen Fünf­jahres­zeiträumen mehr als 10 000 Euro wiederbe­kommen, das schlechteste Ergebnis für ihn waren rund 10 700 Euro, immerhin 7 Prozent plus.

Auch Sparhasen, die Depots mit anderen Lauf­zeiten zwischen einem und zehn Jahren gebaut hatten, standen im schlimmsten Fall am Ende immer im Plus.

Die mutigeren Sparfüchse steckten 19 Prozent ihres Geldes in Aktien. Zwar wären auch sie selbst im schlimmsten Fall immer im Plus gelandet, unterm Strich war ihr Risiko jedoch größer als das der Hasen. Der schlechteste Fünf­jahres­zeitraum brachte nur einen Zuwachs auf rund 10 300 Euro. Auch die Füchse mit Garan­tiedepots anderer Lauf­zeiten waren am Ende immer im Plus.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Aktien­verluste einmal höher werden als in der Vergangenheit. Sollte es wider Erwarten doch zu einem Total­verlust kommen, würde die Garantie der Sparfüchsedepots reißen. Bei fünf Jahren Lauf­zeit müssten sie einen Verlust von 7,5 Prozent auf ihr einge­setztes Kapital verschmerzen, bei zehn Jahren wären es rund 12,5 Prozent.

Nicht nur Schutz, auch Chance

Der Grund, warum Anleger sich eine Geld­anlage mit Garantie zusammen­stellen, ist, dass sie sich vor Verlusten schützen wollen. Der Grund, warum sie Geld anlegen, ist aber, dass sie es vermehren wollen. Auch das funk­tioniert mit dem Garan­tiedepot, wie unsere Analyse der besten Fälle zeigt.

Die Rendite­chancen sind umso höher, je größer der Aktien­anteil ist. Sparhasen streichen weniger ein als die draufgängerischeren Füchse. Das Hasendepot ist nach fünf Jahren im besten Fall auf rund 14 000 Euro angewachsen, das des Fuchses auf etwa 15 000 Euro. Nach zehn Jahren ist der Unterschied noch größer. Rund 22 000 Euro kriegt der Hase, 25 000 der Fuchs.

Die Top-Ergeb­nisse waren die Ausnahme. Aber auch in vielen anderen Zeiträumen hätten Anleger mit dem Garan­tiedepot eine bessere Rendite erzielt als mit einer reinen Fest­zins­anlage. Das zeigt der Median in den beiden Grafiken rechts. Er gibt den Depot­stand an, der in der Mitte aller gemessenen Ergeb­nisse liegt.

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OK-Consult am 01.09.2012 um 17:02 Uhr
Steuerliche Ungenauigkeit

Der Artikel sagt aus, man müsse hinsichtlich der Garantiewerte auf die Nachsteuerverzinsung abstellen - dem ist nur dann so, wenn Einzelaktien gekauft werden, was bei dem Betrag ohnehin nicht gebühreneffizient möglich sein dürfte. Nimmt man einen Fonds oder ETF, wäre der Verlust der Aktienkomponente mit dem Gewinn der Zinskomponente verrechenbar und die einbehaltene Abgeltungssetuer würde beim Verkauf im Verlust erstattet.
Bei der genannten Höhe der Anlagebeträge hielte ich aber einen langjährig guten Mischfonds wie den Carmignac Patrimoine für die deutlich bessere Alternative, solange man ihn ohne Agio kaufen kann.
Bei den aktuell niedrigen Zinsen ist die explizite Garantie m.E. einfach zu teuer.

Takki am 30.08.2012 um 22:59 Uhr
@Zoltan_Jana

Übrigens würde ich auch gern den Artikel lesen, bei dem vor der Kaupthing gewarnt wurde und die Zinsrangliste, in der die Kaupthing nicht aufgeführt war. Zins ist ein Gradmesser für das Risiko - je höher der Zins, desto höher das Risiko. Ansonsten würde da die Allianz sofort ein paar hundert Milliönchen parken. Aber der geneigte Geldanleger bringt sein 1.700 Euros schon wieder zu diesen Banken - Gier frisst Hirn.

Takki am 30.08.2012 um 22:55 Uhr
Fortsetzung

... und nicht Griechenland, die ein Jahrzehnt lang alle EURO-Staaten mit bewusst gefälschten Statistiken belogen haben. DENKEN IST ERLAUBT. Wenn man es kann.

Takki am 30.08.2012 um 22:53 Uhr
@Zoltan_Jana

"Das(s) Sie zwischen der Sicherheit einer Unternehmensanleihe und einem Festgeld keinen Unterschied machen, wundert mich da nicht mehr..."
Nicht beleidigen, wenn man selbst nicht lesen kann. Da steht "Festzinsanlage" und "Festzinprodukt", das "Festgeld" wird später nur als "Beispiel" genutzt. Und das "Beratungsprotokoll" kann gleich zu den AGB geheftet werden, die Sie natürlich auch immer erste studieren, bevor Sie bei Woolworth einkaufen. Glückwunsch. Nochmals: Gehen Sie zu dem Berater Ihres Vertrauens, egal, ob Beratungsprotokoll oder nicht. Was nützt eine schlechte Beratung mit einem schönen Protokoll? Ist ein Tipp von jemandem, der das jahrelang gemacht hat. Ich frage mich übrigens, wer das Wort Emittentenrisiko bei einer Anlageberatung vor Lehman bei einer Bankanleihe oder einem Bankzertifikat gehört hat. Das sind sicher die gleichen, die jetzt den Medien glauben, der Spekulant (den ich noch nie gesehen habe, was praktisch ist, dann so kann er sich nicht verteidigen) wäre schuld,

Gelöschter Nutzer am 30.08.2012 um 13:32 Uhr
@StiWa

Ja, in dem genannten Artikel tun sie es durchaus. Und das ist richtig und wichtig. Nur liest sich dann ihre Einschätzung in anderen Artikeln komplett gegensätzlich, wenn sie z. B. von "absolut sicher" sprechen, was nachweislich falsch ist.