Versicherungen für Geräte von Media Markt, Saturn und Co. sind teuer und bieten oft weniger, als Kunden denken. Das Klein­gedruckte ist oft gespickt mit Haken.

Sollte dem Handy, Notebook oder Fernseher irgend­wann das letzte Stündlein schlagen, wäre eine Versicherung nicht übel. So denkt manch Verbraucher. Elektronik ist ihm lieb und teuer. Händler wissen das und bieten die Versicherung gleich mit an. Etwa eine Garan­tieverlängerung. Sie gewährt Schutz für den Fall, dass das gute Stück nach Ablauf der gesetzlichen Reklamations­frist und Herstel­lergarantie wegen eines Produkt­fehlers kaputt­geht.

Schwäche der gesetzlichen Rechte

Hersteller wie Apple gewähren zum Beispiel nur ein Jahr Garantie, längere Zeit kostet extra. Gegen­über dem Händler hat der Kunde zwar nach den Regeln des Bürgerlichen Gesetz­buches zwei Jahre Mängel­ansprüche, doch die gesetzlichen Rechte haben eine Schwäche. Ab dem siebten Monat nach dem Kauf trägt der Kunde die Beweislast. Taucht dann ein Mangel auf, kann der Händler von ihm den Nach­weis verlangen, dass die Ware den Mangel schon beim Kauf hatte. Nur dann haftet der Händler.

Der Nach­weis fällt Techniklaien schwer oder gelingt nur mit teuren Gutachten. Besitzer von defekten iPhones berichten zum Beispiel, dass T-Mobile sie mit dem Hinweis auf die Beweislast abwehrt.

Nichts aus der neuesten Generation

Wer in einer solchen Situation über eine Garan­tieverlängerung verfügt, steht besser da. Dann hat er die Beweisnot nicht. Wer nun aber meint, er könne sich nach einem Schadens­fall im Laden ein iPhone der neuesten Generation vom Stapel nehmen, irrt. Ist das Gerät reparabel, ersetzt Versicherer oder Händler die Reparatur­kosten. Ist eine Reparatur nicht möglich oder zu teuer – wirt­schaftlicher Totalschaden –, erhält der Kunde in der Regel kein Gerät der neuesten Generation, sondern allenfalls „gleich­wertigen Ersatz“. Trifft es zum Beispiel ein iPhone der zweiten Generation, wird sein Besitzer kaum mit dem modernen iPhone 4S davon­spazieren. Der Kunde kann mit einer älteren Baureihe abge­fertigt werden.

Wer die Plus Garantie von Saturn und Media Markt für ein TV-Gerät abge­schlossen hat, bekommt statt fabrikneuer Ware unter Umständen sogar nur ein „über­holtes“ Ersatz­gerät (siehe „Saturn: Plus Garantie“).

Meist vermitteln die Händler Garan­tieprodukte eines Versicherers. Amazon zum Beispiel arbeitet mit Ergo Direkt aus Nürn­berg zusammen, Saturn und Media Markt mit Domestic & General aus Wiesbaden. Nur selten stammt der Schutz vom Händler selbst wie etwa bei Conrad Electronic.

Gespickt mit Haken

Die Versicherungs­bedingungen sind gespickt mit Haken. Ergo Direkt etwa schreibt in die Bedingungen zur „Garan­tieverlängerung“: Bei einem Totalschaden erhält der Kunde „nach unserer Wahl“ ein Ersatz­gerät oder eine Geld­entschädigung. Selbst wenn der Kunde gern ein Ersatz­gerät hätte, kann der Versicherer ihn mit Geld abspeisen. Er bekommt dann nicht etwa den ursprüng­lichen Kauf­preis ersetzt, sondern nur den Wert, den die Sache bei Eintritt des Schadens noch hatte, den Zeit­wert also.

Beispiel: Schließt ein Kunde für sein bei Amazon gekauftes 600-Euro-Handy eine dreijäh­rige Garan­tieverlängerung ab, zahlt er einmalig rund 73 Euro. Bei einem Totalschaden im fünften Jahr bekommt er 40 Prozent des Kauf­preises ersetzt: 240 Euro. Das fünfte Jahr ist versichert, weil die dreijäh­rige Garan­tieverlängerung bei Ergo Direkt erst nach Ablauf der gesetzlichen Reklamations­frist von zwei Jahren beginnt.

Bei Conrad Electronic kostet die vierjäh­rige Garan­tieverlängerung für das 600-Euro-Handy einmalig 29 Euro (Lang­zeit-Garantie). Bei Karstadt kann der Kunde zwischen einer drei- und fünf­jährigen Verlängerung zum Preis von 39 beziehungs­weise 49 Euro wählen (Garantie Plus). Beide Produkte garan­tieren nach einem Totalschaden ein gleich­wertiges Ersatz­gerät.

Anders als bei Ergo Direkt beginnt die Verlängerung bei Conrad und Karstadt aber schon mit Kauf des Geräts. Wer ein Gerät mit zwei Jahren Herstel­lergarantie erwirbt, kauft unterm Strich bei Conrad nur zwei zusätzliche Garan­tiejahre, bei Karstadt nur ein beziehungs­weise drei Zusatz­jahre ein.

Mick­riger Diebstahl­schutz

Einige Policen bieten mehr als Garan­tieverlängerungen, zum Beispiel Schutz, falls das Gerät gestohlen wird. Aber dieser Diebstahl­schutz hat oft Löcher. Bei Saturn und Media Markt etwa verlangen die Klauseln zum zweijäh­rigen Diebstahl­schutz (Plus Schutz), dass der Kunde das Gerät nie unbe­aufsichtigt ablegt.

Einem Schüler wurde das zum Verhäng­nis. Sein Handy war beim Schul­sport aus dem Ruck­sack gestohlen worden. Domestic & General zahlte nicht. Der Schüler klagte erfolg­los (Amts­gericht Wiesbaden, Az. 93 C 193/11 [34]). Der Schutz­brief der Axa wiederum half einer Frau nicht, deren Handy in einer S-Bahn aus der Hand­tasche geklaut worden war (Land­gericht Berlin, Az. 7 S 26/10). „Die Bestimmungen zum Diebstahl­schutz verlangen ein Verhalten vom Kunden, das kein vernünftiger Mensch praktiziert“, kritisiert der Kölner Versicherungs­rechtler Peter Schimikowski die Versicherer und die Gerichte.

Manche Verkäufer bieten mehr, verlangen aber auch mehr. Beim Apple-Händler Gravis etwa kann der Kunde für sein iPad oder iPhone ein „Schutz­paket“ des Versicherers European Warranty Part­ners (EWP) aus Hannover wählen. Im Paket Classic erhält er einen Zuschuss für ein neues Handy, sogar wenn sein Gerät versehentlich herunter­gefallen und zerstört ist. Auch der Diebstahl­schutz ist weniger streng als bei anderen. Das alles kostet 6,95 Euro im Monat, ab dem zweiten Jahr 9,95 Euro. Nach drei Jahren macht das 322 Euro.

Das ist teuer. Ob es ihm lieb ist, entscheidet der Kunde selbst. Existenziell notwendig sind diese Versicherungen nicht.

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