Rund viermal laufen unsere Füße in einem Leben um die Erde. Kein Wunder, wenn sie mit Schwielen, Hühneraugen und Wundsein reagieren. Wir sagen, was sich wirksam dagegen tun lässt.

Zeigen Sie mir doch erst mal Ihre Füße", forderte der Kunde, eh er sich selbst von Schuh und Strumpf befreite. Das hatte Fußpfleger Ingo Hansen zwar noch nie erlebt, er reagierte aber prompt. Er kannte den Zustand seiner Gehwerkzeuge ("tiptop") und enthüllte Gepflegtes. Die Präsentation überzeugte. Hansen durfte Hand anlegen an die - wie es sich zeigte - arg geschundenen Füße seines Kunden, um Druckstellen, Risse, schmerzhafte Schwielen und überlange Fußnägel zu bearbeiten. Das nun wiederum war nicht ungewöhnlich für den Fußpflege-Profi: "Die meisten kommen erst dann zu uns, wenn gar nichts mehr geht."

Dabei ließen sich so manche Qualen verhindern, wenn wir mit unseren Füßen pfleglicher umgingen. Immerhin kommen wir fast alle mit gesunden Füßen auf die Welt. Was wir uns dann alles an Plagen zuziehen, haben wir meist selbst zu verantworten. Unbequeme Schuhe, falsche Nagelpflege, zu wenig Bewegung machen den Füßen zu schaffen. Eingezwängt, schwitzend, gespreizt, plattgedrückt, mit Pilzen kämpfend führen sie häufig ein Schattendasein. Obwohl sie wahrlich Schwerstarbeit als Lastenträger leisten. Im Schnitt rennen, gehen, schlurfen, hüpfen wir im Laufe unseres Lebens schätzungsweise 160.000 Kilometer ­ also viermal um die Erde herum. Beim Joggen zum Beispiel lastet auf den kleinen Tretern das Fünf- bis Sechsfache unseres Gewichts ­ ein Druck, der manchmal eine Tonne betragen kann. Grund genug, Füße sorgfältig und vor allem regelmäßig zu pflegen.

In der Jugend laufen Füße eher unbeachtet und klaglos mit - die Sorge um sie und vor allem die Schmerzen beginnen meist in den späteren Jahren. Hauptnutzer des großen Sortiments an Fußpflege- und Fußschutzprodukten im Handel sind denn auch - das belegen Marktdaten - die über 50-Jährigen. Egal ob sie nun unter Hornhaut, Schrunden, Fußgeruch, kalten Füßen, Fußbrennen oder müden, schweren Beinen leiden ­ für alle Probleme rund um den Fuß findet sich ein Mittelchen. Insgesamt haben Fußpflegeprodukte allerdings nur eine winzige Nische im gesamten Körperpflegemarkt besetzt: Während die Bundesbürger zum Beispiel für die Haarpflege fast 3 Milliarden Mark lockermachten, waren es für pflegende Fußprodukte wie Cremes, Lotionen, Puder, Sprays, Fußbäder gerade mal geschätzte 40 Millionen Mark. Absoluter Spitzenreiter waren dabei die pflegenden und belebenden Fußcremes und Lotionen. Nicht mitgerechnet sind medizinische Fußpräparate wie Hühneraugen- und Hornhautmittel, Spezialpflaster, Ballenringe.

Bei vielen Fußpflegemitteln gibt es ­ und das ist nichts Neues in der Kosmetikbranche ­ große Preisunterschiede. Schwer nachvollziehbar ist zum Beispiel, warum eine 75-Milliliter-Tube Fußcreme 5 Mark kostet, für eine andere, die Ähnliches verspricht, aber gleich 20 Mark zu zahlen sind.

Fußpflegemittel werden auf zwei unterschiedlichen Vertriebsschienen vermarktet: Einige Firmen beliefern nur Drogerien, Verbraucher- und Supermärkte, andere sind ausschließlich in Apotheken, Fachdrogerien und Fußpflegeinstituten vertreten.

Auch die professionelle Fußpflege läuft sozusagen auf zwei Schienen. Es gibt einmal das kosmetische Angebot. Dabei stehen Wohlgefühl, Entspannung und dekorative Behandlung mit Zehenlackieren, Fußmaske (gibts tatsächlich) und Massage im Mittelpunkt. Propagiert wird das häufig in Kosmetiksalons, Schönheitsfarmen und Drogerien als Wellness-Pediküre "für Businessfrauen und -männer".

Medizinische Fußpflege hingegen versteht sich als gezielte Behandlung von Fußproblemen ­ wobei auch das Wohlgefühl nicht zu kurz kommen sollte. Manches hartnäckige Hühnerauge und vor allem eingewachsene Nägel sind oft ohne professionelle Hilfe nicht zu beheben. Auch hier treibt der Leidensdruck weher Füße eher Ältere in den Fußpflegesalon. Beschwerden nehmen im Alter zu, ebenso die Unbeweglichkeit. Häufig kann die notwendige Fußpflege nicht mehr allein bewerkstelligt werden, weil die Hände Fuß und Zehen nicht mehr erreichen können.

Die Fußpflegeprofis registrieren allerdings einen neuen Trend: Ihre Kunden werden jünger. Mittlerweile kommen bereits die 40-Jährigen, häufig sportlich Aktive. Zum Beispiel Squashspieler "mit dicken Bremsklötzen an den Hacken". Ihr Problem: Hornhautschwarten an den Fersen lassen sich meist kaum noch in Eigenregie vertreiben. Im Schnitt kostet eine halbstündige Fußpflegesitzung ­ je nach Aufwand ­ zwischen 30 und 60 Mark.

Allerdings ­ schwierig für den Kunden ­ darf sich jeder, "der eine Pinzette halten kann", als medizinischer Fußpfleger vermarkten. Ganz gleich, ob er sein Wissen in Kurzlehrgängen von wenigen Tagen oder einer zweijährigen Vollzeitausbildung erworben hat. Das soll sich bald ändern. Ein bundeseinheitliches Podologengesetz (podos = griechisch: der Fuß) liegt als Referentenentwurf vor. Es schreibt eine zweijährige Ausbildung vor und schützt die Berufsbezeichnung Podologe/Medizinischer Fußpfleger (auf Landesebene ist das bereits in Bayern und Niedersachsen geschehen). Das Gesetz soll Anfang 2001 in Kraft treten.

Die Podologen ­ so die Absicht des Gesetzes ­ übernehmen als medizinische Fachkräfte an der Seite von Ärzten wichtige Aufgaben in Prävention und Therapie bei Fußbeschwerden. Dazu ein Kommentar des Bundesgesundheitsministeriums: "Nur durch eine fundierte Ausbildung wird der Behandler in die Lage versetzt, die Grenzen seines Arbeitsbereiches zu erkennen und auf Anordnung des Arztes die häufig risikoreiche medizinische Fußbehandlung bei Patienten zum Beispiel mit Diabetes, Durchblutungsstörungen, Blut- und Hautkrankheiten sorgfältig und gewissenhaft durchzuführen."

Auch wer nicht zu den Risikopatienten gehört, sollte sich über den Ausbildungsstand und die Erfahrung seines Fußpflegers informieren.

Adressen

Adressen von ausgebildeten und diabetologisch geschulten Fußpflegern gibt es bei den Fachverbänden:

Zentralverband der Medizinischen Fußpfleger Deutschlands (ZFD)
Schaumburgstraße 14
45657 Recklinghausen
Tel. 0 23 61/18 59 60
Fax 0 23 61/ 18 59 61

Verband Deutscher Podologen
Gartenstraße 11
72764 Reutlingen
Tel. 0 71 21/33 09 42
Fax 0 71 21/31 00 89

Dieser Artikel ist hilfreich. 1934 Nutzer finden das hilfreich.