Fußball und Arbeits­recht Meldung

Es geht wieder los! Innen­städte, Kneipen, Biergärten und auch die eine oder andere Wohnung verwandeln sich in schwarz-rot-goldene Fanmeilen. Millionen Bürger zittern vor den Bild­schirmen mit der National­elf. Aber auch wenn Fußball in Deutsch­land eine wichtige Rolle spielt, hat Fanliebe ihre Grenzen: Arbeitnehmer, die während der Arbeits­zeit die Spiele verfolgen, riskieren Abmahnungen oder sogar die Kündigung.

Fall 1: Fußball im Radio

Grund­sätzlich gilt: Was nicht erlaubt ist, ist in der Arbeits­welt erst einmal verboten. Ganz untersagen können Arbeit­geber aber zumindest ein Radio im Büro nicht. So urteilte das Bundes­arbeits­gericht schon im Jahr 1986 (Az. 1 ABR 75/83). Das heißt für Fußball­fans: Das Radio ist die arbeits­recht­lich gefahr­loseste Art, die Europameisterschaft live zu verfolgen. In Ordnung geht ein Verbot jedoch, wenn die eigene Arbeits­leistung leidet oder die Beschallung Arbeits­abläufe, Kollegen oder Kunden stört. Möchte der Chef das Radio­hören am Arbeits­platz verbieten, muss er vorher den Betriebsrat informieren. Dieser hat ein Mitbestimmungs­recht. Tut er dies nicht, ist sein Verbot unwirk­sam.

Fall 2: Fußball auf dem Fernseher

Möchten Mitarbeiter EM- Spiele am Fernseher verfolgen, sollten sie ihren Arbeit­geber um ausdrück­liche Erlaubnis bitten und klare Rege­lungen mit ihm treffen – am besten schriftlich. Diese kann auch der Betriebsrat im Rahmen von Sonder­ver­einbarungen mit der Geschäfts­führung aushandeln. Manch fußball­begeisterter Chef veranstaltet selbst oder duldet zumindest organisierte Public-Viewing-Events in den Räumen des Unter­nehmens. Einen Anspruch darauf gibt es aber nicht. Und auch hier gilt: Leidet die Arbeit unter den Fußball­spielen oder stören sie Kollegen oder Kunden, kann der Arbeit­geber das Fernsehen verbieten.

Fall 3: Die Spiele im Internet

Während der Arbeits­zeit kurz den Live-Ticker abrufen oder auf Sport­seiten die neuesten Ergeb­nisse checken: Vielen Arbeitnehmern erscheint kurzes privates Surfen im Internet nicht so schlimm. Hat der Arbeit­geber die private Nutzung des für dienst­liche Zwecke bereit­gestellten Internet­zugangs aber verboten, kann ein Verstoß zur Abmahnung und im Wieder­holungs­fall zur Kündigung führen. Wenn der Arbeit­geber zur privaten Nutzung schweigt, ist das keine Erlaubnis: Der Arbeitnehmer verletzt mit der privaten Internetnut­zung während der Arbeits­zeit grund­sätzlich seine vertragliche Pflicht zur Arbeit (BAG, Az.: 2 AZR 581/04). Privat zu surfen ist also im Zweifel verboten. Wer hofft, dass der Chef zur EM schon mal ein Auge zudrückt, riskiert eine Abmahnung oder im Wieder­holungs­fall eine Kündigung. Beschäftigte sollten auf Nummer sicher gehen und um seine Erlaubnis bitten. Auch dabei können Arbeitnehmer­vertreter helfen. Erlaubt der Arbeit­geber, etwa zehn oder zwanzig Minuten am Tag das Internet privat zu nutzen, sollten Mitarbeiter diesen zeitlichen Rahmen nicht sprengen. Bei ausschweifendem Surfen riskieren sie ebenfalls arbeits­recht­liche Sanktionen.

Fall 4: Fußball auf dem Smartphone

Nutzen Beschäftigte ihre Mobiltelefone, um die Spiele zu verfolgen, kann auch dies problematisch sein. Arbeit­geber können kraft ihres Direktions­rechts anordnen, dass die Mobiltelefone der Angestellten während der Arbeits­zeit ausgeschaltet bleiben. Der Verzicht auf die mobile Erreich­barkeit während der Arbeits­zeit ist eine selbst­verständliche Pflicht aus dem Arbeits­vertrag, entschied das Landes­arbeits­gericht Rhein­land-Pfalz (Az. 6 TaBV 33/09). Auch wenn Mobiltelefone erlaubt sind, gilt auch hier: Die Arbeit darf unter der Nutzung des Handys nicht leiden.

Tipp: Was am Arbeits­platz noch alles erlaubt und verboten ist, lesen Sie in unserem Special Arbeitsrecht.

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