Mancher Fußballfans hats schwer. Viele Spiele beginnen vor Feierabend. Wer im Büro einen Fernseher aufbauen, zu einschlägigen Internetseiten surfen oder während der Arbeitszeit ein Tippspiel für die Kollegen organisieren will, sollte unbedingt vorher den Chef fragen. Sonst droht eine Abmahnung. Bei Wiederholung ist sogar ein sofortiger Rauswurf möglich. Umgekehrt gilt: Die meisten Chefs werden selbst gern Fußball gucken und ermöglichen das sicher auch gern ihren Mitarbeitern, wenn der Betrieb nicht leidet. test.de erklärt, was Fußballfans am Arbeitsplatz dürfen und gibt Tipps für die Verhandlungen mit dem Chef.

Mach mal Pause

Grundsätzlich gilt: Dienst ist Dienst. Da ist alles verboten, was die Arbeitsleistung beeinträchtigt. Die Organisation eines Tippspiels oder gründliche Diskussionen der bisherigen Ergebnisse gehören in die Pause. Ein Recht auf Fußball am Arbeitsplatz gibt es allenfalls in Ausnahmefällen. Bei reinen Bereitschaftsdiensten etwa wäre ein Fußballverbot reine Schikane. So lange es nicht stört, ist es zulässig, leise ein Radio laufen zu lassen. Ausnahme: Wo Kunden kommen, ist es in der Regel verboten. In manchen Betrieben gilt: Für jedes private Elektrogerät ist eine Erlaubnis nötig. Schließlich kann ein defektes Gerät die Betriebselektrik gründlich lahmlegen.

Surfen mit Einschränkungen

Besonderheiten gelten fürs Internet. Privates Surfen ist generell nur zulässig, wo der Chef es erlaubt hat oder bewusst duldet. Auch wenn es grundsätzlich erlaubt ist, können bestimmte Fußballseiten verboten sein. Wenn etwa wegen der Ablenkung von der Arbeit Fernsehen verboten ist, dürfen Angestellte auch keine bewegten Bilder aus dem Internet auf den Schirm holen. Außerdem zu beachten: Wo fürs Internet bestimmte Sicherheitseinstellungen vorgeschrieben sind, dürfen sie selbstverständlich nicht geändert werden, damit eine Fußballseite doch noch angezeigt wird. In vielen Betrieben sind bestimmte Multimedia-Anwendungen, Flash-Animationen, Java-Applets und Scripting-Techniken aus Sicherheitsgründen verboten. Wenn Fernsehen zulässig ist, gilt das nicht automatisch auch für bewegte Bilder aus dem Internet. Das so genannte Streaming kann zur Überlastung des Firmennetzwerks führen und ist daher vielerorts verboten.

Erlaubnis vom Chef

Wenn der Chef mitzieht, lässt sich allerdings alles regeln: In Betrieben mit gleitender Arbeitszeit können Belegschaft und Geschäftsführung eine Anpassung der Kernarbeitszeit an den WM-Spielplan vereinbaren. Möglich sind auch Pausen fürs gemeinsame Fußballgucken, die später nachgearbeitet werden. In Unternehmen mit Betriebsrat kann dieser verhandlen. Die Arbeitnehmervertreter haben das Recht, Vorschläge zur Arbeitszeit und zur betrieblichen Ordnung zu machen. Sie sind als gewählte Vertreter ihrer Kollegen in einer besseren Verhandlungsposition als einzelne Mitarbeiter. Auf jeden Fall gilt: Ohne Einverständnis des Chefs sollte Fußball am Arbeitsplatz auf das zulässige Minimum beschränkt bleiben. Bei gewichtigen Verstößen gegen arbeitsvertragliche Pflichten droht der Rauswurf. In ganz schweren Fällen ist eine fristlose Kündigung möglich. In der Regel muss der Chef erst eine so genannte Abmahnung schicken. Das ist ein Schreiben mit der Aufforderung, ein bestimmtes vertragswidriges Verhalten zu unterlassen, und der Androhung, im Wiederholungsfall eine Kündigung zu schicken. Wer sich trotz einer solchen Abmahnung erneut dem Fußball statt der Arbeit widmet, riskiert die fristlose Kündigung.

WM-“Krankheit“ mit Risiken und Nebenwirkungen

Wer Urlaub machen will, um in aller Ruhe Weltmeisterschaft zu gucken oder sogar ein Spiel zu besuchen, hat darauf Anspruch - aber nur, wenn keine dringenden betrieblichen Belange entgegenstehen. Liegen mehrere Urlaubsanträge vor, die nicht gleichzeitig genehmigt werden können, sind soziale Gründe zu berücksichtigen. Wenn allerdings alle Kandidaten WM-Urlaub wollen und keine Einigung zu erzielen ist, kann im Einzelfall nichts übrig bleiben als zu losen. Wer ausgerechnet an Tagen mit attraktiven WM-Spielen krank wird, muss sich womöglich kritische Fragen gefallen lassen und im Zweifel nachweisen, dass er wirklich krank war. Besonderen Argwohn kann auslösen, wenn die Krankmeldung nach Ablehnung eines Urlaubsantrags kommt. Eine falsche Krankmeldung ist stets Grund für eine Abmahnung. Im Einzelfall ist sogar eine sofortige fristlose Kündigung möglich. Umgekehrt gilt allerdings: Wer tatsächlich krank ist, braucht nicht unbedingt zu Hause zu bleiben. Wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, ist gemeinsames Fußballgucken bei Freunden und auch ein Besuch im Stadion kein Problem.

Pflicht zur Fitness

Auch nach Feierabend müssen Arbeitnehmer noch an den Job denken. Wer derart heftig feiert, dass er bei Arbeitsbeginn nicht wieder fit ist, kann ebenfalls Ärger mit dem Chef bekommen. Bei selbstverschuldeter Arbeitsunfähigkeit entfällt der Anspruch auf Lohnfortzahlung. Sogar am Arbeitsplatz ist Alkohol allerdings oft nicht grundsätzlich verboten. Alkohol ist nur tabu, wenn das im Arbeitsvertrag steht oder es bei Kraftfahrern oder sonst heiklen Jobs aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben ist. Ohnehin klar: Arbeitnehmer dürfen nie so viel trinken, dass die Arbeitsfähigkeit leidet.

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