Nur noch wenige Bundes­liga-Spieltage verbleiben – und das Rennen um die Meisterschaft ist diesmal ungewöhnlich eng. Mit Sky Ticket können Fußball­fans die Spiele online live sehen, ohne sich lang­fristig an den Sender zu binden. Eigentlich eine tolle Sache – wenn nicht gerade der Stream abbricht, der Ball im grobkörnigen Pixelmatsch verloren geht oder beim Login-Versuch eine Fehler­meldung erscheint. Auf solche (und andere) Probleme stießen wir im Schnell­test von Sky Ticket.

Mit Sky Ticket kein lang­fristiges Abo mehr nötig

Echte Fußball­fans kommen an Pay-TV heut­zutage kaum noch vorbei. Egal ob Bundes­liga, Champions League oder DFB-Pokal – fast alle wichtigen Spiele werden live ausschließ­lich im Bezahl­fernsehen über­tragen. Beim kosten­pflichtigen Fußball-Streaming mischen auch DAZN, Euro­sport und die Telekom mit, der wichtigste Anlauf­punkt ist jedoch nach wie vor Sky. Dort hat sich in den letzten Jahren Erfreuliches getan: Seit der Sender sein Online-Paket Sky Ticket anbietet, brauchen Kunden kein lang­fristiges Abo mehr abzu­schließen.

Kritik an Qualität von Sky Ticket

Dennoch gibt es gerade in sozialen Netz­werken immer wieder Beschwerden über Sky Ticket, wie zum Beispiel t-online berichtete. Kritik gibt es insbesondere in Bezug auf schlechte Bild­qualität, tech­nische Probleme bis hin zum Abbruch des Streams und Zugangs­daten, die trotz erfolgter Bezahlung nicht recht­zeitig vor Anpfiff zugestellt werden. Besonders groß war der Ärger, so heise online, beim Hinspiel des Champions-League-Achtel­finales Bayern München gegen Liverpool. Wir sind den von Fans geschilderten Problemen im Schnell­test nachgegangen und haben das Sport­angebot von Sky Ticket an je zwei Bundes­liga- und Champions-League-Spiel­tagen geprüft – sowohl per Smart TV als auch via Tablet und Laptop.

Am Fernseher hui

Das Positive zuerst: Unsere Zugangs­daten kamen schnell. Wir buchten im Test insgesamt neun Pakete und konnten stets nach wenigen Minuten mit dem Streamen beginnen. Das Seherlebnis variierte allerdings stark – je nachdem, welches Gerät wir verwendeten. Auf Fernseher und Tablet war die Bild­qualität ordentlich und blieb vor allem relativ stabil. Auch hier kam die Qualität allerdings nicht an die einer Satelliten-Über­tragung heran.

Am Laptop pfui

Gar keinen Spaß machte die Nutzung dagegen am Laptop, insbesondere an Champions-League-Abenden: Beim Rück­spiel des FC Schalke gegen Manchester City traten häufig extreme Schwankungen in der Bild­qualität auf. Mal gab es für einige Sekunden HD-Auflösung, dann wieder wurde das Bild so pixelig, dass der Ball kaum zu erkennen war und der Spiel­stand sich nicht entziffern ließ – was angesichts des 0:7 für manchen Schalke-Fan vielleicht auch besser so war. Noch ärger traf es unseren Laptop-Tester einen Abend später: Die ersten 20 Minuten des Bayern-Rück­spiels gegen Liverpool konnte er gar nicht verfolgen, da der Sky-Server beim Login-Versuch kein Video, sondern Fehler­meldungen ausspielte. Unsere Tester, die das Spiel per TV-Gerät oder Tablet ansahen, hatten dieses Problem nicht. Bei den Bundes­liga-Partien stellten wir keine gravierenden Defizite fest, dennoch war der Laptop auch hier ein Nachteil, da er im Vergleich zum Fernseher über weniger Bild­optimierungs­funk­tionen verfügt und das Bild dadurch häufig etwas ruckelt und nach­zieht.

Tipp: Der große TV-Test der Stiftung Warentest zeigt Ihnen Fernseher mit guter Bewegungsoptimierung.

30 Sekunden Zeit­versatz

Wo „live“ drauf steht, ist nicht unbe­dingt „live“ drin. Im direkten Vergleich mit den Sky-Über­tragungen via Satellit hinkten die Streams oft rund 30 Sekunden hinterher. Das ist ein häufiger Nachteil von Über­tragungen im Netz. Konkret bedeutet das: In Hanno­veraner Miets­häusern ertönt der Wutschrei des per Satellit zuschauenden Nach­barn eine halbe Minute bevor der Streaming-Kunde sieht, wie es wieder­mal im Kasten der 96er einschlägt.

Zappen kaum möglich

Für‘s Umherz­appen in der Schluss­phase eignet sich Sky Ticket auch nicht besonders: Der Kanal­wechsel dauert deutlich länger als beim Empfang via Kabel oder Satellit. Die Smart-TV-App ermöglicht gar kein direktes Umschalten – hier muss der Nutzer erst den aktuellen Stream verlassen, ins Menü der App zurück­kehren und dort ein anderes Spiel aufrufen. Per Tablet und PC geht das leichter. Allerdings wählt Sky für die Nutzung am PC einen ungewöhnlichen, etwas umständlichen Weg: Statt – wie die meisten anderen Video-Dienste – direkt im Browser zu streamen, funk­tioniert Sky Ticket nur mit einer separaten Abspiel-Software. Neben den im Schnell­test verwendeten Zugangs­wegen gibt es weitere Möglich­keiten, Sky Ticket zu nutzen: etwa über Smartphones, manche Spiele­konsolen, Streamingboxen und -sticks.

Mit Schnupper­angeboten ausprobieren

Günstig ist Sport auf Sky Ticket nicht: Während die Film- und Serien­pakete des Anbieters („Sky Ticket Cinema“ und „Sky Ticket Entertainment“) monatlich je 10 Euro kosten und damit preislich in einer Liga mit Video­dienst-Abos von Netflix, Amazon oder Maxdome spielen, fallen für das Sport-Paket („Sky Ticket Super­sport“) normaler­weise 30 Euro pro Monat an. Tages­tickets gibt es für 10 Euro. Sky wirbt jedoch regel­mäßig mit Schnupper­angeboten, bei denen ein Monats­ticket etwa auch nur 10 Euro kostet oder vier Monate für 60 Euro erhältlich sind. Sky begrenzt aber mitunter, wie oft ein Kunde bei solchen Probe-Paketen zuschlagen kann. Versucht er es zu oft, kann es passieren, dass Sky den Vertrags­abschluss ablehnt. Begründung: „Maximale Anzahl an Verträgen erreicht.“

Maximal vier Geräte

Was Sky ebenfalls begrenzt, ist die Anzahl der Geräte, mit denen ein Nutzer sein Streaming-Paket verwenden kann: Maximal sind vier erlaubt. Zwar lassen sich verbundene Geräte jeder­zeit aus dem Konto entfernen – das führt aber nicht in jedem Fall dazu, dass sich ein neues Gerät verbinden lässt, denn Sky lässt pro Kalendermonat nur die Ergän­zung eines einzigen neuen Gerätes zu. Das kann im Extremfall bedeuten, dass der Kunde sein bezahltes Abo etwa im Hotel­zimmer oder während des Wochen­end-Besuchs bei Oma gar nicht verwenden kann und auf das Spiel seines Lieblings­ver­eins verzichten muss.

Keine persönliche Konferenz

Anders als beim klassischen Rund­funk, der alle Empfänger mit denselben Inhalten beliefert, eignet sich das Internet hervorragend, um ein Produkt an die individuellen Wünsche von Nutzern anzu­passen. So konnten sich Kunden der Telekom einst ihre persönliche Konferenz zusammen­stellen. Das heißt: Wenn am Sams­tagnach­mittag fünf Spiele gleich­zeitig liefen, der Zuschauer sich aber nur für die Partien von Bayern und Dort­mund interes­sierte, konnte er diese beiden Duelle auswählen und musste nicht – wie bei der herkömm­lichen Sky-Konferenz üblich – nebenher noch Nürn­berg oder Stutt­gart ertragen. Sky Ticket bietet diese Option bislang nicht an – laut Aussage des Unter­nehmens ist das auch für die absehbare Zukunft nicht geplant.

Kein Split-Screen

Der Wunsch, mehrere Spiele gleich­zeitig zu verfolgen, ließe sich natürlich auch mit Bild-in-Bild- oder Split-Screen-Verfahren erreichen. Dies war etwa beim Streaming-Angebot der NFL jahre­lang möglich. Bei Sky Ticket hat der Kunde bislang nur die Wahl zwischen Einzel­spielen oder der Konferenz mit allen Partien, also inklusive Nürn­berg und Stutt­gart.

Fazit: Premium-Rechte ohne Premium-Erlebnis

Sky Ticket ermöglicht es, alle Live-Über­tragungen des TV-Senders online zu sehen, ohne sich lang­fristig an den Anbieter binden zu müssen. Für leidenschaftliche Fußball­fans ist Sky alternativlos, weil der Konzern die wichtigsten Rechte für Bundes­liga, Champions League und DFB-Pokal besitzt. In Hinblick auf Bild­qualität, Stabilität, Technik, Hand­habung und Vielseitig­keit gibt es aber noch ungefähr so viel Luft nach oben wie zwischen Hertha und Bayern in der aktuellen Bundes­liga-Tabelle.

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