Das Duell Freiburg gegen Dort­mund endete unent­schieden. Sky Ticket wirkt im Duell gegen DAZN nicht immer erst­ligareif.

Fußball­fans brauchen zwei Streaming-Dienste, wenn sie alle Spiele der Bundes­liga und Champions League online verfolgen wollen: Sky Ticket und DAZN. Doch welcher Anbieter präsentiert die Duelle auf dem Rasen in besserer Bild­qualität und mit besserem Bedien­komfort? test.de hat Sky Ticket und DAZN in den Zweikampf geschickt.

Viele Kunden­beschwerden über Sky Ticket

Im Free TV gibt es keine Champions League mehr. Dass deshalb mit einem Ansturm von Streaming-Neukunden zu rechnen sein dürfte, wenn Kracher wie Dort­mund gegen Barcelona (am 17.9.2019 auf Sky Ticket) anstehen, ist also durch­aus vorhersehbar. Nur für Sky offen­bar nicht. Laut Medienberichten, Störungs­meldungen und zahlreichen Nutzern auf Twitter konnten sich viele Sky-Kunden während der Partie gar nicht erst einloggen oder sahen Fehler­meldungen statt Fußball. Gegen­über der Stiftung Warentest räumte Sky ein, dass „unter 5 Prozent“ der Sky-Ticket-Nutzer von solchen Problemen betroffen waren, etwa weil bei ihnen die „Akti­vierung nicht sofort statt­gefunden hat“. Dabei wirbt Sky Ticket doch mit dem Versprechen „sofort streamen“. Ähnliche Probleme gab es auch schon in der Vorsaison beim Achtel­final-Hinspiel Bayern gegen Liverpool. Ebenfalls recht häufig kommt es zu Klagen über phasen­weise extrem schlechte Bildqualität und regelmäßige Abbrüche bei Sky-Streams. Grund für uns, Sky Ticket unter die Lupe zu nehmen und mit dem wichtigsten Konkurrenten DAZN zu vergleichen.

Bild­qualität: DAZN flüssig, Sky ruckelt am PC

Das Positive zuerst: Probleme mit der Frei­schaltung hatten wir nicht – allerdings schlossen unsere Tester ihre Abos auch sehr früh­zeitig ab. Verspätete Akti­vierungen scheinen primär bei Nutzern aufzutreten, die kurz­fristig vor einem wichtigen Spiel ein Abo buchen. Probleme mit der Bild­qualität können wir allerdings bestätigen. Bei den Smart-TV-Apps ging es noch: Hier geriet Sky nur knapp in Rück­stand gegen­über DAZN, da bei Sky Ticket leichte Nach­zieh-Effekte auftraten und das Bild dadurch etwas unscharf und verschwommen aussah. Drastisch war der Unterschied zwischen den Anbietern bei der Nutzung via Laptop – egal ob die Tester das Spiel direkt auf dem Rechner verfolgten oder das Bild per HDMI-Kabel vom PC auf den Fernseher brachten: DAZN lief flüssig, während Sky Ticket bei diesem Empfangsweg alle paar Sekunden deutlich sicht­bar ruckelte. Spaß macht Fußball­gucken so nicht.

Tipp: Läuft die Über­tragung am Laptop nicht rund, versuchen Sie es ruhig mal mit einem Tablet. Möglicher­weise klappt es dann besser. Streamen Sie auf einen Fernseh­bild­schirm, dann gilt natürlich: Die Bild­qualität hängt auch vom Fernseher ab. Die besten TV-Geräte finden Sie in unserer Produktdatenbank Fernseher.

Bedien­komfort: DAZN macht’s dem Nutzer einfacher

DAZN läuft am PC im Browser – Sky Ticket hingegen verlangt neben dem Browser noch eine Zusatz­software, die der Nutzer installieren muss. Dieses Verfahren ist für Video­streaming sehr ungewöhnlich und verzögert den Start des Videos. DAZN zeigt aktuell laufende Live-Über­tragungen auf der Start­seite an – Sky Ticket führt den Nutzer zunächst auf eine Start­seite mit Filmen und Serien, dort muss der Nutzer dann auf den Sport-Reiter klicken. Anschließend erscheint eine Über­sicht, auf der live laufende Sport-Kracher mitunter aber auch nicht sofort zu sehen sind, sondern etwa Wieder­holungen längst abge­schlossener Zweit­liga-Partien auftauchen. Die Such­funk­tion von DAZN zeigt Tennis-Über­tragungen an, wenn der Nutzer nach „Tennis“ sucht – die Such­funk­tion von Sky Ticket fand im Test keine Treffer für „Tennis“, obwohl auf Sky gerade Tennis lief.

Kurzum: DAZN zeigt in puncto Bedien­komfort eine starke Leistung – Sky Ticket wirkt hingegen nicht erst­ligareif. In den Smart-TV-Apps ist die Lage ähnlich. Ein wesentlicher Unterschied besteht aber darin, dass der Sky-Nutzer hier keine weitere Zusatz­software benötigt.

Tipp: Ihr Fernseher ist kein Smart TV, kann also nicht mit dem Internet verbunden werden? Mit Streaming-Sticks können Sie das ändern.

Zusatz­funk­tionen: Sky verharrt im Zeit­alter des linearen Fernsehens

Video on Demand? Fehl­anzeige bei Sky Ticket! Der Streaming-Dienst zeigt Sendungen nur dann, wenn sie gerade im linearen Sky-Angebot laufen. Wer das Spiel seines Lieblings­ver­eins wegen einer Hoch­zeit oder anderer Lappalien verpasst, hat eben Pech gehabt. DAZN hingegen hat ein Archiv, über das Nutzer komplette Sendungen nach­holen oder High­lights ansehen können. Bei DAZN kann der Nutzer auch während einer Live-Über­tragung zurück- und wieder vorspulen. Eine Zeit­leiste zeigt ihm an, wann Tore gefallen sind, damit er die wichtigsten Ereig­nisse schnell findet. Bei Sky Ticket gibt es weder Zeit­leiste noch Spul-Optionen.

Multitasking: Nur DAZN erlaubt zwei Streams gleich­zeitig

Keiner der beiden Anbieter ermöglicht es Zuschauern, den Bild­schirm des Fernsehers in Split Screens aufzuteilen, um mehrere Spiele gleich­zeitig zu verfolgen. Dass das an sich problemlos möglich wäre, beweist das Streaming-Angebot der NFL, bei dem sich zwei Spiele auf zwei Bild­kader verteilen lassen – früher waren sogar vier Parallel-Spiele möglich.

Eine gute Alternative zum Multitasking wäre eine personalisierte Konferenz, wie sie die Telekom einst anbot: Fans konnten damit etwa fest­legen, dass sie nur über die Spiele von Bayern, Dort­mund und Lever­kusen informiert und von Duellen der Kellerkinder verschont werden. Noch reizvoller wäre eine solche Funk­tion in der Champions League, da sich Zuschauer dann in der Konferenz auf die Partien mit deutscher Beteiligung konzentrieren könnten. Sky bietet keine solche Personalisierung an, während DAZN gar keine Bundes­liga- oder Champions-League-Konferenz hat.

Eine dritte Möglich­keit, zwei Spiele parallel zu verfolgen, besteht in der gleich­zeitigen Nutzung von zwei Bild­schirmen. Das erlaubt allerdings nur DAZN – hier kann der Zuschauer etwa auf dem TV-Gerät das Bayern-Spiel ansehen und auf einem Tablet PSG gegen Real Madrid streamen. Alternativ kann er am PC auch zwei Browser­fenster öffnen und darin unterschiedliche Spiele ansehen. Sky-Nutzer können zu jedem Zeit­punkt nur ein Gerät aktiv verwenden.

Tipp: Wer zwei Spiele gleich­zeitig sehen will, braucht im Ideal­fall auch zwei Bild­schirme – neben dem Fernseher kann das zum Beispiel ein Tablet sein.

Geräte-Anzahl: Spiele verpassen dank Sky-Restriktionen

Sky begrenzt die Anzahl der mit einem Konto verbundenen Geräte auf vier. Das ist an sich nicht weiter schlimm – zumal auch DAZN ein Limit setzt. Dort können maximal sechs Geräte verbunden werden. Bei Sky gibt es aber einen entscheidenden Haken: Zwar lassen sich verbundene Geräte jeder­zeit aus dem Konto entfernen – das führt aber nicht in jedem Fall dazu, dass sich auch ein neues Gerät verbinden lässt. Denn Sky lässt pro Kalendermonat nur die Ergän­zung eines neuen Gerätes zu. Im Extremfall kann das bedeuten, dass der Kunde sein bezahltes Abo etwa im Hotel­zimmer oder während des Wochen­end-Besuchs bei Oma gar nicht verwenden kann und auf das Spiel seines Lieblings­ver­eins verzichten muss. Bei DAZN besteht dieses Risiko nicht – der Nutzer kann beliebig oft Geräte ergänzen, solange die Gesamt­zahl der mit dem Konto verknüpften Geräte bei maximal sechs bleibt.

Preise: Vier Monate Sky Ticket so teuer wie ein Jahr DAZN

Auch preislich macht Sky das schlechtere Angebot: DAZN kostet 12 Euro pro Monat oder 120 Euro im Jahr. Sky Ticket verlangt für das Sport-Abo satte 30 Euro im Monat, sodass in vier Monaten bereits dieselben Kosten anfallen wie bei einem Jahres­abo von DAZN. Allerdings wirbt Sky Ticket sehr regel­mäßig mit Sonder­angeboten, bei denen ein Monat meist 10 Euro kostet.

Das Programm-Angebot: Sky mit den interes­santeren Rechten

In puncto Technik ist für Nutzer deutlich spür­bar, dass es sich bei Sky primär um einen linearen Fernsehsender handelt, für den das Internet noch Neuland ist, während DAZN als „digital native“ geboren wurde. Doch in einem Punkt – und zwar dem vielleicht wichtigsten – hat Sky die Nase vorn: Der Konzern besitzt die interessanteren Rechte für deutsche Fußball-Fans. So zeigt DAZN 40 Bundes­liga-Spiele, davon 37 exklusiv. Bei Sky sind es hingegen ganze 266 – inklusive des oft besonders attraktiven Sams­tag­abend-Duells. Zusätzlich bietet Sky die beliebte Bundes­liga-Konferenz­schaltung.

In der Champions League hat DAZN auf den ersten Blick Vorteile: So zeigt der Dienst 110 Einzelspiele in voller Länge, Sky nur 34. Allerdings hat Sky mehr wichtige Spiele mit deutscher Beteiligung im Programm. Und auch hier kann Sky mit dem Allein­stellungs­merkmal Konferenz punkten: Dank ihr hat nur Sky die Möglich­keit, live über alle Spiele zu berichten, wenn auch nicht in voller Länge. Sky zeigt zudem alle Partien des DFB-Pokals und der 2. Liga – DAZN hat keinerlei Live-Rechte für diese Wett­bewerbe. Umge­kehrt über­trägt DAZN die gesamte Europa League – die ist aber im Vergleich zu Bundes­liga und Champions League deutlich weniger attraktiv.

Jenseits von Bundes­liga, Champions League und DFB-Pokal hat Sky mit der eng­lischen Premier League, der Formel 1 sowie der Hand­ball-Bundes­liga und -Champions-League weitere Hoch­karäter im Angebot. DAZN setzt eher auf ein besonders breites, interna­tionales Repertoire mit der Fußball-EM-Qualifikation, den Fußball-Ligen aus Spanien, Italien und Frank­reich sowie Rugby und den US-Ligen NFL, NBA, MLB und NHL.

Fazit: Leidenschaftliche Sport­fans brauchen beide Dienste

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Über­tragungs­rechte besteht für leidenschaftliche Sport­fans kaum eine Wahl zwischen Sky Ticket und DAZN. Sie brauchen beides, da sich die zwei Dienste ergänzen. Zuschauer, die sich primär für deutschen Fußball interes­sieren, sind mit Sky besser aufgestellt. DAZN bietet dafür eine größere Vielfalt, inklusive zahlreicher interna­tionaler Wett­bewerbe.

Tipp: DAZN lässt sich einen Monat lang kostenlos ausprobieren. Sky Ticket ist nicht gratis verfügbar, lockt aber oft mit Sonder­angeboten für 10 Euro im Monat.

Klassischer Sky-Empfang statt Streaming – besseres Bild, deutlich teurer

Wen die tech­nischen Defizite von Sky Ticket abschre­cken, der kann statt­dessen auf die klassischen TV-Empfangs­wege mit Satellit- oder Kabel-Receiver vertrauen und darüber Sky schauen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Bessere Bild­qualität, schnel­leres Zappen und weniger Zeit­versatz (Sat- und Kabel-Signale erreichen den Zuschauer mit weniger Verzögerung, bei Streams kann der Abstand zum Live-Event durch­aus mal 30 Sekunden betragen).

Allerdings sind die klassischen Empfangs­wege deutlich teurer und unflexibler: Das Sport-Komplett­paket von Sky mit Bundes­liga und Champions League in HD-Qualität kostet regulär 60 Euro pro Monat, derzeit wird der Betrag im ersten Jahr auf monatlich 30 Euro reduziert. Doch selbst dann zahlt der Nutzer noch dreimal so viel wie bei den typischen 10-Euro-pro-Monat-Aktionen des Streaming­dienstes Sky Ticket. Zudem müssen sich TV-Kunden für mindestens 12 Monate an Sky binden (und damit auch in den fußball­freien Sommer- und Winter­pausen), während das Streaming-Abo monatlich künd­bar ist. Zumindest für Gelegen­heits­zuschauer ist Streaming deshalb die deutlich bessere Option.

Dieser Artikel ist erst­mals im April 2019 auf test.de erschienen. Wir haben Ihn am 18. Oktober 2019 umfassend erweitert. Kommentare vor dem 18.10.2019 beziehen sich auf eine ältere Fassung des Artikels.

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