Fußball-EM 2008 Meldung

In drei Tagen startet die Fußball-Europameisterschaft. Dann beginnt für Fußballfans die schönste Zeit des Jahres - inklusive Grillfesten im Garten oder Tippspielen mit Kollegen und Freunden. test.de sagt, worauf sie dabei achten sollten, damit ihnen Nachbarn und der Chef die Freude am Fußball nicht verderben.

Grillen und Fußball-Gucken im Garten

Ganz so beständig wie zur Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren wird das Wetter zur Europameisterschaft wohl nicht werden. Trotzdem: Gemütliche Grillabende sind laut Meteorologen garantiert. Viele Fans werden daher wohl auch in diesem Jahr ihren Garten oder den Balkon nutzen, um mit Freunden die Spiele zu gucken und nebenbei zu grillen. Allerdings: Wer dies bei jedem Spiel tut, könnte die Toleranz der Nachbarn strapazieren. Generell gilt: Gelegentliches Grillen auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon ist erlaubt. Aber nur, wenn die Nachbarn nicht unzumutbar belästigt werden. Zumindest sehen die meisten Gerichte dies so, beispielsweise das Landgericht Stuttgart, (Az. 10 T 359/96). Wer grillt, muss aber sicherstellen, dass kein dichter Qualm in die Wohnung der Nachbarn zieht. Dies ist oft der Hauptgrund für Beschwerden. Mögliche Alternative: Statt eines Holzkohlegrills können Fußballfans auf einen Elektrogrill ausweichen. Doch selbst dann: Ständiges Grillen ist nicht erlaubt. Laut Amtsgericht Bonn darf in Mehrfamilienhäusern nur einmal im Monat gegrillt werden. Die Nachbarn sollten aber zwei Tage vorher informiert werden (Az. 6 C 545/96). Der Süden grillfreundlicher. Das Landgericht München meint: „Grillen ist im Sommer üblich und muss von den Nachbarn generell geduldet werden“ (Az. 15 S 22735/03). Haben die Nachbarn etwas dagegen, müssen sie belegen, dass der Grillende ständig und störend zugange ist.

Tipp: Wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn Sie sich mit den Nachbarn absprechen, gibt es meist keinen Ärger. Nur wenn die Hausordnung das Grillen ausdrücklich verbietet, droht Ihnen die Abmahnung und im Wiederholungsfall die Kündigung (Landgericht Essen, Az. 10 S 438/01).

Auf die Lautstärke achten

Zum Fußball-Gucken gehört das Anfeuern und Mitfiebern dazu. Doch auch wenn es den meisten schwerfallen dürfte: Generell sollten lautstarke Feiern einen gewissen Lärmpegel nicht überschreiten. Zudem müssen die Ruhezeiten eingehalten werden. Ab 22 Uhr sollte die kleine Fangemeinde auf dem Balkon oder im Garten die Lautstärke drosseln. Das gilt nicht nur für die Partygäste, sondern auch für Fernseher oder Beamer im Garten. Allerdings kann sich auch hier ein Gespräch mit den Nachbarn auszahlen. In den Wochen der EM haben viele bestimmt Verständnis für eine Fußball-Party oder feiern sogar selbst.

Tipps: Denken Sie auch nach Feierabend an Ihren Job. Sie könnten Ärger mit dem Chef bekommen, wenn Sie so heftig feiern, dass Sie zu Arbeitsbeginn am nächsten Tag nicht wieder fit sind. Haben Sie die Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet, entfällt der Anspruch auf Lohnfortzahlung. Allerdings ist selbst am Arbeitsplatz Alkohol nicht generell verboten. Tabu ist er zum Beispiel, wenn es im Arbeitsvertrag steht oder bei Kraftfahrern sowie aus Sicherheitsgründen bei Jobs wie Ärzten.

EM am Arbeitsplatz

Die Spiele der Europameisterschaft beginnen erst am Abend. Wer trotzdem nicht rechtzeitig Feierabend machen kann, hat immer noch die Möglichkeit, die Übertragung beispielsweise im Radio mitzuverfolgen - vorausgesetzt dadurch werden Kollegen nicht gestört und die Arbeitsleistung leidet nicht darunter. Ausnahme: Wer Umgang mit Kunden hat, darf in der Regel auch kein Radio hören. Zudem müssen Arbeitnehmer für private Elektrogeräte in vielen Firmen eine Erlaubnis einholen. Denn ein defektes Gerät kann unter Umständen die Betriebselektrik lahmlegen. Debatten über die bisherigen Ergebnisse der einzelnen Partien oder auch das Tippspiel gehören aber grundsätzlich in die Pausenzeiten.

Besonderheit Internet

Spielstände im Internet kontrollieren oder Informationen zu einzelnen Mannschaften herunterladen - während der Arbeitszeit im Internet privat zu surfen, ist generell nur zulässig, wenn der Chef es erlaubt oder bewusst duldet. Doch selbst wenn der Chef das Surfen am Arbeitsplatz erlaubt, muss das nicht für alle Fußballseiten gelten. Beispiel: Ist das Fernsehen wegen der Ablenkung von der Arbeit verboten, dürfen Angestellte auch keine bewegten Bilder aus dem Netz ansehen oder herunterladen. Doch selbst wenn Fernsehen erlaubt ist, kann zum Beispiel das so genannte Streaming (Web-TV oder Web-Radio) verboten sein, weil es unter Umständen zur Überlastung des Firmennetzwerks führt. Viele Betriebe schreiben zudem bestimmte Sicherheitseinstellungen für den Browser vor. Diese dürfen Angestellte natürlich nicht ändern, damit eine bestimmte Fußballseite doch angezeigt wird.

Mit dem Chef sprechen

Auf Nummer Sicher gehen Arbeitnehmer, wenn sie das Thema Fußball während der Arbeitszeit auf ein Minimum beschränken. Bei groben Verstößen gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten droht der Rauswurf. In ganz schweren Fällen ist sogar eine fristlose Kündigung möglich. Dazu muss es aber nicht kommen. Arbeitnehmer sollten auf jeden Fall mit ihrem Chef sprechen - vielleicht ist er genauso fußballbegeistert. Dann steht dem EM-Genuss nichts mehr im Wege.

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