Der offizielle Weltmeisterschaftsball von adidas ist wirklich Spitze – auch im Preis. Gut kicken lässt es sich aber auch mit Bällen, die nur einen Bruchteil davon kosten.

Nach der Absage der Eröffnungsfeier für die Fußballweltmeister­schaft hat der Weltverband Fifa den rund 12 700 freiwilligen Darstellern einen WM-Ball zugeschickt. Als kleine Entschädigung, denn monatelang hatten sie umsonst geprobt. Doch was die verhinderten Darsteller aus dem Fifa-Päckchen zogen, war nicht der mit „Teamgeist“ titulierte offizielle WM-Ball, sondern ein Replikat, der adidas Teamgeist Replique. Das Original kostet 110 Euro, die Nachbildung 25 Euro.

Dass viele der Beschenkten enttäuscht waren, wie der Berliner Tagesspiegel berichtete, ist zwar verständlich, doch eine schlappe Pille hat die Fifa nicht überreicht. Im Gegenteil: Der Replique machte im Test eine ganz gute Figur und ist für Freizeitkicker, vor allem im Hinblick auf den Preis, keine schlechte Wahl. Ein echter Spitzenball ist er aber nicht, nicht mal eine richtige Kopie. Denn der Teamgeist – laut adidas hat die Entwicklung drei Jahre gedauert – ist ein neuartiger Hightech-Fußball. Bestehen klassische Fußbälle in der Regel aus 32 fünf- und sechseckigen Segmenten, beim Replique sind es 26, die per Hand zusammengenäht werden, hat der neue WM-Ball nur 14 Segmente unterschiedlicher Form. Und die sind nicht zusammengenäht, sondern verklebt. Damit ist den adidas-Entwicklern ein absolut runder Fußball mit besten Material- und Spieleigenschaften gelungen.

Der Ball ist nicht immer rund

Dass der Ball rund ist, wie Sepp Herberger einst philosophierte, stimmt nämlich, wenn man es genau nimmt, nicht immer. Bis auf den Teamgeist weichen alle getesteten Bälle leicht vom Idealrund ab, drei sogar etwas deutlicher.

Regen perlt einfach ab

Auch vom „Leder“ kann schon lange keine Rede mehr sein. Die Weltmeisterschaft in Spanien 1982 war die letzte, bei der ein Lederfußball zum Einsatz kam. Vier Jahre später in Mexiko traten die Spitzenkicker erstmals bei einer WM gegen einen vollsynthetischen Ball.

Kunststoff hat viele Vorteile. Er ermöglicht rundere und glattere Bälle, die kaum noch Wasser aufnehmen. Verloren die Lederbälle von einst bei Regen schnell ihre Fassung, weil sie sich mit Wasser vollsogen, perlt der Regen von den modernen Bällen einfach ab.

Unter der äußeren Kunststoffschicht befinden sich meist noch mehrere Textil-, Schaumstoff- oder Filzschichten. Beim Teamgeist sind es insgesamt zehn Lagen aus unterschiedlichen Materialien. Darunter liegt die „Blase“, ein luftundurchlässiger Gummi- oder Latexballon, der über ein Ventil aufgepumpt wird.

Der Fachhandel unterscheidet drei Kategorien von Fußbällen: Freizeitbälle (bis etwa 15 Euro), Trainingsbälle (bis etwa 30 Euro) und Spielbälle (ab etwa 80 Euro). Wir haben für den Test Fußbälle in allen Preisklassen ausgewählt, aber auf eine Klassifizierung verzichtet, da alle nach denselben Kriterien bewertet wurden. Nach den Regeln des Deutschen Fußball Bundes (DFB) muss ein Ball kugelförmig sein, aus Leder oder einem anderen geeigneten Material bestehen, zwischen 410 und 450 Gramm wiegen, einen Umfang zwischen 68 und 70 Zentimetern und einen Druck von 0,6 bis 1,1 Atmosphären haben.

Spielbälle, die bei internationalen Turnieren eingesetzt werden, müssen wesentlich höhere Anforderungen erfüllen. Sie brauchen ein Fifa-Gütesiegel. Die schwächere Variante heißt Fifa-Inspected. Dafür werden Umfang, Gewicht, Rundheit, Rücksprung, Wasseraufnahme und Druckverlust geprüft. Für die höhere Qualitätsauszeichnung, das Fifa-Approved-Siegel, gilt ein weiteres Prüfverfahren, in dem zusätzlich die Form- und Größenbeständigkeit der Bälle nach einem Belastungstest untersucht wird.

Uhlsport Legacy ist nicht wasserdicht

Für die Fifa-Siegel müssen die Hersteller 0,75 bis 1 Schweizer Franken pro Ball an den Weltverband zahlen. Im Allgemeinen scheint auf die Siegel Verlass zu sein. In unserem Test, dem ähnliche Kriterien zugrunde lagen, landeten die Bälle mit Gütesiegel auf den vorderen Plätzen. Mit einer Ausnahme allerdings: Der Uhlsport PT 13 Legacy für immerhin 100 Euro ist nicht ganz dicht. Er wurde wegen einer zu hohen Wasseraufnahme abgewertet.

Im Gegensatz dazu schneiden einige Bälle im unteren Preisbereich, die kein Fifa-Siegel schmückt, erstaunlich gut ab. Einzige Ausnahme im Test ist ein Aktionsball von Aldi vom November 2005, der schärfere Schüsse schnell übelnahm.

Auch „Guten“ geht die Puste aus

Häufigster Grund für Reklamationen ist bei Fußbällen der Druckverlust. Zwar geht auch „guten“ Fußbällen nach längerer Zeit die Puste aus, für die Dauer eines Spiels können aber zumindest alle getesten Bälle die Luft halten.

So viel zu den Laborprüfungen, doch „entscheidend is auffem Platz“, wie es in der Fußballersprache heißt. Wir haben natürlich auch die Spieleigenschaften der Bälle bewerten lassen – von zwölf Spielerinnen einer Regionalliga-Mannschaft während mehrerer Trainingseinheiten. Um Ballgefühl und Flugeigenschaften zu be-urteilen, haben sie unter anderem einen Dribbelparcours absolviert, Flanken geschlagen, Pässe gespielt, die Bälle hin- und hergeköpft, gezielt aufs Tor geschossen, alles unter genau definierten Bedingungen. Die von den Testerinnen gekürten Spitzenbälle zeigen, dass es auch bei der Bewertung einen Teamgeist zu geben scheint. Fast alle waren sich einig: adidas Teamgeist, Nike Total 90 Aerow und Puma V1.06 sind die besten Bälle.

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