Fußbälle CSR Test

Drucken. Thailändische Arbeiter bedrucken den Kunststoff für adidas-Bälle.
Nähen. Fast alle Fußbälle werden von Hand, meist in kleinen Nähzentren, zusammengenäht.

Fußbälle werden fast ausschließlich in Pakistan, Thailand und China hergestellt. Was tun die Sportartikelfirmen für Soziales und Umwelt in diesen Ländern?

Das Weltzentrum der Produktion von Fußbällen liegt im Nordosten Pakistans. In der rund 400 000 Einwohner zählenden Industriestadt Sialkot werden etwa 60 Prozent der weltweit verkauften Fußbälle hergestellt. Alle führenden Sportartikelkonzerne wie Nike, adidas, Puma oder Derbystar arbeiten mit Betrieben in dieser Stadt zusammen.

Der Mindestlohn liegt in Pakistan bei 3 000 Rupien pro Monat, das sind etwa 40 Euro. Gelernte Arbeiter bekommen bis zu 5 000 Rupien. Doch um eine Familie zu ernähren, reicht auch das nicht – zum Überleben sind immer mehrere Einkommen der Familienmitglieder nötig.

In den Nähzentren, wo die Fußbälle von Hand zusammengenäht werden, wird nach Stückzahl bezahlt. Je nach Qualität und Größe bekommen die Näher 37 bis 55 Rupien (etwa 50 bis 75 Cent) pro Stück. Sie schaffen drei bis sechs Bälle pro Tag. Damit können sie zwar mehr verdienen als die Festangestellten, ihnen entgehen aber Sozialleistungen, die nur die Fabrikarbeiter bekommen. So sind Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern verpflichtet, in die Altersvorsorge einzuzahlen. Die gesetzliche Mindestrente beträgt 700 Rupien, das sind nicht einmal 9,50 Euro. Das offizielle Rentenalter ist für Männer mit 60 Jahren, für Frauen mit 55 erreicht.

Kinderarbeit weitgehend verbannt

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Endkontrolle. Bei der Firma Molten in Thailand wird der adidas Teamgeist begutachtet.
Ali trading. Das Unternehmen in Sialkot, das unter anderm für Puma fertigt, bietet gute Bedingungen.

Kinderarbeit, in den 90er Jahren ein viel diskutierter Missstand, gibt es heute zumindest in der Fußballindustrie Pakistans so gut wie nicht mehr. Alle großen Produzenten haben sich der Initiative der Organisation IMAC (Independent Monitoring Association for Child Labour) angeschlossen. Die IMAC kontrolliert seit 1997 die Fabriken und Nähzentren auf Kinderarbeit und andere soziale Unstimmigkeiten. Aus der Fußballindustrie ist Kinderarbeit seitdem weitgehend verbannt, aus anderen Branchen aber nicht.

Um die Unternehmensverantwortung für Soziales und Umwelt (englisch Corporate Social Responsibility, CSR) zu beurteilen, haben wir die Anbieter ausführlich befragt und uns bei einem Besuch in den Unternehmenszentralen alle wichtigen Dokumente zeigen lassen. Außerdem haben wir uns die Produktionsbetriebe in Pakistan, Thailand und China angesehen.

Das Ergebnis zeigt erfreuliche Tendenzen. Zumindest die großen Sportartikelkonzerne adidas, Nike und Puma unternehmen deutliche Anstrengungen, sowohl in ihrer sozialen Verantwortung als auch beim Umweltschutz. Derbystar und Uhlsport sind engagiert, erima, Intersport, Jako und Tramondi zeigen zumindest Ansätze in die richtige Richtung. Nur Hudora aus Remscheid und wieder einmal der Discounter Aldi haben gemauert und unseren Fragebogen nicht beantwortet. Der Aldi-Aktionsball ist ein Billigprodukt der Firma Tramondi, deren etwas teurerer Tramondi Matchball ebenfalls im Test ist. Die Firma zeigt lediglich Ansätze in der Unternehmensverantwortung. Dabei wurde ihr Matchball ebenso wie der Derbystar Alpha TT gerade deshalb für den Test ausgewählt, weil sie ein Fairtrade-Siegel trugen. Der Verein Transfair will durch gerechtere Handelsbeziehungen die Lebensbedingungen der Menschen in den Herstellerländern verbessern. Er hat dem Tramondi-Ball das Siegel inzwischen entzogen.

Rund 60 Cent pro Ball für den Näher

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saga sports. Produziert für Nike und Puma. Diese kontrollieren die Einhaltung der sozial-ökologischen Anforderungen.
Balleigenschaften. Bei Forward Sports in Pakistan wird der adidas Replique, der kleine Bruder des WM-Balls Teamgeist, hergestellt und getestet.

Firmen ohne Fairtrade-Siegel engagieren sich teilweise wesentlich stärker. Zum Beispiel adidas. Der WM-Ball Teamgeist ist ein echtes Globalisierungsprodukt. Seine aus verschiedenen Ländern kommenden Teile werden von einem japani­schen Unternehmen in einer thailändischen Fabrik für eine deutsche Firma zusammengenäht und geklebt.

Der Hersteller heißt Molten. Bei unserem Besuch konnten wir feststellen, dass er die hohen sozial-ökologischen Standards, die bei adidas gelten, erfüllt. So gibt es eine Krankenversicherung, Altersvorsorge und eine Arbeitnehmervertretung. Einen guten Eindruck hinterließ auch Forward Sports in Sialkot, wo der adidas Replique zusammengenäht wird.

Nike und Puma lassen in Sialkot bei Saga Sports fertigen, dem größten Hersteller von Fußbällen in Pakistan. Die Zentrale, in der 2 500 Menschen arbeiten, hat die Ausmaße einer Stadt und wird auch Saga-City genannt. Saga zeigt ein hohes Engagement für seine Mitarbeiter, zu denen noch etwa 5 000 in den Nähzentren zählen. So wird etwa die medizini­sche Versorgung auch für Näher ohne Vertrag und deren Angehörige angeboten. Einzigartig in Sialkot ist der Transport der Saga-Arbeiter. Busse bringen sie morgens in die Fabrik und abends wieder in die Stadt.

Trotz aller Fortschritte bleibt ein ungutes Gefühl. Für einen hochwertigen Fußball muss ein Näher die Nadel rund 1 400 Mal durch dicken Kunststoff treiben. Das dauert bis zu drei Stunden und bringt ihm rund 60 Cent. Ein handgenähter Fußball kostet in Europa aber bis zu 100 Euro.

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