Fusionen Gesetzlicher Krankenkassen Test

Auch in diesem Jahr gab es zahlreiche Kassen­fusionen. So entstand im August aus der „Vereinigte IKK“ und der „IKK classic“ die „neue IKK classic“ – nun die Nummer sechs unter den gesetzlichen Krankenkassen. test.de erklärt anhand dieses Fusionsfalles, was sich nach einer Fusion für Versicherte ändert – und was nicht.

Kein Zusatzbeitrag dank Fusion

Bereits vor einigen Monaten hatte die Vereinigte IKK Zusatzbeitrag von monatlich 8 Euro beschlossen. Doch zahlen müssen ihn die Versicherten in dieser Kasse nun nicht. Besser noch: Sie haben jetzt sogar eine Garantie ihrer Kasse, auch 2012 davon verschont zu bleiben. Hintergrund dieser Entwicklung: Die Versicherten der Vereinigte IKK sind dort nicht länger versichert, sondern gehören seit Anfang August zur neuen IKK classic. Statt einen Zusatzbeitrag zu erheben, ist ihre alte Kasse mit der bis dahin größten Innungskrankenkasse, der IKK classic, fusioniert. Durch den Zusammenschluss entstand die neue IKK classic. Mit insgesamt 3,6 Millionen Versicherten ist sie die Nummer sechs unter den gesetzlichen Krankenkassen.

Zusatzbeitrag vertreibt die Kundschaft

Der Verzicht auf den Zusatzbeitrag war eine wesentliche Bedingung des Fusionspartners IKK classic. Denn die Kassen lösen ihre Finanzprobleme nur sehr ungern durch die Erhebung von Zusatzbeiträgen. So haben bislang auch nur neun geöffnete Kassen davon Gebrauch gemacht – und dadurch viele Mitglieder verloren. Bei der BKK Gesundheit etwa waren es rund 260 000 Versicherte, die dieser Kasse nach der Erhöhung den Rücken kehrten. Auch die KKH Allianz führt einen Großteil der 140 000 Mitgliederkündigungen im letzten Jahr auf den monatlichen Zusatzbeitrag von 8 Euro zurück.

Änderungen bei Extraleistungen

Für die meisten Versicherten dürfte eine Fusion reibungslos und ohne großen eigenen Aufwand verlaufen. So behalten etwa die Chipkarten der Vereinigten IKK weiterhin ihre Gültigkeit. Und Arbeitgeber, Rentenversicherung oder das Arbeitsamt erhalten automatisch von der neuen Kasse eine Mitteilung über den Zusammenschluss. Versicherte müssen sich zudem keine Sorgen machen, dass sie durch den Zusammenschluss keinen ausreichenden Versicherungsschutz mehr haben. Denn mehr als 90 Prozent des Angebots einer Kasse ist gesetzlich vorgeschrieben.

Oft gilt der Leistungskatalog der größeren Kasse

Mögliche Änderungen betreffen vor allem Extraleistungen und Serviceangebote, die über das gesetzlich festgelegte Maß hinausgehen. Das sind zum Beispiel Wahltarife oder Extras wie Zuschüsse zu Gesundheitskursen. Oft wird einfach der Leistungskatalog des größeren und stärkeren Fusionspartners übernommen. Dabei können einige Zusatzleistungen auf der Strecke bleiben – gerade wenn die kleinere der beiden Fusionskassen bessere oder umfangreichere Extras bietet. Im Fall der Fusion zwischen Vereinigter IKK und IKK classic liegen die Extras beider Kassen nah beieinander.

Zahlreiche Vorteile – aber auch Nachteile

Dennoch gibt es Änderungen, einige zum Vorteil, andere zum Nachteil – für die Kunden beider Kassen.

Besser:

  • Homöopathie. So können Versicherte der ehemaligen Vereinigten IKK künftig auch homöopathische Behandlungen auf Chipkarte bundesweit in Anspruch nehmen. Bislang hat ihre alte Kasse diese Zusatzleistung nicht angeboten. Die IKK classic zahlt allen Versicherten die homöopathische Behandlung bei Vertragsärzten mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. Sie kommt also für die aufwendigen Erst- und Folgegespräche auf. Einzig die verordneten homöopathischen Mittel müssen alle gesetzlich Versicherten aus eigener Tasche zahlen.
  • Geschäftsstellen. Auch das ist neu und besser: Versicherte beider Kassen können künftig ein größeres Geschäftsstellennetz nutzen. Durch den Zusammenschluss gibt es mit insgesamt 364 Geschäftsstellen etwa doppelt so viele Anlaufstellen vor Ort wie vor der Fusion. Davon profitieren vor allem diejenigen, die eine persönliche Beratung bei ihrer Kasse bevorzugen.

Schlechter:

  • Gesundheitskurse. Schlechter für Versicherte der Vereinigten IKK: Für die Teilnahme an Gesundheitskursen bei zertifizierten Anbietern gibt es etwas weniger Zuschüsse. Für Kurse rund um Ernährung, Bewegung, Raucherentwöhnung sowie Stressbewältigung und Entspannung zahlt die neue IKK classic für maximal zwei Kurse je 75 Euro. Die Vereinigte IKK hatte sich dagegen mit je 90 Euro an zwei Kursen beteiligt.
  • Haushaltshilfe. Die neuen Regelungen für eine Haushaltshilfe sind dagegen ein herber Einschnitt für die Versicherten der alten IKK classic. Werden Personen, die einen Haushalt führen, schwer krank, zahlt die Kasse die Haushaltshilfe jetzt nur noch für maximal 28 Tage im Jahr je Krankheitsfall. Nur in begründeten Ausnahmefällen gibt es mehr. Die alte IKK classic übernahm die Kosten für insgesamt 182 Tage wenn in dem Haushalt ein Kind unter 14 Jahren lebt. Wer besonderen Wert auf dieses Extra legt, hat nur eine Wahl. Er muss sich eine andere Kasse suchen, die in diesem Punkt mehr bietet. Mithilfe des Produktfinders Krankenkassen ist das ganz einfach. Mehr leistet zum Beispiel die Techniker Krankenkasse. Sie zahlt die Haushaltshilfe, solange sie erforderlich ist. Auch viele Betriebskrankenkassen bieten in diesem Punkt mehr als die IKK classic. Wichtig: Versicherte sollten prüfen, ob die neu gewählte Kasse bei weiteren Extras, die ihnen wichtig sind, ebenfalls gut ist und ob sie einen Zusatzbeitrag verlangt.

Abwägen:

  • Wahltarife. Vergleichen müssen auch Versicherte der ehemaligen Vereinigten IKK, die sich in einen Wahltarif ihrer alten Kasse eingeschrieben hatten. Denn diese Tarife laufen zum Jahresende aus. Wichtig: Noch ausstehende Prämien aus diesen Tarifen rechnet die Kasse mit den Versicherten ab. Wer in einen Wahltarif bei der Vereinigten IKK eingeschrieben war, muss nun überlegen, ob er sich für einen Wahltarif seiner neuen Kasse entscheidet. Auch hier gibt es Unterschiede: So variieren etwa die einkommensabhängigen Selbstbehalte und die Prämien in den entsprechenden Tarifen der Vereinigten IKK und der neuen IKK classic. Der Wahltarif für Erstattungen von alternativen Arzneimitteln kostete bei der Vereinigten IKK monatlich 10 Euro. Bei der neuen IKK classic gibt es altersabhängige Beiträge zwischen 10,50 Euro und 19 Euro. Pro Jahr erstattet der Tarif maximal 300 Euro, im Tarif der Vereinigten IKK waren es nur 200 Euro.

Nicht vorschnell der Kasse kündigen

Sind Versicherte mit der fusionierten Kasse unzufrieden, können sie wechseln, wenn sie mindestens 18 Monate Mitglied in ihrer alten Kasse waren. Ein Sonderkündigungsrecht allein aufgrund der Fusion haben sie aber nicht. Das Sonderkündigungsrecht gilt nur, wenn die Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag erhebt oder diesen erhöht. Schon bei der Ankündigung eines Zusammenschlusses sollten Versicherte nicht sofort ihre Kasse kündigen. Besser ist es abzuwarten, was die neue Kasse alles bietet und welche Leistungen möglicherweise wegfallen. Dann bleibt immer noch genügend Zeit, sich nach einer besseren Kasse umzusehen.

Wer einen Wechsel in Erwägung ziehen sollte

Das sollten derzeit vor allem Versicherte der BKK für Heilberufe, der BKK Gesundheit und der DAK berücksichtigen. Der finanziell angeschlagenen BKK für Heilberufe liegen derzeit vier Fusionsangebote von anderen Betriebskrankenkassen vor: Von der BKK vor Ort, der pronova BKK, der Deutschen BKK und der BKK Essanelle. Noch im September entscheidet sich, ob eine Fusion zum Jahreswechsel stattfindet. Auch die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse, die DAK, verhandelt derzeit über eine mögliche Fusion mit der BKK Gesundheit. Nach Angaben der DAK ist mit einer Entscheidung bis zum Jahresende zu rechnen.

Tipp: Wenn der Wechselentschluss steht, helfen die Produktfinder auf test.de:
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