Fusion von Krankenkassen Meldung

Von der neuen Krankenkasse Barmer GEK bekommen Kathrin Schwegler und Stefan Holst etwas weniger Leistungen als früher von der GEK. Einige Extras bleiben aber. Die Kasse bezahlt zum Beispiel zusätz­liche Vorsorgeuntersuchungen für Lina und Lasse.

DAK und Hamburg Münchener Krankenkasse sind jetzt eins, Barmer und GEK auch. Ein Teil der Kunden hat dadurch Nachteile, andere verbessern sich.

Vor gut vier Jahren hat Kathrin Schwegler ihre Krankenkasse gewechselt: „Die Beratung bei der Barmer hatte mir damals nicht gefallen, und mein Mann war mit der Gmünder Ersatzkasse zufrieden“, erinnert sich die Tierärztin. „Und jetzt bin ich doch wieder bei der Barmer gelandet.“ Die Berlinerin, ihr Mann Stefan Holst und die Kinder Lasse und Lina zählen zu den rund 8,5 Millionen Versicherten in der neuen Barmer GEK.

Durch die Fusion von Barmer und Gmünder Ersatzkasse (GEK) ist Anfang des Jahres die größte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland entstanden. Dieser Zusammenschluss war nicht der einzige zum Jahreswechsel. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) hat die Versicherten der früheren Hamburg Münchener Krankenkasse übernommen. Auch mehrere Innungskrankenkassen sowie einige Betriebskrankenkassen arbeiten nun unter einem Dach (siehe Tabelle).

Weitere Fusionen werden folgen: „Den Krankenkassen bleibt nichts anderes übrig, als sich über Fusionen oder Kooperationen mit anderen Kassen bessere Gestaltungsspielräume im Umgang mit Krankenhäusern, Ärzten oder der Pharmaindustrie zu verschaffen“, sagt der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen. Die Auswahl an Kassen sei trotzdem noch groß genug.

Was sich durch die Fusion ändert

„Die neuen Versichertenkarten haben wir im November zugeschickt bekommen“, sagt Kathrin Schwegler. In einer Broschüre versprach die GEK ihren Versicherten, dass sie sich weiter auf die Service- und Leistungsstärke der Kasse verlassen können: „Denn wir halten an unseren hohen Leistungsstandards und Servicegarantien fest.“

Ihr Versprechen hat die GEK nicht ganz gehalten. Finanztest hat alte und neue Leistungen mithilfe seiner großen Krankenkassen-Datenbank verglichen (www.test.de/krankenkassen). Das Ergebnis: GEK-Versicherte müssen einige Einschränkungen hinnehmen. Die Versicherten der Barmer stehen dagegen oft besser da als vorher.

Die Unterschiede zeigen sich zum Beispiel bei der Hautkrebsvorsorge. Die neue Barmer GEK bezahlt alle zwei Jahre in fast allen Bundesländern auch Versicherten unter 35 Jahren einen Haut-Check. Die GEK hatte dagegen fast überall eine jährliche Untersuchung bezahlt, die Barmer gar keine für Kunden unter 35.

Die Barmer GEK bezahlt häusliche Krankenpflege für bis zu 28 Tage, wenn dadurch eine Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt werden kann. Die GEK hat für bis zu 182 Tage gezahlt, wenn es nötig war, die Barmer gar nichts.

Von den neuen Regeln für eine Haushaltshilfe profitieren dagegen alle Versicherten der neuen Barmer GEK. Werden Frauen oder Männer, die einen Haushalt führen, krank, trägt die Kasse bis zu einem Jahr die Ausgaben für eine Haushaltshilfe. Voraussetzung ist, dass ein Kind unter 14 Jahren im Haushalt lebt.

Die Barmer GEK zahlt damit länger als die GEK früher und gestattet anders als die Barmer ein Höchstalter der Kinder von 14 statt 12 Jahren (mehr zu diesem Vergleich unter www.test.de/kassenfusion).

Mindestschutz ist immer sicher

Trotz der Änderungen muss kein gesetzlich Versicherter fürchten, nach einer Fusion nur noch mit minimalem Schutz dazustehen. Mehr als 90 Prozent der Leistungen aller Krankenkassen sind gesetzlich vorgeschrieben. Unterschiede gibt es nur in dem, was die Kassen darüber hinaus bieten.

Abstriche bei diesen Extras müssen Versicherte mehrerer fusionierter Kassen machen, nicht nur die ehemaligen Kunden der GEK: Wollen sich etwa Mitglieder der früheren Hamburg Münchener Krankenkasse (HMK) für eine Reise gegen Hepatitis impfen lassen, erstattet ihre neue Kasse, die DAK, ihnen die Ausgaben nur zur Hälfte. Ihre alte Kasse hätte dafür komplett gezahlt.

Erschwerend kommt für die Versicherten der HMK hinzu, dass sie für ihren Gesamtschutz künftig mehr zahlen als womöglich ohne Fusion. Denn die DAK zählt zu den ersten gesetzlichen Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag erheben (siehe Zusatzbeitrag für Krankenkassen).

Zur Sicherheit direkt nachfragen

Versicherte, die an besonderen Programmen ihrer Krankenkasse teilgenommen haben, sollten sich nach einer Fusion erkundigen, ob sich etwas für sie ändert. Sie haben sich zum Beispiel auf einen Hausarzt festgelegt oder spezielle Angebote für chronisch Kranke genutzt und dafür bisher von der Kasse eine Prämie erhalten.

Es kann gut sein, dass alles beim Alten bleibt. Ehemalige GEK-Versicherte, die sich für eine „hausarztzentrierte Versorgung“ ihrer alten Kasse entschieden haben, sollen zum Beispiel nach Angaben der Barmer GEK weiter daran teilnehmen können.

Sind die Versicherten mit der fusionierten Kasse nicht zufrieden, können sie zum Monatsende mit einer zweimonatigen Frist kündigen, wenn sie mindestens 18 Monate Mitglied ihrer Krankenkasse waren. Nur Kunden, die sich zum Beispiel durch einen Wahltarif mit Selbstbehalt für drei Jahre an ihre Kasse gebunden haben, sitzen fest.

Womöglich macht die fusionierte Kasse den Versicherten mit Wahltarif ein neues Angebot. Die Entscheidung sollten sich die Teilnehmer aber gut überlegen, wenn damit die dreijährige Bindung neu beginnt.

Kathrin Schwegler und Stefan Holst könnten gleich bei der Barmer GEK kündigen, weil sie keinen der Sondertarife abgeschlossen haben: „Wir warten aber erst mal ab, wie es uns jetzt gefällt.“

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