Fusion von Barmer und GEK Meldung

Zum 1. Januar schlossen sich die gesetzlichen Krankenkassen Barmer und GEK zum neuen Kassenriesen Barmer GEK zusammen. Das bringt für Versicherte Änderungen mit sich. test.de hat sich die neue Satzung angesehen und nennt Beispiele, welche Leistungen sich verbessert haben und wo Mitglieder mit Streichungen rechnen müssen.

Versprechen: Leistungen sollen erhalten bleiben

Im September 2009 kündigten die gesetzlichen Krankenkassen Barmer und GEK ihren Zusammenschluss an. Die neu entstandene Kasse Barmer GEK ist mit rund 8,5 Millionen Versicherten derzeit die größte unter den gesetzlichen Krankenkassen. Der GEK-Sprecher Kai Behrens betonte im September gegenüber test.de, dass das Service- und Leistungsniveau seiner Kasse auch nach der Fusion garantiert bleibt (siehe Meldung: Neuer Kassenriese). Beide Kassen erwarteten sogar eine Verbesserung ihres Leistungsangebots. Auch die Erhebung von Zusatzbeiträgen schlossen Barmer und GEK bis zum Anfang 2010 aus. test.de hat sich nun die neue Satzung der Barmer GEK angesehen und anhand von Beispielen überprüft, ob die Kassen das Versprechen eingehalten haben. Wichtig: Mehr als 95 Prozent der angebotenen Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben und daher bei allen Kassen gleich. Sie ändern sich auch durch eine Fusion von Krankenkassen nicht. Unterschiede gibt es dagegen bei Serviceangeboten und Leistungen, die über das gesetzlich vorgeschrieben Maß hinausgehen. Zu diesen gehören auch die folgenden Beispiele.

Beispiele für neues Leistungsangebot der Barmer GEK

Hausarztzentrierte Versorgung. Hier binden sich Versicherte für mindestens ein Jahr an einen Hausarzt und verzichten darauf, Fachärzte ohne Überweisung aufzusuchen. Sie zahlen dafür häufig weniger Praxisgebühr oder bekommen eine Prämie. Vielfach bieten teilnehmende Ärzte auch Abendsprechstunden und verkürzte Wartezeiten an. Zuletzt gab es für Mitglieder der Barmer kein derartiges Angebot. Für Versicherte der GEK dagegen schon. Die neue Barmer GEK biete derzeit keine hausarztzentrierte Versogung an. Nach Angaben von Pressesprecher Thorsten Jakob können aber Versicherte der GEK, die sich bis Ende 2009 in ein solches Programm eingeschrieben haben, weiterhin daran teilnehmen. Neue Verträge gebe es aber vorerst nicht.
Fazit: Verschlechterung für GEK-Versicherte, die bislang noch keinen derartigen Vertrag abgeschlossen haben, ihn aber wünschen.

Haushaltshilfe. Gesetzlich vorgeschrieben: Versicherte mit Kindern unter 12 Jahren haben Anspruch auf eine von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe, wenn die Person, die den Haushalt normalerweise führt, im Krankenhaus oder zur Kur ist oder wenn es ihr zu Hause so schlecht geht, dass sie häusliche Krankenpflege benötigt. Die GEK bezahlte ihren Versicherten bislang die Haushaltshilfe über das gesetzlich vorgeschriebene Maß bis zum 14. Geburtstag des Kindes, allerdings begrenzt auf 182 Tage je Krankheitsfall. Mitglieder der Barmer bekamen die Haushaltshilfe dagegen nur im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen bis zum 12. Geburtstag des Kindes für die Dauer von einem Jahr je Krankheitsfall. Hier gibt es nach der Fusion für Barmer- und GEK-Versicherte eine Verbesserung: Die bisherige Regelung der GEK wurde übernommen und auf insgesamt ein Jahr je Krankheitsfall ausgeweitet.
Fazit: Verbesserung für Barmer- und GEK-Versicherte

Häusliche Krankenpflege. Versicherte aller Kassen erhalten häusliche Krankenpflege, wenn dadurch eine Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird. Bestandteil der Pflege kann die Behandlungspflege (z. B. Wundversorgung), die Grundpflege (z. B. Hilfe beim Essen) sowie eine hauswirtschaftliche Versorgung sein. Behandlungspflege bezahlen alle Kassen, auch wenn der Arzt dies verordnet, ohne dass eine Krankenhausbehandlung geboten wäre. Als Mehrleistung übernehmen einige Kassen in diesem Fall zusätzlich die Kosten für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung. So auch die GEK. Die Dauer war allerdings auf 182 Tage je Krankheitsfall begrenzt. Die Barmer bot dies ihren Versicherten nicht. Die neu entstandene Barmer GEK bietet die Mehrleistung an - beschränkt die Leistung aber auf 28 Tage je Krankheitsfall.
Fazit: Verbesserung für Barmer-Versicherte, eher Verschlechterung für GEK-Mitglieder

Hautcheck. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahre haben alle zwei Jahre Anspruch auf einen speziellen Hautcheck, den die Kasse bezahlt. Barmer-Mitglieder erhielten keine Zusatzleistungen. Anders Versicherte der GEK: Sie konnten ein erweitertes Hautkrebsscreening einmal jährlich in Anspruch nehmen - selbst wenn sie noch keine 35 Jahre alt waren. Ausgenommen davon waren nur GEK-Versicherte in Hessen. Die Barmer GEK bietet das Hautkrebsscreening nun alle zwei Jahre an - teilweise ohne Altersbeschränkungen. Nach Angaben von Jakob laufen in Hessen Verhandlungen, um die Leistung künftig auch dort anzubieten. Für die Untersuchung soll nach Angaben der Barmer GEK immer das Auflichtmikroskop vom Hautarzt verwendet werden. Dieses Hilfsmittel bezahlen die Krankenkassen normalerweise nicht.
Fazit: Verbesserung für Barmer-Versicherte, Verschlechterung für GEK-Mitglieder.

Reiseimpfungen. Viele Krankenkassen übernehmen Schutzimpfungen für Auslandsreisen. Versicherte müssen für diese dann nichts extra zahlen. Die GEK übernahm die Impfung etwa für Cholera, Frühsommer­meningo­enzephalitis (FSME), Gelbfieber, Hepatits A und B, Tetanus, Tollwut, Typhus und Meningokokken. Die Barmer zahlte ihren Versicherten nichts dazu. Mit der Fusion zur Barmer GEK fällt die Zusatzleistung nun für ehemalige GEK-Versicherte weg, denn die neue Kasse übernimmt Reiseimpfungen nicht.
Fazit: Verschlechterung für GEK-Versicherte.

Alternative Behandlung beim Arzt: Versicherte können bei einigen Kassen zum Beispiel die aufwendige Erfassung und Aufarbeitung des Krankheitsbildes (Anamnesegespräche) bei bestimmten homöopathischen Vertragsärzten auch mit ihrer Krankenversichertenkarte in Anspruch nehmen, oder sie bekommen die Kosten später erstattet. Die GEK bot dies in den meisten Bundesländern für homöopathische Behandlungen an, die Barmer gar nicht. Pressesprecher Thorsten Jakob sagte gegenüber test.de, dass die Homöopathieverträge der GEK für die neue Barmer GEK übernommen werden sollen. Das gelte für folgende Leistungen: Homöopathische Erst- und Folgeanamnese und die so genannte Repertorisation (Auswahl geeigneter Arzneimittel) über Versichertenkarte.
Fazit: Verbesserung für Barmer-Versicherte.

Bei Kasse nachfragen

Die Beispiele zeigen: Für Versicherte der GEK sind einige Leistungen gleich geblieben, andere wurden gekürzt oder verändert. Mitglieder der Barmer profitieren dagegen meist von der Fusion durch erweiterte Leistungen im Vergleich zum alten Angebot ihrer bisherigen Krankenkasse. Allerdings: Wegen der Fülle von Zusatzleistungen hat sich test.de nur einige wichtige Beispiele angesehen. Wer genau wissen will, ob bestimmte Leistungen oder Serviceangebote auch nach der Fusion bestehen bleiben, sollte bei der Barmer GEK gezielt nachfragen. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass die von Ihnen gewünschten Angebote auch weiterhin bestehen. Sind sie nicht mehr zufrieden mit ihrer Kasse, können Sie wechseln. Allerdings haben Sie aufgrund der Fusion kein Sonderkündigungsrecht. Es gelten die normalen Bedingungen für einen Kassenwechsel: Waren Sie mindestens 18 Monate Mitglied in ihrer Kasse, können Sie ohne weiteres in eine andere Kasse wechseln. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende.
Tipp: Auf den Internetseiten vom Barmer und GEK finden sich zum Teil noch unterschiedliche Aussagen zu bestimmten angebotenen Zusatzleistungen - zum Beispiel die homöopathische Behandlung. Die Verwirrung für Versicherte wird sich erst ändern, wenn es einen einheitlichen Internetauftritt der neuen Kasse gibt. Wann das der Fall sein wird, kann Pressesprecher Thorsten Jakob derzeit noch nicht abschätzen. Daher gilt: Rufen Sie besser gleich bei Ihrer Kasse an und fragen nach.

Geeignete Kasse finden

Bei der Auswahl einer geeigneten Krankenkasse hilft Ihnen der Produktfinder gesetzliche Krankenkassen. Er liefert derzeit für derzeit 95 gesetzliche Krankenkassen umfangreiche Informationen zum Leistungs- und Serviceangebot, nennt Adressen sowie Telefonnummern der Kassen für die Beratung der Mitglieder. Erheben Kassen Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern oder haben Kassen fusioniert, sind diese Informationen ebenfalls im Produktfinder aufgeführt. Wichtig: Detaillierte Angaben zum geänderten Leistungsumfang und den Serviceangeboten der fusionierten Barmer GEK und zu anderen Kassen, die sich seit dem Jahreswechsel zusammengeschlossen haben, liefert der Produktfinder Ende Januar/Anfang Februar. Eine frühere Aktualisierung ist aufgrund der umfangreichen Datenmenge nicht möglich. test.de informiert an dieser Stelle, sobald die Änderungen im Produktfinder enthalten sind.
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Hinweis: Ein ausführlichen Bericht zu Fusion weiterer Kassen erscheint in Finanztest 03/2010.

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