Imprägnierung: „PFC gelangen in Nahrungs­kette“

Dr. Lena Vierke arbeitet zu per- und poly­fluorierten Chemikalien am Umwelt­bundes­amt.

Fast alle Anbieter im Test verwenden per- und poly­fluorierte Chemikalien (PFC), um die Jacken wasser- und schmutz­abweisend zu machen. Auf die schädliche Imprägnierung sollte die Branche verzichten, fordert Dr. Lena Vierke vom Umwelt­bundes­amt.

Wie gelangt die Fluorchemie vom Textil in die Umwelt?

PFC können aus der Jacke ausgasen oder beim Waschen ins Wasser übergehen. Wir nehmen sie aus der Umwelt auf.

Warum sind PFC gefähr­lich?

Sie kommen in der Natur nicht vor und bauen sich nur schwer oder gar nicht ab. Die Jacke wird irgend­wann aussortiert, die PFC bleiben und reichern sich in der Nahrungs­kette an, sogar in Muttermilch kann man sie nach­weisen. Lang­kettige PFC wie die Perfluoroctansäure gelten als besonders kritisch. Sie stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Viele Anbieter steigen deshalb von lang- auf kurz­kettige Verbindungen um. Ein positiver Schritt?

Für uns ist das nur eine Über­gangs­lösung. Auch die kurz­kettigen Stoffe werden in der Umwelt kaum abge­baut. Sie sind zudem mobiler und können etwa in unser Trink­wasser gelangen. Ein Unterschied zu den lang­kettigen PFC ist, dass über ihre Toxizität weniger bekannt ist. Wir sehen nur die Lösung, ganz auf PFC zu verzichten.

Was raten Sie Verbrauchern, die eine Outdoorjacke suchen?

Wägen Sie ab, wozu Sie die Jacke brauchen. Für den Stadt­spaziergang benötige ich nicht so leistungs­starke Kleidung wie für eine Arktis­expedition. Da reicht eine fluorfreie Jacke.

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