Funk­tions­jacken im Test Test

Schöne Werbe­welt. In unbe­rührter Natur wandern, egal bei welchem Wetter – so vermarkten Anbieter ihre Outdoorja­cken. Am besten schützen die Modelle von Schöffel (im Bild), Haglöfs und Jack Wolfs­kin.

Sie sollen atmungs­aktiv sein und vor Wind und Wetter schützen. Viele Modelle lassen den Wanderer jedoch im Regen stehen – vor allem nach mehreren Wäschen.

Fröhlich wandern junge Frauen und Männer in bunten Jacken durch felsigen Wald. Es regnet. Kein Problem, ihre Kleidung ist „garan­tiert wasser­dicht“ – heißt es im Werbe­video von Columbia. In unserer Regen­prüfung lässt die Jacke schon nach wenigen Minuten Wasser durch. „Ob auf Reisen, am Berg oder in der Stadt – die Furnas Jacket hält dich über­all trocken“, schreibt Vaude auf seiner Webseite. Auch diese Jacke versagt in unserem Regenturm.

Haglöfs und Schöffel als Einzige gut

Unsere Regen­prüfung ist hart, aber nicht unüber­wind­bar. Das belegen die Jacken von Haglöfs, Schöffel und Jack Wolfs­kin. Sie würden selbst schottischem Dauer­regen trotzen, auch noch nach mehr­maligem Waschen.

Über alle Prüf­punkte hinweg schneiden von 14 Jacken im Test nur 2 gut ab: Haglöfs und Schöffel. Sie sind lange regendicht und sehr atmungs­aktiv. Die 250 Euro teure Maier Sports floppt ganz: Sie lässt Regen herein, Schweiß aber nicht hinaus. Einige Jacken enthalten zudem Schad­stoffe, die Umwelt und Gesundheit gefährden können (Imprägnierung und Umwelt).

Alle Jacken im Test sind als Damen- und Herrenmodell erhältlich. Den Test führten wir mit dem für Frauen durch. Die Pendants für Männer sind teil­weise anders geschnitten – das test-Qualitäts­urteil gilt deshalb nur fürs Damen­modell. Prüf­punkte wie Atmungs­aktivität, Halt­barkeit und Schad­stoffe lassen sich aber über­tragen.

Härtetest im Regenturm

Funk­tions­jacken im Test Test

Im Regenturm. Bei Columbia ist das Unterhemd nach einer Stunde nass (rechts). Die Siegerjacke von Haglöfs (Mitte) hält selbst nach mehreren Wäschen fast dicht.

Die Tester nutzen einen gläsernen Regenturm, in dem in einer Stunde 450 Liter Wasser pro Quadrat­meter prasseln. Darin steht eine lebens­große Puppe. Sie trägt ein lang­ärmeliges Baumwoll­shirt, Regenhose und eine der Funk­tions­jacken. Ob diese Wasser durch­lässt, verraten Feuchtesensoren an der Puppe sowie nasse Flecken am Shirt. Den Belastungs­test muss üblicher­weise regendichte Berufs­bekleidung über sich ergehen lassen. Die sehr hohe Wasser­menge offen­bart Schwach­stellen in kurzer Zeit.

Selbst neu nicht regendicht

Die Sensoren melden bei der Columbia bereits nach fünf Minuten ein Leck, nach einer Stunde ist das Hemd vorn durch­nässt. Größere Flecken bilden sich auch bei Vaude, Inter­sport und Maier Sports.

Nach der ersten Regen­runde waschen die Tester jede Jacke fünf­mal. Die Imprägnierung versuchen sie durch die Wärme im Wäschetrockner oder durch Bügeln zu reaktivieren – wie vom Anbieter empfohlen. Viel nützt das nicht. Die zweite Regen­runde endet im Debakel: 11 der 14 Modelle scheitern. Bei Inter­sport, Mammut, Salewa und Sport­scheck sind mehr als zwei Drittel des Shirts klatsch­nass.

In unseren früheren Tests sah die Bilanz trotz gleicher Prüfbedingungen deutlich besser aus: Nach fünf Wäschen fielen 2004 nur rund 20 Prozent der Modelle durch, 2012 waren es knapp 60 Prozent. Dieses Mal versagen fast 80 Prozent der Jacken.

Verarbeitung wichtiger als Wasser­säule

Funk­tions­jacken im Test Test

Schwach­stelle Naht. Ist sie nicht durch­gängig mit Tape abge­klebt, dringt Wasser durch – wie hier bei der North­land.

Als Beleg dafür, dass ihre Jacke regendicht ist, führen viele Anbieter die Wasser­säule an. Mit „mindestens 10 000 Milli­meter“ wirbt etwa Vaude. Der Wert gibt aber lediglich an, ab welchem Wasser­druck erste Tropfen durch den Stoff dringen. In der Praxis hilft das wenig. Entscheidend ist neben der Membran oder Beschichtung vor allem, wie gut die Jacke konfektioniert und verarbeitet ist: Oft dringt Regen durch nicht ausreichend abge­deckte Reiß­verschlüsse und durch schlecht oder gar nicht abge­klebte Nähte. Nach fünf Wäschen hatten sich bei vielen Prüf­lingen, darunter das Vaude-Modell, zudem Klebe­stellen gelöst.

PFC: Praktisch, aber schädlich

Wenn eine Jacke schlecht verarbeitet ist, hilft auf Dauer die beste Imprägnierung nicht. Sie kann jedoch kleine Schwach­stellen der Jacke ausgleichen. Abge­sehen von Maier Sports und Inter­sport nutzen alle Anbieter für die Jacken im Test per- und poly­fluorierte Chemikalien (PFC). Dank ihnen perlt Wasser vom Oberstoff ab. Studien zeigen, dass sich PFC in der Umwelt und in Organismen anreichern, einige sind gesund­heits­schädlich (Imprägnierung und Umwelt).

Die Chemikalien passen nicht zum grünen Image der Outdoormarken. Viele Anbieter denken zunehmend um und verzichten auf lang­kettige PFC. Kurz­kettige Verbindungen gelten bislang als weniger gesund­heits­gefähr­dend, aber auch sie sind in der Natur schwer abbaubar. In puncto Schad­stoffe bewerteten wir Jacken mit kurz­kettigen PFC noch als befriedigend.

Die Modelle von Marmot, Salewa, Vaude und North­land schneiden nur ausreichend ab. Bei ihnen haben wir geringe Mengen lang­kettiger PFC gefunden. Bei North­land etwa Perfluoroctansäure (PFOA). Sie steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und die Fort­pflan­zung zu gefährden. Einen Grenz­wert gibt es für lang­kettige PFC aktuell nur in Norwegen, die Europäische Union will Ende des Jahres nach­ziehen.

Selten, aber regel­mäßig waschen

Die Imprägnierung der Jacken leidet durch Nässe, besonders beim Waschen. Ohne die dünne Schutz­schicht perlen die Regen­tropfen nicht mehr ab, der Stoff saugt sich voll. Die Jacke fühlt sich schwer und klamm an, Schweiß kann nicht mehr optimal nach draußen gelangen. Um die Barriere zu erhalten, sollte die Funk­tions­jacke selten in die Wäsche. Nach der Wandersaison, etwa einmal im Jahr, gehört sie dennoch in die Wasch­maschine. Sonst drohen Schweiß und Schmutz die Membran beziehungs­weise die Beschichtung zu verstopfen.

Nach dem Waschen lässt sich die Schutz­schicht mit Imprägnier­mittel erneuern. Die meisten setzen ebenfalls auf schädliche PFC. Unser Test vom September 2015 zeigt aber, dass es auch ohne geht. Das Spray Toko Eco Textile Proof ist PFC-frei und lässt Wasser gut abperlen.

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