Regendicht und atmungs­aktiv sollen sie sein, von innen und außen trocken halten. Bei 15 von 17 Jacken funk­tioniert das nicht gut.

„Sie stellen hohe Anforderungen an Materialien – Sie werden sich wohl­fühlen“, preist die Firma Killtec ihre Funk­tions­jacken an. Zumindest eines ihrer Modelle, die Canik Line Checker, hält dieses Versprechen nicht. Unser Test zeigt: Die Jacke hält dicht, aber auf die falsche Art. Schweiß kommt aus der Outdoorjacke kaum heraus, dafür dringt Wasser ein. Selbst neu ist sie nicht regendicht, oben­drein nur minimal atmungs­aktiv. Der Schweiß kann nicht nach außen verdampfen und kondensiert an der Innenseite der Jacke. Wer darin schwitzt, hat ein Problem, kein Wohl­gefühl. Diese Jacke ist mangelhaft.

Von 85 bis 300 Euro

Funk­tions­jacken Test

Kaum besser fühlt sich der Mensch in vielen anderen Funk­tions­jacken. Entweder hapert es an der Regendicht­heit oder sie sind zu wenig atmungs­aktiv. Insgesamt gut schneiden nur zwei ab: Jack Wolfs­kin High­land Men und Berg­haus Carrock Jacket. 17 Allroundja­cken haben wir geprüft: Modelle für den Alltag in der Stadt oder für Rad- und Wandertouren im Herbst und Frühling. Sie kosten zwischen 85 und 300 Euro – das Preissegment der am meisten gekauften Jacken.

Das Test­ergebnis sorgt für Über­raschungen: Fünf Funk­tions­jacken sind mangelhaft atmungs­aktiv. Sechs Modelle lassen im Regentest bereits neu zu viel Wasser durch, ganz zu schweigen nach fünf­maligem Waschen. Nur die High­land Men von Jack Wolfs­kin hält im Test auch danach sehr gut dicht. Fazit: Gegen starken Regen schützen viele Funk­tions­jacken auf Dauer nicht.

Härtetest im Regenturm

Funk­tions­jacken Test

Im Regenturm: In einer Stunde prasseln 450 Liter Wasser pro Quadrat­meter auf die Jacke herab.

Dabei sollen sie auch bei einem Wolkenbruch dicht­halten. Die Tester simulieren ihn im Regenturm. Eine Stunde lang prasseln dort 450 Liter Wasser pro Quadrat­meter nieder. Eine harte Prüfung, die sonst nur regendichte Berufs­bekleidung über sich ergehen lassen muss. Mitten im Regen steht eine manns­große Kunst­stoff­puppe, nennen wir sie John. John trägt ein lang­ärmliges Unterhemd aus Baumwolle, eine Regenhose und natürlich eine Funk­tions­jacke. Feuchtesensoren auf seinem Körper und Wasser­flecken auf seinem Unterhemd zeigen, ob Wasser durch die Jacke dringt.

Auch Adidas-Jacke lässt Regen durch

Sechs Modelle lassen schon im Neuzustand so viel Wasser hindurch, dass sich größere Flecken auf Johns Baumwoll­unterhemd bilden. Neben der Funk­tions­jacke von Killtec gehören auch die Jacken von Adidas, Inter­sport, Regatta, Salewa und Sport­Scheck dazu.

Brust und Bauch groß­flächig nass

Funk­tions­jacken Test

Nässe-Check: Nach einer Stunde Wolkenbruch zeigt sich am Unterhemd, ob Wasser durch die Jacke gedrungen ist.

Schlecht verklebte Nähte, Löcher in Membran oder Beschichtung, unzu­reichend abge­deckte Taschen und Reiß­verschlüsse offen­baren sich vor allem, wenn die Imprägnierung ausgewaschen ist. Das Wasser perlt nicht mehr ab und dringt durch den Oberstoff. Wir haben die Jacken mehr­mals gewaschen, getrocknet und John damit erneut in den Regenturm gestellt.

Ohne Imprägnierung und durchs Waschen strapaziert lassen die meisten Modelle die Kunst­stoff­puppe im Regen stehen. Brust und Bauch sind oft groß­flächig nass. Zum Teil saugt sich das Wasser von den Ärmelbünd­chen hoch oder läuft von der Kragen- oder Schulter­naht den Rücken hinunter. Nur die High­land Men von Jack Wolfs­kin hält auch nach dem Waschen wegen ihrer Verarbeitung und Beschichtung sehr gut dicht. Eine Beschichtung befindet sich im Gegen­satz zur Imprägnierung auf der Innenseite des Ober­stoffs. Sie soll wie auch eine Membran dafür sorgen, dass der Träger der Jacke auf Dauer trocken bleibt.

Hohe Wasser­säule reicht nicht

Atmungs­aktiv und wasser­dicht – mit diesen Qualitäten werben die Anbieter. Oft preisen sie ihre Jacken mit Aussagen wie „Wasser­säule größer als 5 000 Milli­meter“ an. Die Zahl zeigt, ab welchem Wasser­druck die ersten Tropfen durch die Stoff­fläche dringen. Je höher die Säule, desto dichter der Stoff. Ein hoher Wert soll vermitteln, dass der Jacken­stoff und damit die Jacke wasser­dicht sind. In der Praxis hilft die Zahl wenig weiter. Nicht nur das Material entscheidet über die Qualität einer Jacke, sondern auch wie gut sie geschnitten, verarbeitet und der Oberstoff imprägniert ist. Ein Beispiel liefert die Firma Regatta. Ihre Feego-Jacke lässt im Regentest schon vor dem ersten Waschen groß­flächig Wasser durch – trotz einer angegebenen Wasser­säule von 5 000 Milli­meter.

Der Schweiß muss raus

Wer jemals im dichten Friesennerz geschwitzt hat, weiß nicht nur Regen­schutz, sondern auch Atmungs­aktivität zu schätzen. Eine Funk­tions­jacke atmet natürlich nicht. Sie besitzt eine Membran oder eine Beschichtung, die Schweiß in Form von Wasser­dampf nach außen leitet. Wie gut sie das schafft, zeigt der sogenannte Wasser­dampf­durch­gangs­widerstand (Ret). Je nied­riger er ist, desto besser. Bei den gut atmungs­aktiven Jacken von Berg­haus, Haglöfs, Jack Wolfs­kin und Marmot liegt der Ret unter 10. Die mangelhafte Killtec dagegen hat einen Wasser­dampf­durch­gangs­widerstand von mehr als 240. Das bedeutet: Sie ist nahezu wasser­dampf­dicht.

Der Schweiß muss raus. Funk­tions­wäsche aus Kunst­fasern hilft. Sie verhindert zwar nicht, dass man schwitzt. Ihre Fasern leiten Wasser­dampf aber direkt zur Jacke und halten den Körper trocken.

Eine gute Imprägnierung unterstützt die Atmungs­aktivität zusätzlich. Sie lässt Regen abperlen und der Oberstoff bleibt trocken. Fehlt die Imprägnierung, saugt sich die Jacke voll. Die Folge: Der nasse Stoff kann Wasser­dampf nicht mehr richtig nach außen leiten. Der Mensch wird im schlimmsten Fall doppelt nass: durch Regen und Schweiß. Eine gute Imprägnierung kann das verhindern (siehe „Waschen und imprägnieren“).

Jacken für Frauen

Für 14 der 17 Funk­tions­jacken im Test gibt es ein vergleich­bares Damen­modell. Wir haben nur ihren Trage­komfort geprüft. Sie unterscheiden sich zum Teil in Sitz, Schnitt und Komfort von ihrem männ­lichen Pendant. Deshalb gilt das test-Qualitäts­urteil nur für die Herrenmodelle. Viele Prüf­punkte lassen sich aber auf die Damen über­tragen: etwa die Atmungs­aktivität und die Halt­barkeit der Jacke.

Alles fair produziert?

Nicht nur die Jacken haben wir geprüft, sondern auch die Arbeits­bedingungen und den Umwelt­schutz in den Fabriken (Corporate Social Responsibility – CSR). Produzieren die Firmen die Jacken fair und ökologisch? Engagieren sie sich für Mitarbeiter und Umwelt? Viel Grund zum Wohl­fühlen bietet Killtec auch in puncto CSR nicht.
...hier finden Sie Details zum CSR-Test.

Dieser Artikel ist hilfreich. 289 Nutzer finden das hilfreich.