Bis zu 500 Euro kosten die Jacken im Test. Eine Garantie für Qualität ist der Preis nicht. 7 von 14 lassen Sie im Regen stehen.

Auch im schlimmsten Wolkenbruch verzieht James keine Miene. Tropfen für Tropfen läuft das Wasser an der Naht der Brusttasche entlang und rinnt unter die Abdecklasche. Nass ist es in unserem Regenturm, sehr nass. In einer Stunde fallen hier 450 Liter je Quadratmeter – ein Härtetest für eine Funktionsjacke, wie ihn sonst nur regendichte Berufskleidung bestehen muss. Auf seinem Plastikkörper trägt James ein Baumwollhemd, darüber die Patagonia Mens Cloud Sky Jacket mit passender Innenjacke, die teuerste Jacke im Test (480 Euro). Aufwendig verarbeitet – doch nach mehrmaligem Waschen ist die Imprägnierung weg, hilft auch die Gore-Tex-Membran nicht mehr. Nach einer Stunde im Regenturm zeigen sich auf dem Hemd große, nasse Flecken im Bereich der Brustta­schen. Durchgefallen.

Bei Funktionsja­cken zählt eben jedes Detail. So bedeuten weniger Taschen auch weniger Nähte und damit auch weniger Risikostellen. Die Außenjacken der beiden besten im Test, Berghaus Arctic Gemini für 290 Euro und North Face Men’s Varius Acclimate Jacket für 250 Euro, haben gerade einmal drei Taschen. Weil schon kleine Änderungen im Schnitt bedeutsam sein können, beziehen sich unsere Qualitätsurteile nur auf das Herrenmodell. Bei 12 von 14 Jacken im Test gibt es auch ein Damenmodell. Wir haben den Tragekomfort geprüft und mit der Herrenjacke verglichen, fanden in diesem Punkt aber keine wesentlichen Unterschiede. Übrigens: Bei allen Jacken kann man die Innen- und Außenjacke auch getrennt tragen.

Es muss nicht immer Gore sein

Mit einer guten Funktionsjacke kann man ohne zu schwitzen strömendem Regen trotzen. Das ermöglicht eine Membran oder Beschichtung unter dem Oberstoff. Sie lässt den Wasserdampf des Schwitzenden durch, hält aber die Regentropfen ab. Gore-Tex, eine hauchdünne Membran mit Mikroporen, hat dieses Prinzip bekannt gemacht. Doch mittlerweile sind auch ganz anders funktionierende Membranen und Beschichtungen auf dem Markt (siehe „Wasserdicht und atmungsaktiv“). Und das Testergebnis zeigt: Es muss nicht immer eine Gore-Tex-Membran sein – auch andere Systeme wie die Hyvent-Beschichtung von North Face erfüllen den Zweck.

Die richtige Jacke wählen

Auch die beste Membran schützt nicht in jeder Lebenslage vorm Schwitzen: Wenn der Körper mehr Wärme produziert, als er nach außen ableiten kann, läuft früher oder später der Schweiß herab – ist die Jacke atmungsaktiv, eher später. Geht dagegen mehr Wärme nach außen verloren, als der Körper neu erzeugt, beginnt das große Bibbern. Wie warm eine Jacke sein muss, hängt deshalb von vielen Faktoren ab: Neben dem subjektiven Wärmeempfinden spielt vor allem eine Rolle, wie kalt es draußen ist und wie stark man sich bewegt. Bei gleichen Frosttemperaturen frieren gemütliche Spaziergänger also früher als Holzhacker.

Eine echte Allroundjacke für alle Zwecke kann es deshalb nicht geben. Vor dem Kauf muss man sich entscheiden: Soll die Jacke eher für den Winter tauglich sein, dann sollte die Wärmeisolation „sehr hoch“ sein (siehe Tabelle „Funktionsjacken“). Für die Übergangszeit genügt „hoch“ wärmeisolierend, wenn man schnell friert, „mittel“ für alle, die sich auch mal anstrengen wollen. Wie warm eine Jacke ist, hängt meist von der Dicke der Innenjacke ab, denn zum größten Teil isolieren weder Fasern noch Füllung, sondern die Luft. „Eine hoch isolierende Jacke ist die Kunst, viel Luft einzuschließen“, sagt unser Experte. Das Material der Innenjacke ist deshalb weniger entscheidend. Allerdings sind Innenjacken aus Fleece bei vielfachem Waschen meist robuster als wattierte Jacken. Wer eine warme Jacke will, muss aber damit leben, dass eine dickere Isolationsschicht in der Regel weniger atmungsaktiv ist. Das zeigt sich bei der Lowe Alpine Three Dimension Jacket (300 Euro), der wärmsten Jacke im Test. Sie bringt es bei der Atmungsaktivität der Innenjacke nur auf „ausreichend“.

Vorsicht, Kapuze!

Die meisten Jacken werden nicht in den Bergen, sondern in der Stadt getragen. Ein gutes Sichtfeld spielt da eine besonders große Rolle, zum Beispiel beim Radfahren – auch bei strömendem Regen. Eine gute Kapuze lässt sich deshalb nicht nur vorn zuziehen, sondern auch mit einem zusätzlichen Gummizug oder Klettverschluss nach hinten verstellen. Dadurch passt sie sich dem Kopf an, die Sicht wird besser. Schlecht, wenn diese Möglichkeit fehlt (wie bei der Lafuma Comber Twin) oder die Kapuze so schlecht sitzt, dass auch das Verstellen nichts mehr bringt. Wichtig auch: Lässt sich die Kapuze gut im Kragen verstauen? Auch die Gummizüge bedürfen eines kritischen Blicks. Reißen die schnell ab, wie in unserem Test bei der Lowe Alpine geschehen, währt die Freude nicht lange. Bei dieser Jacke ebenfalls negativ aufgefallen: Die Abklebung der Nähte gegen eindringendes Wasser war zum Teil nicht auf, sondern neben der Naht angebracht – da hätte man gleich darauf verzichten können.

Beständigkeit

„Mangelhaft“ war auch die Beständigkeit des Oberstoffs der Vaude und der Maier Sports Jacke. Schon nach wenigen Tausend Scheuertouren mit Cordura, einem oft bei Rucksäcken eingesetzten Material, war das Gewebe deutlich angegriffen – nichts für Wanderer also.

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