Fundbüros Test

72 Geldbörsen gaben wir in Fundbüros ab. 2 waren später nicht mehr auffindbar – beide bei der Bahn. Insgesamt hat sich der Service verbessert, „sehr gut“ sind aber nur zwei.

Hamburg, Hauptbahnhof. In der Wandelhalle vor der Zuganzeigetafel sieht eine Reisende eine Geldbörse, die offenbar jemand verloren hat. Sie nimmt sie auf und fragt am Serviceschalter, wo Fundsachen abgegeben werden können. Man schickt sie zur Fundstelle in der Gepäckaufbewahrung. Dort erklärt ihr ein Mitarbeiter, dass die Bahn-Fundstelle für die Wandelhalle nicht zuständig sei, dafür gebe es die Security. Da niemand von den Sicherheitskräften zu sehen ist, wendet sich die Finderin erneut an den Serviceschalter. Der Mitarbeiter telefoniert die Wandelhallen-Security herbei. Nach fünf Minuten erscheint ein Sicherheitsmann und teilt der langsam um Fassung ringenden Finderin mit, dass der Fundort in den Zuständigkeitsbereich der Bahn falle. Er nimmt dann aber trotzdem die Geldbörse entgegen und notiert sich den Namen der Finderin, mehr nicht.

Dass ein ehrlicher Finder einem solchen Zuständigkeits-Wirrwarr ausgesetzt wird, ist eine Zumutung. Noch viel schlimmer, aber angesichts der Vorgeschichte kaum verwunderlich: Die Geldbörse ist im Bermudadreieck des Hamburger Hauptbahnhofs spurlos verschwunden. Jedenfalls war das Portmonee, das knapp 90 Euro enthielt, nicht aufzufinden, als der Verlierer, der Eigentümer, später danach fragte.

Dabei wäre es ganz einfach gewesen, den rechtmäßigen Besitzer zu ermitteln. Denn das Portmonee enthielt Visitenkarten und andere Dokumente mit dem Namen und der Adresse des Verlierers.

Viermal „mangelhaft“

Finder und Verlierer waren in diesem Fall Tester der Stiftung Warentest. Es handelt sich hier um einen von 72 Fällen, mit denen wir geprüft haben, ob sich der Service von Fundbüros in sechs deutschen Großstädten verbessert hat. Eine vergleichbare Untersuchung vor vier Jahren (siehe Test Fundbüros 8/2005) zeigte ein verheerendes Ergebnis: Gleich 10 von 63 Geldbörsen waren damals nicht mehr auffindbar. Bei anderen fehlte Geld und mitunter haperte es am Service.

Diesmal ist das Ergebnis deutlich besser, zeigt aber immer noch viele Schwachstellen. So haben immerhin 4 der 24 Fundservicestellen, die jeweils dreimal unter die Lupe genommen wurden, „mangelhaft“ abgeschnitten: dreimal die Bahn auf den Hauptbahnhöfen in Dresden, Frankfurt/Main und Hamburg sowie die Dresdner Verkehrsbe­triebe (DVB) in Zusammenarbeit mit dem zentralen Fundbüro Dresden, an das der Fund weitergeleitet wurde.

Kleinvieh macht auch Mist

Wie im beschriebenen Fall in Hamburg war auch in Frankfurt/Main eine Geldbörse verschwunden und in Dresden fehlte zweimal Geld in den Portmonees. Bei der Bahn war es 1 Euro, bei den DVB/zentrales Fundbüro 2,50 Euro, jeweils von ursprünglich über 70 Euro. Auch wenn das geringe Beträge sind, darf so etwas nicht passieren. Das Geld sollte in den Annahmestellen aus den Börsen genommen, gezählt und protokolliert werden – idealerweise vor den Augen des Finders. Dabei können zwar Fehler passieren, das Geld könnte aber auch entwendet worden sein, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Mitarbeiter in Fundbüros müssen genauso wie Kassiererinnen im Supermarkt absolut zuverlässig sein.

Der Fundservice auf dem Flughafen in Berlin-Tegel ist ebenfalls verbesserungsbe­dürftig. Hier bekam der Verlierer in einem Fall seine Geldbörse erst wieder zurück, als er nach einigen Wochen danach fragte. Kein guter Service. Der Verlierer hätte hier, wie in allen Testfällen, umgehend vom Fundbüro benachrichtigt werden können, denn die „verlorenen“ Geldbörsen enthielten immer mehrere Dokumente mit Namen, Anschrift und Telefonnummer des Verlierers.

Flughafen Frankfurt/Main vorbildlich

Dass der Service schnell und reibungslos funktionieren kann, zeigen die 14 mit „sehr gut“ und „gut“ bewerteten Fundbüros. Vorbildlich arbeitet zum Beispiel das Fundbüro im Flughafen Frankfurt am Main. Hier wurde eine korrekte Fundanzeige erstellt, ein Faltblatt informierte über die Rechte des Finders, die Verlierer wurden schnell informiert, und die zurückgegebenen Fundsachen waren immer vollständig.

Finder muss informiert werden

Auch die Finder benachrichtigte der Flughafen Frankfurt „sehr gut“. Sie bekamen immer einen Brief mit der Anschrift des Verlierers und Informationen zum Finderlohn. In diesem Punkt haben die meisten Fundbüros versagt. Offenbar sind viele nicht darüber informiert, dass der Finder über die Herausgabe des Fundes an den Verlierer informiert werden muss. So kann der Finder seine etwaigen Finderlohnansprüche geltend machen. Viele Fundbüros, darunter einige Polizeidienststellen, scheinen sich wenig um Datenschutz zu kümmern. So teilten die Gesetzeshüter den Eigentümern mitunter die Anschrift des Finders ohne dessen Einwilligung mit, einmal sogar mit dem Bedauern, dass nun leider ein Finderlohn fällig sei. Den bezifferten die Beamten in zwei Fällen auch noch mit 10 bis 15 Prozent – das Zwei- bis Dreifache des gesetzlichen Anspruchs.

In Großstädten gibt es je nach Fundort mehrere Anlaufstellen für Fundsachen: die zentralen Fundbüros der Städte, die Deutsche Bahn, die Nahverkehrsbetriebe (ÖPNV) und die Flughäfen. Wir haben in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg und München alle vier Möglichkeiten jeweils dreimal geprüft. Fundobjekte waren immer präparierte Geldbörsen, die unsere „Finder“ bei der Polizei, in den Hauptbahnhöfen, in ÖPNV-Kundenzentren und -Servicestellen sowie in den Flughäfen abgegeben haben. Die Polizeidienststellen leiten Fundstücke, die nicht gleich an den Eigentümer zurückgegeben werden können, an die kommunalen Fundbüros weiter. So verfahren auch die Verkehrsbetriebe in Dresden, Hamburg und München, die keine eigenen Fundbüros betreiben.

Zentrales Fundbüro bei der Bahn

Die Deutsche Bahn hat 126 Annahmestellen in den Bahnhöfen. Was nicht innerhalb einer Woche dem Eigentümer zugeordnet werden kann, wird an das zentrale Fundbüro in Wuppertal weitergeleitet. Für den Finder ist es nicht uninteressant, wo sich die Fundstelle befindet. Denn das Gesetz unterscheidet zwischen Fundort im öffentli­chen Raum sowie in Behörden und Verkehrsanstalten. Handelt es sich zum Beispiel um Bahngelände, bekommt man nur den halben Finderlohn (siehe „Rechtlicher Hintergrund“).

Geringe Vermittlungsquote

In Deutschland wird viel verloren. Allein bei der Bahn sammeln sich jährlich rund 250 000 Fundstücke an. Die Aussicht, Portmonee, Handy oder Schlüssel wiederzu­be­kommen, ist allerdings nicht sehr groß. Häufig können nur zwischen 20 und 30 Prozent der Fundstücke vermittelt werden. Bei der Deutschen Bahn soll immerhin die Hälfte der gefundenen Gegenstände wieder beim Eigentümer landen.

Die Abholung ist bei der Bahn kostenlos, die Zusendung per Post kostet mindestens 20 Euro. Ansonsten muss bei der Abholung meist eine Gebühr bezahlt werden. Sie schwankt je nach Büro und Wert der Fundsache, im Test waren es oft 5 bis 7 Euro.

Wer etwas verloren hat, kann auch im Internet danach suchen. Einige Kommunen, der Flughafen Hamburg und die Bahn haben Internetsuchen eingerichtet. Am besten sind die Informationen im Internet bei den Zentralen Fundbüros in Berlin, Düsseldorf und Hamburg.

Dass er auch online nach seiner verschwundenen Geldbörse fahnden kann, wurde unserem Verlierer in Hamburg nicht gesagt. Als er nach einigen Wochen den Fundservice der Bahn anrief, teilte man ihm mit, dass sein Portmonee leider nicht abgegeben worden sei. Die Frage, ob er von der Bahn informiert werde, wenn es doch noch auftauche, wurde verneint. Er solle doch „ab und an“ mal wieder anrufen. Pro Minute kostet die Servicenummer 59 Cent aus dem deutschen Festnetz.

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