Interview: „Wir sind gern behilflich“

Manfred Schneider, Leiter des Zentralen Fundbüros Berlin, zum Fundrecht und zu einem Kontrollsystem.

Was war der wertvollste Fund, der bei Ihnen abgegeben wurde?

Es werden immer wieder Taschen abgegeben, die eine Menge Geld enthalten. Weil wir hier aber keine Dauerstatistik führen, ein Beispiel: In einem Kino wurde eine Tasche mit 8 000 Euro gefunden, die wir nach kurzer Recherche an den Eigentümer zurückgeben konnten.

Was kann der ehrliche Finder tun, damit der Verlierer sein Eigentum zurückerhält?

Die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches sehen vor, dass der Finder einer Sache diese an den Eigentümer zurückzugeben hat. Wenn ihm das nicht möglich ist, weil ihm Hinweise auf den Verlierer fehlen, sollte er die Sache der zuständigen Gemeindebehörde übergeben, in Berlin dem nächstgelegenen Bürgeramt.

Sind Fundanzeigen und eine Durchschrift für den Finder vorgeschrieben?

Nach dem BGB ist die Anzeige eines Fundes Pflicht, bei der Behörde aber nur, wenn die Sache dem Verlierer nicht direkt zurückgegeben werden kann oder wenn sie mehr als zehn Euro Wert hat. Bei der Abgabe erhält der Finder einen Ausdruck der Anzeige, um später seine Fundrechte auch durchsetzen zu können. Denn hier handelt es sich um Privatrechtsforderungen vor Gericht und nicht bei den örtlichen Behörden. Wir sind hier im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten gern behilflich. Die Aushändigung einer Fundan­zeige ist aber nicht vorgeschrieben. Es sei denn, eine Gemeinde hat eine solche Vorschrift erlassen, was bei uns hier in Berlin der Fall ist.

Was tut das Fundbüro, damit Verlorenes zum Verlierer zu­rück­kommt?

Ist ein Name ersichtlich, wird die Anschrift des Verlierers ermittelt. Er wird dann zur Abholung aufgefordert. Sind keine Hinweise zu finden, wird die Sache für ein halbes Jahr verwahrt, in der Hoffnung, dass der Verlierer sich meldet. Außerdem werden bei uns inzwischen die Sachen in einem Online-Suchprogramm registriert, sodass ein Verlierer selbst fahnden kann.

Man kann in Menschen nicht hineinschauen: Wie kontrolliert sich Ihr Fundbüro selbst?

Mit der Registrierung eines Fundes wird bei uns vom System eine laufende Nummer vergeben, die sich nicht mehr löschen lässt. Damit sind alle Fundeingänge mit dem Stellenzeichen des annehmenden Sachbearbeiters gespeichert. Außerdem führen wir aus statistischen Gründen ein handschriftliches Registrierbuch. Wenn also ein Finder unter Vorlage seiner Fundanzeige nach dem Verbleib der Sache fragt und die Sache wäre nicht auffindbar, könnte anhand der Daten der Verantwortliche ermittelt werden, und entsprechende Folgemaßnahmen könnten eingeleitet werden.

Wie ehrlich sind die Menschen nach Ihren Erfahrungen?

Da viele Taschen und Geldbörsen tatsächlich bei der Abgabe Geld enthalten, scheint die Ehrlichkeit der Bürger ziemlich hoch zu sein. Nun ist aber die Zahl der Funde, die nicht gemeldet oder abgegeben werden, eine reine Dunkelziffer.

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