Fundbüros Test

Handtasche im Bus vergessen, Jacke im Zug gelassen oder Portemonnaie im Park verloren: Wer wertvolle oder lieb gewordene Dinge verliert, muss auf ehrliche Finder hoffen. Und auf zuverlässige Fundbüros. Die enttäuschten im Test: 10 von 63 Fundstücken blieben amtlich auf der Strecke. Die Stiftung Warentest hat 21 Fundbüros in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München untersucht. Ergebnis: Selbst bei der Polizei sind Fundstücke nicht absolut sicher. Manche verschwinden, in anderen fehlt bei der Abholung zumindest Geld. test.de gibt Tipps für ehrliche Finder und traurige Verlierer.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Fundbüros

Der Fall Tegel

Im Januar 2005 ging der Fall Tegel durch die Presse. Im Fundbüro des Berliner Flughafens verschwanden wiederholt Fundstücke aus den Regalen. Der Staatsanwalt ordnete Videoüberwachung an. Kurze Zeit später wurden drei Mitarbeiterinnen des Fundbüros beim Plündern von fremdem Reisegepäck ertappt. Krass, aber kein Einzelfall. Die Stiftung Warentest hat Fundbüros getestet: 21 Annahmestellen in sechs deutschen Städten. Von der Polizeiwache in Hamburg über den Flughafen München bis zum zentralen Fundbüro in Berlin. Anonyme Tester lieferten dort 63 Portemonnaies und Geldtaschen ab. Als die vermeintlichen Verlierer nachfragten, waren zehn Fundstücke verschwunden. In vier weiteren Portemonnaies fehlte Geld, obwohl die Finder alles abgegeben hatten.

Verluste nicht selten

Tatort eins: Wieder der Flughafen Tegel. Drei Geldtaschen lieferten die Tester hier im Fundbüro ab. Eine war anschließend nicht mehr auffindbar. Verlust: 30,70 Euro. In der zweiten Geldbörse fehlten bei der Abholung im zentralen Fundbüro 3,80 Euro von 29,80 Euro. Obendrein musste der Verlierer eine Verwaltungsgebühr von 2,05 Euro bezahlen. Solche Gebühren sind selten. Verluste kommen häufiger vor. Auf dem Düsseldorfer Flughafen waren gleich zwei von drei Fundsachen „nicht auffindbar“: Eine Bauchtasche mit 31,80 Euro und eine Geldbörse mit 28,80 Euro. Testurteil: mangelhaft. Auch beim zentralen Fundbüro in Frankfurt am Main ging eine Geldbörse mit 30,75 Euro „verloren“. In Hamburg fehlten 2,90 Euro in einer Bauchtasche, die der ehrliche Finder vollständig bei der Polizei abgegeben hatte. Auf dem Münchener Flughafen blieb eine Brieftasche mit 31,60 Euro verschwunden. Eine Quittung oder Fundanzeige für den Finder gab es hier nicht.

73 000 Fundsachen in Berlin

Von den 63 nachweislich abgelieferten Funden blieben insgesamt zehn verschwunden. „Nicht auffindbar“ heißt das im Amtsdeutsch. Merke: Hinter den Fundbüros stehen meist Behörden: Kommunen, Verkehrsbetriebe oder Polizei. Ihr gesetzlicher Auftrag: die sichere Verwahrung von Fundstücken und ihre Aushändigung an den rechtmäßigen Besitzer. Kein leichter Job. Hunderte von Fundsachen gehen in den Fundbüros Tag für Tag ein. Meist ohne Hinweis auf den Besitzer. In Hamburg zählen die Beamten über 50 000 verlorene Gegenstände im Jahr. In Berlin sind es 30 000, allein im zentralen Fundbüro. Dazu kommen 43 000 Fundstücke aus Bussen und Bahnen. Die werden in Berlin direkt bei den Verkehrbetrieben gesammelt. Etwa jede dritte Fundsache kann zurückgegeben werden.

Elektronische Kontrolle

Fehlen Adresse oder Telefonnummer des Besitzers, bleibt den Fundbüros nur die Verwahrung. Die Berliner Verkehrsbetriebe heben die Fundstücke beispielsweise sechs Wochen lang auf. Bei zentralen Fundbüros bleiben Fundsachen sechs Monate im Regal. Wenn sie dort bleiben. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Einige Fundbüros helfen der Ehrlichkeit ihrer Mitarbeiter mit elektronischen Systemen auf die Sprünge. Beispiel Berlin. Im Zentralen Fundbüro werden alle Fundsachen mit einem Code registriert. Der speichert auch den Mitarbeiter, der das Fundstück entgegen nimmt. Der Bearbeitungscode lässt sich weder ändern noch löschen. Das soll verhindern, dass Fundstücke „verloren gehen“.

Verlorenes taucht wieder auf

Vielleicht fehlt es aber mancherorts auch nur an detektivischem Spürsinn. Bemerkenswert: Gleich nach Veröffentlichung der Testergebnisse tauchten einige „nicht auffindbare“ Fundstücke wieder auf. Beispiel I: Die Polizei in Düsseldorf fand eine verlorene Bauchtasche mit 27,90 Euro. Beispiel II: Die Verkehrsbetriebe in Frankfurt am Main fanden eine Brieftasche mit 31,40 Euro. Zwei Erklärungen sind möglich: Entweder legten reumütige Beamte die Fundstücke zurück ins Regal. Oder sie suchten unter dem Druck der Öffentlichkeit einfach gründlicher als zuvor. Zur Erinnerung: Als die rechtmäßigen Besitzer bei den Fundbüros nachfragten, waren die Fundsachen „nicht auffindbar“.

Internet macht glücklich

Wer rechtzeitig handelt, kann solchen Enttäuschungen zumindest vorbeugen. Adresse und Rufnummer im Portemonnaie und ein paar Visitenkarten in der Tasche erhöhen die Chance, die Sachen wieder zu bekommen, wenn sie verloren gehen. Bei der Suche ist elektronische Hilfe im Kommen: Einige Fundbüros setzen aufs Internet. Berlin und Hamburg bieten eine Onlinesuche an. Die zeigt, welche Gegenstände die Fundbüros derzeit in ihrem Fundus haben. Mit Hilfe des Computers werden traurige Verlierer so vielleicht zu glücklichen Findern.

Komplett + Interaktiv: Test Fundbüros aus der Zeitschrift test

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