Zwischen Natur und Design: Diese Produkte gibt es

Präbiotisches

Erst werden Ballaststoffe durch die industrielle Verarbeitung entfernt, dann fügt man sie mit großem Werbepomp wieder zu ­ zum Beispiel zum Kleiebrot oder -brötchen. Pre- oder präbiotisch sind Lebensmittel, die eine Art Spezialnahrung für den Darm liefern: Oligofructose und Inulin. Das sind Ballaststoffe, die im Dünndarm nicht verdaut werden können, aber im Dickdarm Wachstum und Aktivität nützlicher Bakterienstämme stimulieren. Sie schmecken leicht süßlich und sind sehr kalorienarm.

Eingesetzt werden sie in Fertigdesserts, Brotaufstrichen und Sauermilchprodukten ­ oft im Verein mit Probiotika. Ob durch präbiotische Zusätze das Immunsystem im Darm wirklich gestärkt und beispielsweise dem Krebs vorgebeugt werden kann, ist umstritten. Sicher ist: Diese Ballaststoffe kommen reichlich in ganz normalen Vollkornprodukten vor, in Schwarzwurzeln, Sojabohnen, Artischocken, Chicorée, Topinambur, Zwiebeln und Knoblauch. Sicher ist auch, dass viele Menschen auf die präbiotischen Zutaten mit Völlegefühl und Blähungen reagieren.

Jod- und Omega-3-(DHA-)Eier

Die Henne kommt zuerst: Mit dem Futter nimmt sie oben die Stoffe auf, die hinten im angereicherten Ei wieder herauskommen. Gegen Jod als Beigabe ist nichts einzuwenden, ein damit verstärktes Ei liefert uns ein Viertel des Tagesbedarfs. Allerdings auch reichlich Cholesterin ­ Seefisch ist da gesünder.

Mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Eier als Cholesterinsenker anzupreisen, ist absurd. Selbst der Cholesteringehalt mit zwei Dritteln eines Normeis (etwa 200 Milligramm Cholesterin) ist noch immer recht hoch. Durch den hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren wird jedoch der Anteil der verschiedenen Cholesterinbestandteile zueinander verbessert. Aber: Wer Seefisch isst, sorgt nicht nur für eine gesunde Jodbasis, er nimmt auch eine gehörige Portion der wertvollen Omega-3-Fettsäuren zu sich.

Omegabrot

Die Deutsche Herzstiftung hat bei der Entwicklung neuer Backwaren mitgeholfen: Omega-3-Fettsäuren ins tägliche Brot, um die Blutgefäße fit zu halten ­ falls man etwa acht Scheiben davon verzehrt. Auch hier wäre Seefisch die natürliche Alternative.

Wenig sinnvoll scheinen präbiotische Zusätze wie "Bifido Activatoren", Ballaststoffe, die im Darm die Abwehr gegen schädliche Bakterien auf Trab bringen sollen. Als Beimengung in Vollkornbroten ist das weitgehend überflüssig, hier gibt es bereits von Natur aus genügend Ballaststoffe mit ähnlicher Wirkung.

A-C-E

Man nehme altbekanntes Gemüse, Erbsen, Möhren Brokkoli, füge ein paar Tropfen Öl hinzu, entwickle ein Lebenskraft versprechendes Design und schon liegt in der Tiefkühltruhe ein neues Gesundheitsprodukt mit wertvollen antioxidativen Vitaminen wie A, C und E. Kein aufgemotztes Kunstprodukt, sondern lediglich geschickt zusammengestellte Gemüse mit Ballaststoffen und den Vitaminen C und Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A). Vitamin E stammt vom zugesetzten Pflanzenöl.

Tipp

: Versuchen Sie diese Mischung einfach selbst mit frischem Gemüse Ihrer Wahl.

Die Buchstaben A-C-E prangen auch auf Getränken. Das sind meist Mischgetränke mit viel Wasser, Zucker oder Süßstoff, rund 20 bis 50 Prozent Fruchtanteil, ergänzt um Vitamine. Manchmal auch um Mineralstoffe wie Kalzium und sonstige Gesundheit verheißende Stoffe. Säfte findet man seltener, denn die müssen zu 100 Prozent aus teurem Fruchtsaft bestehen.

Inzwischen ist ein Zusatzstoff ins wissenschaftliche Gerede gekommen: Isoliertes Beta-Carotin erhöht möglicherweise das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern. Die empfohlene Obergrenze für die tägliche Beta-Carotin-Menge kann schon mit zwei bis drei Gläsern angereichertem Saft erreicht sein ­ unabhängig davon, wie viel man sowieso schon mit der Nahrung zu sich genommen hat.

Wellness vom Kräuterweib

Mit Kräuterauszügen aufgepeppte Massenware soll für seelisches Gleichgewicht oder verbessertes Wohlbefinden sorgen. Wellness-Drinks werden nicht nur mit Omega-3-Fettsäuren, Vitamin- und Mineralbeigaben angereichert, sie nutzen auch die Konjunktur uralten Kräuterwissens. Hopfen- und Salbeiauszüge im Fruchtsaft fördern das Einschlafen, Ginsengextrakt in Cocktails aktiviert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Artischocken- und Kartoffelkonzentrate beruhigen den rebellierenden Magen ­ vielleicht. Warum nicht in aller Ruhe einen klassischen Kräutertee trinken?

Jodsalz

Seit 20 Jahren kämpfen Gesundheitsinstitutionen gegen die im hiesigen Jodmangelgebiet verbreiteten Gesundheitsprobleme ­ mittlerweile mit gutem Erfolg. Jod, der für die Schilddrüse wichtige Mineralstoff, ist in unserem Boden und damit in den darauf wachsenden Pflanzen kaum zu finden. 200 Mikrogramm Jod sollten wir täglich zu uns nehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Reichlich Seefisch essen bringt einiges. Es ist jedoch auch sinnvoll, zu jodiertem Speisesalz zu greifen: Wer täglich fünf Gramm dieses rundum vernünftigen Functional-Food-Vorläufers zu sich nimmt, kommt auf 0,1 Milligramm ­ die Hälfte des Tagesbedarfs. Heute wird Jodsalz auch häufig in Fertiggerichten eingesetzt ­ achten Sie auf das Zutatenverzeichnis.

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