Führerschein Meldung

Alkohol und Drogen am Steuer kosten schnell die Fahrerlaubnis. Oft bringt nur der Gang zum Psychologen die Pappe zurück.

1,6 Promille. Wer nur einmal mit diesem Blutalkoholwert im Verkehr erwischt wird, muss zwar nicht gleich auf die Couch, aber zumindest in die Praxis eines Psychologen. Das gilt nicht nur für Autofahrer. Auch wer volltrunken vom Fahrrad fällt, muss zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), im Volksmund Idiotentest.

Michael Müller* wusste das nicht, als er im Herbst 1999 die Fahrerlaubnis beantragte. Deshalb war der damals 23-Jährige überrascht, als ihm das Straßenverkehrsamt eröffnete, dass er zur MPU müsse. Es war herausgekommen, dass Müller 1996 einmal mit 0,3 Gramm Haschisch in der Tasche und ein Jahr später mit 2,4 Promille Blutalkohol auf dem Fahrrad erwischt worden war.

Wann getestet wird

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Das Gesetz schreibt vor, dass ein Fahrzeug nur lenken darf, wer dafür geeignet ist, also "die hierfür notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen" erfüllt. Wer seine Fahrprüfung besteht, gilt aus Sicht der Behörde normalerweise als geeignet. Ist er jedoch zuvor negativ aufgefallen, gibt es die Fahrerlaubnis erst mal nicht. Führerscheininhaber verlieren den Schein, wenn sie sich später als ungeeignet erweisen.

Die fehlende Eignung steht nur selten eindeutig fest. Klar ist das etwa bei Blinden oder Menschen mit häufigen epileptischen Anfällen. Eine zumindest sechsmonatige Auszeit wird außerdem Fahrern verordnet, die mit dem 18. Punkt in Flensburg ihr Konto endgültig überzogen haben.

Oft steht die Fahrtauglichkeit aber zunächst nur infrage. Auch bei Michael Müller zweifelte die Behörde an der Eignung und forderte deshalb das MPU-Gutachten an. Die Verwaltung testet nämlich nicht selbst. Das überlässt sie amtlich anerkannten privaten Stellen, die der Prüfling selbst bezahlen muss. Neben dem Tüv testen vor allem die Dekra, aber auch kleinere Unternehmen wie Avus und Pima die Eignung.

"Dass es unter den Prüfern solche gibt, die schnell ein Auge zudrücken, halte ich für Unsinn", meint der Freiburger Müller. Deshalb ging er kurzerhand zum lokalen Tüv, wo er gegen 1.350 Mark Vorkasse einen Termin bekam. Eine einfache MPU kostet im Schnitt 650 Mark. Für Müller wurde es jedoch wegen der Doppelprüfung auf Drogen und Alkohol teurer.

Vierstufiger Check

Beim Tüv musste Michael Müller erst einen Fragebogen ausfüllen. Darin ging es besonders um seine Trinkgewohnheiten und den Umgang mit Drogen. Es folgte ein ärztlicher Test, speziell von Blut und Urin. Gesucht wurden Anzeichen für Alkohol- oder Drogenkonsum oder gar -abhängigkeit. Dann ging es zum Reaktionstest am Computer. Der sollte zeigen, was Müller im Verkehr wahrnimmt und wie schnell er reagiert.

Den mehrstündigen Test schloss ein Gespräch mit einer Psychologin ab. Sie wollte wissen, wie es zu Müllers Trunkenheitsfahrt kam, wie oft er damals trank, ob er jetzt noch zur Flasche greift und wie er es künftig mit Alkohol und Drogen halten will.

Das Gespräch fuhr Müller gegen den Baum: "Ich war sauer. Also habe ich mich auf ein Recht auf Rausch berufen." Doch Renitenz war nicht gefragt. Die Tester wollen vielmehr die schonungslose Abrechnung mit der Drogen- oder Alkoholkarriere. Und so kassierte Michael Müller ein Negativgutachten. Da niemand gezwungen werden kann, ungünstige Gutachten einzureichen, gab er es nicht an die Behörde weiter. "Hätten die das gelesen, hätte ich so bald nicht wiederzukommen brauchen."

Die Ablehnung war für Müller keine Überraschung. Aber sein Ärger, als betrunkener Radler auch nicht Autofahren zu dürfen, war einfach zu groß. Dabei kann es zur MPU bereits kommen, wenn sich Führerscheininhaber alkoholisiert zu Fuß "wenig verantwortungsbewusst" verhalten. Eine Frau war von der Polizei aufgeriffen worden, als sie mit ihrem Kleinkind nachts auf Zechtour in einer Kneipe war. Sie durfte deshalb zur MPU geschickt werden (Verwaltungsgerichtshof Mannheim, Az. 10 S 2032/ 00). Und meist sind die Gründe für die MPU-Anordnung viel banaler.

Richtig vorbereiten

Ein Jahr nach dem ersten Anlauf legte Michael Müller einen neuen Test in einer anderen Tüv-Filiale mit Bravour ab. Nachdem er einen der vielen Ratgeber zum Thema gelesen hatte, wusste er: "Die Prüfer wollen vor allem eine stabile Verhaltensänderung feststellen. Bei Alkohol heißt das meist ein Jahr völlige Abstinenz. Und man muss zeigen, dass die damaligen Gründe für das Trinken heute nicht mehr vorliegen."

Also erläuterte er, dass er damals im Zivildienst nach Dauernachtwachen immer wieder freie Wochen hatte, in denen er mit seinen Zivi-Kollegen häufig feierte. Dabei habe er sich daran gewöhnt, regelmäßig viel Alkohol zu trinken. "Anders wäre der hohe Blutalkoholwert auch nicht zu erklären gewesen. Mehr als zwei Promille Blutalkohol erreicht man nur mit Übung. Wer sich da auf eine Ausnahme beruft, wirkt unglaubwürdig." Er beteuerte, sein Alkoholproblem bewältigt zu haben. Er habe nun andere Freunde und trinke seit über einem Jahr keinen Alkohol mehr.

Diesmal ging der Test wunschgemäß aus. Das positive Gutachten reichte Müller beim Straßenverkehrsamt ein, das ihn darauf zur Prüfung zuließ. Nun kann er bald den Führerschein machen.

Auch Kurse helfen

"90 Prozent fallen bei der ersten MPU durch." Mit solchen Horrormeldungen werben unseriöse Anbieter für Kurse, die die Tests zum Kinderspiel machen sollen. Offizielle Statistiken belegen dagegen, dass im Jahr 1999 fast 40 Prozent der Untersuchten den Test sofort bestanden. Weitere 16 Prozent mussten nur eine Nachschulung absolvieren, um wieder als geeignet zu gelten. Unterm Strich fielen damit am Ende nur 44 Prozent komplett durch.

Selten klappt die MPU ohne Vorbereitung. Gerade Suchtkranke, denen der Führerschein abgenommen wurde, sollten die Sperrfrist nutzen und möglichst sofort Hilfe suchen. Gut aufgehoben ist man dann bei niedergelassenen Verkehrspsychologen, möglichst mit amtlicher Anerkennung als verkehrspsychologische Berater. Sie helfen bei den Suchtproblemen und bereiten zugleich auf die Prüfung vor. Aber auch der regelmäßige Besuch einer Suchtberatungsstelle oder Selbsthilfegruppe hilft, einen Sinneswandel zu belegen.

Problematisch sind Crashkurse unseriöser Anbieter, die erst kurz vor der MPU belegt werden. So ein Kurs wirkt verdächtig, da sich echtes Umdenken damit nur schwer begründen lässt. Auch erkennen erfahrene MPU-Prüfer geheuchelte Antworten, die nur schlecht einstudiert wurden. Zudem muss oft die einjährige Abstinenz durch regelmäßige Lebertests oder Drogenscreenings belegt werden. Dafür ist es bei solchen Schnellschüssen zu spät. Die hohen Kursentgelte wären futsch, ohne dass es die geliebte Pappe zurück gibt.

*Name von der Redaktion geändert.

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