Frühstückscerealien Test

Ein gesundes Frühstück hilft, einen langen Schultag gut zu meistern. Dafür eignen sich diese Schoko-Chips, Flakes und Pops nicht. Ein Grund: Sie sind fast alle viel zu süß.

Honey Balls und Co. werden gern als Kraftpakete zum Löffeln beworben: Sie sollen Kindern „Power“ für einen erfolgreichen Tag geben. Von den Packungen lacht buntes Comicvolk, die Pops und Flakes sind meist schön knusprig.

Wir haben 30 Cerealien untersucht, die sich besonders an Kinder wenden, oft auch mit buntem Spielzeug in der Packung. 16 sind mit Schoko, 14 mit Zuckerüberzug, manche zusätzlich mit Honig. Die meisten Packungen geben als Portion 30 Gramm plus 125 Milliliter fettarme Milch an. Das macht aber nicht lange satt. Um den Beitrag der Cerealien zur täglichen Ernährung zu bewerten, haben wir die doppelte Menge zugrunde gelegt und 200 Milliliter fettarme Milch dazugegeben.

Bei diesem Test ging es uns nicht um den Geschmack, sondern um die Nährstoffe. Das Ergebnis ist eindeutig: Als gesunder Start in den Tag eignet sich kein Produkt. 24 der 30 Cerealien sind in der ernährungsphysiologischen Qualität „ausreichend“, fünf sogar „mangelhaft“. Fast alle gehören mit ihrem hohen Zuckergehalt ins Süßigkeitenregal, nicht in die Müsliabteilung. Nur Granola Choc Blop von Penny ist bei der Zusammensetzung der Nährstoffe einen Tick besser und bekam das einzige „Befriedigend“.

Bis zu 50 Prozent Zucker

Frühstückscerealien Test

Portionsgrößen: Die meisten Hersteller geben als Portion 30 Gramm Cerealien an. Das reicht aber nicht bis zum nächsten Pausenbrot. Realistischer sind 60 Gramm. Die waren die Basis für unsere Bewertung.

Die Produkte bestehen meist mindestens zu 25 bis 35 Prozent aus Zucker. Vier kommen sogar auf fast 50 Gramm pro 100 Gramm, und zwar die Cerealien mit Honig: Aldi (Nord) Gletscherkrone, Aldi (Süd) Knusperone, Norma Golden Breakfast, Fit & Activ Honey Wheat. Da sind selbst mit der angegebenen kleinen 30-Gramm-Portion schon etwa 15 Gramm Zucker erreicht – gut die Hälfte der 27 Gramm, die Ernährungsexperten einem Kind unter zehn Jahren insgesamt pro Tag zugestehen.

Tipp: Lassen Sie sich durch Werbehinweise wie „Mit Honig“ nicht beeindrucken. In den Cerealien sind es laut Deklaration höchstens vier Prozent Honig. Ernährungsphysiologisch ist er nicht besser als Zucker.

Beschönigende Angaben

Frühstückscerealien Test

Lockruf:Was auf der Verpackung steht, vermittelt oft den Eindruck gesunder Kost, spielt aber den Zuckergehalt zum Beispiel herunter. Die auf den Packungen angegebenen Nährwerte beziehen sich auf Erwachsene, nicht auf Kinder. Die haben meist einen geringeren Kalorienbedarf und brauchen auch weniger Nährstoffe.

Die Nährwertangaben auf den Packungen vermitteln oft den Eindruck, der Zuckerge­halt sei gar nicht so hoch. Eine Portion von 30 Gramm enthalte 18,9 Prozent „des empfohlenen täglichen Bedarfs“ steht zum Beispiel auf den Granola Snowflakes von Penny. Was man nicht auf der Vorderseite der Packung lesen kann: Das bezieht sich auf einen Erwachsenen und 90 Gramm Zucker pro Tag. Die 90 Gramm setzen sich aus dem natürlichen Zucker in einem Lebensmittel zusammen sowie Zucker, der zugesetzt wurde. Cerealien enthalten fast nur zugesetzten Zucker. Was den betrifft, geht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) von nur etwa 60 Gramm pro Tag aus. Für ein Schulkind sollten es laut Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) nur 27 Gramm sein. Isst ein Kind die 30-Gramm-Portion Penny Snowflakes, hat es nicht 18,9 Prozent erreicht, wie das Etikett nahelegt, sondern fast doppelt so viel, schon ohne den Zuckeranteil der Milch. Die Portion Snowflakes enthält über 30 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Angaben zum Nährwertbedarf sollten sich auf einem Produkt für Kinder auch auf deren Bedarf beziehen.

Zuckergehalt weltweit zu hoch

Wir haben im Rahmen eines internationalen Tests in Deutschland angebotene Cerealien geprüft. Alle 32 teilnehmenden Länder kritisierten den durchweg zu hohen Zuckeranteil ihrer Produkte. Wie viel das ist, kann von Land zu Land variieren – sogar dann, wenn die Packungen gleich aussehen.

Kaum Vollkorn, wenig Ballaststoffe

Das Wort Cerealien stammt von Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus. Die Produkte geben sich gern den Anschein gesunder Getreidekost. Getreide macht ­laut Deklaration aber oft nur etwas mehr als die Hälfte der Zutaten aus. Vollkorn ist selten. Das ist schade, weil es mehr Mineral- und Ballaststoffe als normales Getreide enthält. Ballaststoffe nehmen wir alle zu wenig zu uns. Sie haben viele Vorteile. So machen sie lange satt und halten die Verdauung in Gang. In den Produkten analysierten wir meist nur geringe Mengen, fast jedes dritte war hier „mangelhaft“. Die 60 Gramm Cerealien, die wir zum Vergleich nahmen, hatten oft nicht einmal ein Zehntel der rund 20 Gramm Ballaststoffe, die Kinder täglich zu sich nehmen sollten. Gerade mal 1,2  Gramm analysierten wir beispielsweise in 100 Gramm Barnhouse Choco Crisps. Noch am meisten hat das Nestlé Nesquick Knusper Frühstück mit 6,3 Gramm pro 100 Gramm, das hier „befriedigend“ abschnitt.

27 sind mit Vitaminen angereichert

Von den 30 Produkten sind 27 mit Vitaminen angereichert, viele auch mit Mineralstoffen. Das ist überflüssig, liest sich auf den Packungen aber für besorgte Eltern gut. Kinder sind hierzulande auch ohne Anreicherung ausreichend damit versorgtHinzu kommt: Anreicherungen in hohen Mengen können problematisch sein (siehe Test: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder aus test 6/2008)). Eisen zum Beispiel ist wichtig, zu viel ist aber auch nicht gut. Zu viel fanden wir immer dann, wenn es zugesetzt war. Spitzenreiter ist Nestlé Nesquik Knusper Frühstück: In 60 Gramm stecken rund 10 Milli­gramm Eisen. Das ist bereits die Tagesmenge für ein 7- bis 9-­jähri­ges Kind. Am besten ist es, wenn genug Eisen aus durchdachten Rezepturen mit eisenreichem Getreide wie zum Beispiel Haferflocken kommt. Sind es nur Minimengen wie in den Tips Sweet Flakes, Penny Granola Snowflakes und Plus Famili White Flakes, haben wir auch das mit „mangelhaft“ beurteilt.

Unsinniges Kalzium

Frühstückscerealien Test

Spielzeug:Mit solchen Figuren in der Packung versuchen die Hersteller, die Kleinen zu locken.

Ein anderer Fall ist Kalzium. Der beste Lieferant für den wichtigen Nährstoff sind Milch und Milchprodukte. Obwohl Kinder ihre Cerealien mit Milch essen, ist jedes dritte Produkt im Test mit Kalzium angereichert. Das schadet zwar nicht, wir haben solche Zusätze aber nicht mit einer guten Bewertung belohnt. In den drei am höchsten angereicherten Produkten – alle von Kellogg's, beide Frosties und die Choco Krispies – steckt etwa vier mal so viel Kalzium wie in Milch. Das Frühstück als Kalziumtablette? 

Allenfalls bei Folsäure kann eine Anreicherung sinnvoll sein. Die drei Produkte ohne Zusatz kommen auf 6 bis 11 Mikrogramm Folsäure pro 100 Gramm. Wenn angereichert wird, sollten aber die Empfehlungen eingehalten werden. Für ein Kind unter zehn Jahren sind das 300 Mikrogramm Folsäure pro Tag. Mehr als 400 Mikrogramm liefert aber schon eine 60- Gramm-Portion der Wurzener Choco Monkeys. Dass die Anreicherung mit weiteren Vitaminen außer Folsäure nicht sinnvoll ist, wollen einige Hersteller in Zukunft berücksichtigen. Besser als solche Zusätze sind allemal frisches Obst, Haferflocken, eventuell mit Cerealien gemischt, mal ein Vollkorntoast mit Kräuterquark – kurzum: für den gesunden Nährstoffmix einfach mehr Abwechslung zum Frühstück.

Dieser Artikel ist hilfreich. 731 Nutzer finden das hilfreich.