Strategie „Ausgleichen“

  • Reguläre Rente: 1 500 Euro
  • Zwei Jahre früher in Rente: 1 307 Euro
  • Abschläge ausgleichen kostet: 24 336 Euro
  • Rente nach Ausgleich: 1 408 Euro

Herr Schmidt hat keine Lust mehr! Nach 35 Jahren im Beruf plant er, mit 63 den Job an den Nagel zu hängen und dann ab in die Rente. Den ganzen Tag Tennis, Familie und Café – das stellt er sich herr­lich vor! Doch ist die Frei­zeit teuer erkauft: Nehmen wir an, Herr Schmidt möchte 24 Monate vor seiner Regel­alters­rente aufhören. Dann zahlt er zwei Jahre weniger ein. Auf die in seiner Renten­information prognostizierte Regel­alters­rente kommt er so nicht. Zusätzlich muss Herr Schmidt Abschläge auf seine Rente in Kauf nehmen. Für jeden Monat, den er früher als regulär in Rente geht, fällt die Rente 0,3 Prozent nied­riger aus. Bei 24 Monaten kommt einiges zusammen und die vorzeitige Rente wird um 7,2 Prozent gekürzt.

Würde Herr Schmidt ganz normal mit 65 Jahren und acht Monaten in Rente gehen, würde er eine Rente von 1 500 Euro erhalten. Bei seinem zwei Jahre früheren Renten­beginn bekommt er nur 1 307 Euro.

Einzahlung attraktiv

Doch muss Herr Schmidt die Abschläge nicht hinnehmen. Die Deutsche Renten­versicherung ermöglicht es Neurentnern, sie mit freiwil­ligen Zahlungen auszugleichen.

Wichtig zu beachten: Die zwei Jahre, die Schmidt weniger arbeitet, lassen sich nicht ausgleichen. Auf seine volle Regel­alters­rente kommt er auch mit der Ausgleichs­zahlung nicht. Statt 1 307 Euro würde Herr Schmidt aber immerhin auf 1 408 Euro Rente kommen, wenn er seine Abschläge ausgleichen würde. Nicht zu vernach­lässigen: Auch die Hinterbliebenenrente für seine Ehefrau würde sich in der Folge erhöhen.

Dafür müsste er als Einmalbeitrag 24 336 Euro an die Rentenkasse zahlen. Dieser Schritt sollte gut über­legt sein. Grob gerechnet, Abgaben und Renten­entwick­lung einmal außen vor gelassen, wäre der einge­zahlte Beitrag erst nach 20 Jahren wieder „drin“. Herr Schmidt sollte sich also fit genug fühlen, seinen 83. Geburts­tag zu erreichen.

Für Frauen ist das wahr­scheinlicher als für Männer. Laut Statistischem Bundes­amt hat ein Mann, der in diesem Jahr seinen 60. Geburts­tag feiert, eine durch­schnitt­liche Lebens­erwartung von weiteren 21,5 Jahren, eine Frau von weiteren 25 Jahren.

Zahlt Herr Schmidt ein, hat er die Gewiss­heit, dass die Rente auch dann noch fließt, wenn er 93 oder 103 Jahre alt wird.

Privat Kranken­versicherte im Vorteil

Die meisten Rentner sind gesetzlich kranken­versichert. Für privat kranken­versicherte Rentner lohnt sich der Ausgleich der Abschläge mehr als für Pflicht­versicherte der Kranken­versicherung der Rentner. Diese müssen nämlich mit Abzügen von rund 10 Prozent von ihrer Rente für die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung rechnen (Steuern und Sozialabgaben). Den Privatversicherten wird dagegen nichts abge­zogen, statt­dessen bekommen sie 7,3 Prozent der Rente als Kranken­versicherungs­zuschuss von der Renten­versicherung dazu.

Private Renten sind teurer

Eine Alternative zur Strategie „Ausgleichen“ könnte eine Einzahlung in eine private Renten­versicherung sein. Aufgrund der nied­rigen Zinsen am Kapitalmarkt ist das jedoch aktuell weniger attraktiv, als in die gesetzliche Renten­versicherung einzuzahlen. Wir haben bei einem güns­tigen Anbieter von Rürup-Renten berechnet, was Herr Schmidt bei einem Einmalbeitrag von 24 336 Euro für eine Rente bekommen würde. Die Rürup-Rente, auch Basis-Rente genannt, ist eine steuerlich begüns­tigte Form der privaten Alters­vorsorge. Der Vergleich mit einer Rürup-Rente ist sinn­voll, weil sie bei Einzahlung und Auszahlung steuerlich ähnlich behandelt wird wie die gesetzliche Rente.

Ist Herr Schmidt verheiratet und wählt bei der Rürup-Rente eine ähnliche Hinterbliebenen­absicherung wie bei der gesetzlichen Rente, kommt er auf eine monatliche Mindest­rente von 72 Euro statt 102 Euro. Ganz ohne Hinterbliebenen­absicherung bekäme er knapp 82 Euro.

Renten­zusagen privater Versicherungen können durch Über­schüsse steigen. Sie hängen davon ab, wie viel ein Versicherer mit dem Geld der Kunden erwirt­schaftet und wie viel vom Ertrag er den Versicherten gutschreibt. Je länger die Nied­rigzins­phase andauert, umso unwahr­scheinlicher sind jedoch hohe Über­schuss­zahlungen.

Wie sich die gesetzliche Rente entwickelt, lässt sich ebenfalls nicht genau voraus­sagen. Ob sie steigt, hängt unter anderem von der Lohn­entwick­lung ab und dem Verhältnis von Rentnern und Beitrags­zahlern. Seit 1992 ist der Wert eines Renten­punkts immer gestiegen.

Steuer für sich nutzen

Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung kann Herr Schmidt genauso wie Einzahlungen in eine Rürup-Rente 2016 zu 82 Prozent (in Zukunft steigend) von der Steuer absetzen. Damit reduziert sich der Netto­betrag, den er für den Ausgleich der Abschläge aufwenden muss. Die Auszahlung der gesetzlichen Rente ist dann jedoch später zu versteuern (Steuern und Sozialabgaben).

Eine Sofortrente bei einer güns­tigen privaten Renten­versicherung hätte eine ähnliche Höhe wie die Rürup-Rente. Sie wird während des Rentenbe­zugs steuerlich güns­tiger behandelt. Dafür lassen sich Beiträge in eine unge­förderte private Renten­versicherung nicht steuerlich absetzen.

Wer einige Jahre vorher plant und nicht spontan vor Renten­eintritt seine Abschläge ausgleichen will, kann die steuerlichen Auswirkungen sogar optimieren (Interview).

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