Steuern und Sozial­abgaben mitdenken

Rentner zahlen auf jeden Euro gesetzlicher Rente Kranken- und Pflegebeiträge. Besteuert wird sie nur zum Teil.

Es gibt einen Wermuts­tropfen in der kräftigen Renten­erhöhung zum 1. Juli 2016: 160 000 Menschen müssen dadurch als Rentner erst­mals Einkommensteuer zahlen, so das Bundes­finanz­ministerium.

Ob die gesetzliche Rente so hoch ist, dass ein Rentner über­haupt darauf Steuern zahlen muss, lässt sich oft nicht auf den ersten Blick erkennen. Unser Musterfall Schmidt müsste zahlen: Von 1 408 Euro Monats­rente bleiben ihm nach Abzug von Steuern und Sozial­abgaben gut 1 233 Euro.

Wir voll­ziehen an ihm nach, wie die Rechnung geht. Da es die Steuer­tarife für 2017 noch nicht gibt, rechnen wir mit Werten von 2016. Wir zeigen, wann eine Steuererklärung nötig ist und wann Steuern fällig sind.

8 652 Euro sind immer steuerfrei

Schmidts Jahres­rente liegt mit 16 896 Euro klar ober­halb des Grund­frei­betrags von derzeit 8 652 Euro im Jahr – dem steuerlichen Existenz­minimum, auf das niemand Steuern zahlen muss.

Das heißt aber noch lange nicht, dass Schmidt zahlen muss. Denn von der gesetzlichen Rente ist ein weiterer Teil steuerfrei. Dafür sorgt der Rentenfrei­betrag. Er liegt für Rentner, die 2016 in den Ruhe­stand gehen, bei 28 Prozent (siehe Tabelle unten).

Steuerfrei­beträge für Rentner

Der steuerfreie Anteil der gesetzlichen Rente sinkt für jeden neuen Rentner­jahr­gang. Wie hoch er in absoluten Zahlen für den Einzelnen ist, legt das Finanz­amt zu Renten­beginn fest. Der errechnete Betrag bleibt dann bis zum Lebens­ende gleich. Die Folge: Jede Renten­erhöhung ist komplett steuer­pflichtig.

Für gesetzliche Renten und ­vergleich­bare Verträge

Beginn der Rente (Jahr)

Frei­betrag (Prozent)

Steuer­pflichtiger ­Anteil (Prozent)

Renten aus der gesetzlichen Renten­versicherung wie ­Alters­renten, Witwen- und Waisenrenten, außerdem Renten aus beruflichen ­Versorgungs­werken und ­Rürup-Renten.

2016

28

72

2017

26

74

2018

24

76

2019

22

78

2020

20

80

2021

19

81

      Für andere Einkünfte etwa aus privaten Renten und Betriebs­renten oder für Kapital­einkünfte gelten andere Frei­beträge. Alle Rentner können zudem eine Werbungs­kostenpauschale von 102 Euro von ihrer Rente abziehen.

      Steuererklärung oder nicht?

      Jahres­rente

      16 896,00 Euro

      Rentenfrei­betrag (28 Prozent von 16 896 Euro)

      4 730,88 Euro

      Werbungs­kostenpauschale

      102,00 Euro

      Steuer­pflichtige Rente

      12 063,12 Euro

          Trotz Frei­betrag und Werbungs­kostenpauschale über­steigt Schmidts gesetzliche Rente den Grund­frei­betrag. Das heißt für ihn erst einmal: Eine Einkommensteuererklärung ist im nächsten Jahr fällig.

          Vorsorgeaufwendungen angeben

          Steuererklärung heißt aber nicht gleich Steuern zahlen. Denn von den 12 063 Euro steuer­pflichtiger Jahres­rente kann Schmidt noch Vorsorgeaufwendungen abziehen. Dazu gehören unter anderem Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung.

          Weiter reduzieren könnte Schmidt seine Steuerlast, wenn er zum Beispiel noch Ausgaben für haus­halts­nahe Dienst­leistungen wie eine Haushalt­hilfe absetzen würde.

          Schmidts einziges Einkommen ist die gesetzliche Rente und er setzt außer den Beiträgen für seine Kranken- und Pflege­versicherung keine weiteren Ausgaben ab. Danach liegt die Einkommensteuer des Singles bei moderaten 235 Euro im Jahr.

          Beitrag zur Pflege­versicherung steigt

          Mehr als Steuern schlagen Kranken- und Pflege­versicherung zu Buche. Zwar über­nimmt für Schmidt als Pflicht­versichertem die Rentenkasse die Hälfte des allgemeinen Beitrags für die gesetzliche Krankenkasse (Grafik Krankenversicherung im Alter). Dieser Beitrag liegt für alle Kassen bei 14,6 Prozent. Den individuell von der Kasse fest­gesetzten Zusatz­beitrag und den Beitrag zur Pflege­versicherung zahlt er alleine. Schmidts Kasse nimmt den durch­schnitt­lichen Zusatz­beitrag von 1,1 Prozent.

          Die Pflege­versicherung liegt für kinder­lose Rentner wie Schmidt bei 2,6 Prozent, steigt aber ab 2017 auf 2,8 Prozent. Für Rentner, die Kinder groß­gezogen haben, steigt er dann von derzeit 2,35 auf 2,55 Prozent. Insgesamt käme Schmidt so auf Abzüge von 11 Prozent, das sind 1 858,56 Euro im Jahr. Dagegen nehmen sich die Steuern von 235 Euro im Jahr fast mick­rig aus.

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