Strategie „Teil­zeitrente“

  • Reguläre Rente: 1 500 Euro
  • Reduziert zwei Jahre früher Arbeits­zeit um 50 Prozent
  • Gehalt zwei Jahre: 2 265 Euro
  • Bekommt zwei Jahre Teilrente: 653 Euro
  • Gehalt und Rente insgesamt für zwei Jahre: 2 918 Euro
  • Spätere Rente: 1 403 Euro

Herr Schwarz will nicht mehr so viel arbeiten, aber er zweifelt daran, ob es gut ist, so abrupt mit der Arbeit aufzuhören. Bei einigen seiner Freunde hat er mitbekommen, dass ihnen die Umstellung schwergefallen ist, als sie plötzlich nicht mehr jeden Tag zur Arbeit gegangen sind und die Tage zu Hause rumkriegen mussten.

Ein gleitender Über­gang erscheint ihm da als eine gute Alternative. Die eine Hälfte des Tages im Büro, die andere Hälfte am See – damit kann Herr Schwarz sich lang­sam in die neue Lebens­situation einge­wöhnen. Auch finanziell ist diese Variante interes­sant. Denn da er bald 63 Jahre alt ist und 35 Jahre Warte­zeit in der gesetzlichen Renten­versicherung erfüllt hat, hat er dann Anspruch auf eine vorzeitige Teilrente. Er muss also nicht mit dem geringeren Gehalt vom Arbeit­geber alleine fertig werden, sondern bekommt schon Geld von der Renten­versicherung oben­drauf.

Im Unterschied zur „Alters­teil­zeit“ am Arbeits­platz (siehe unten „Spezielle Verträge für Alters­teil­zeit“) kann das jeder nutzen. Die Voraus­setzung ist nur, dass der Arbeit­geber mitmacht und den Arbeitnehmer seine Arbeits­zeit reduzieren lässt.

Genutzt wird die Teilrente als Über­gang ins Rentnerleben selten. Von den rund 820 000 Versicherten, die 2014 in Alters­rente gegangen sind, haben nur 2 167 Personen eine Teilrente erhalten.

Herr Schwarz hat seine Arbeits­zeit um 50 Prozent reduziert. Jetzt verdient er noch 2 265 Euro. Durch seine Beiträge auf sein Teil­zeit­gehalt erhöht er seine spätere Alters­rente weiter: auf dann 1 403 Euro.

Er hat bei der Deutschen Renten­versicherung eine vorzeitige Alters­teilrente beantragt. Sie berechnet nun, wie viel Teilrente er bekommt und zahlt ihm den Betrag zwei Jahre lang vor Beginn der Voll­rente aus.

Starre Grenzen

Bisher ist die Regelung so, dass es inner­halb bestimmter Verdienst­grenzen entweder zwei Drittel, die Hälfte oder ein Drittel der Rente zusätzlich zum Arbeits­einkommen gibt – je nachdem, wie viel der Rentner hinzuver­dient.

Herr Schwarz bekommt 653 Euro Teilrente zusätzlich. Das Problem: Verdient er in drei Monaten im Jahr bis zum Doppelten der Hinzuver­dienst­grenze oder einmal mehr als das Doppelte der Hinzuver­dienst­grenze, fällt er auf die nächst­nied­rigere Stufe zurück.

Für Schwarz heißt das: Würde er, nachdem er anfäng­lich 2 265 Euro verdiente, künftig 2 500 Euro verdienen, bekäme er ab dem dritten Monat mit 2 500 Euro nur 435 Euro Rente statt 653 Euro. Würde er weniger als 1 700 Euro verdienen, käme er sofort auf 871 Euro Rente.

Flexi-Rente soll kommen

Nach Wunsch der Politik soll sich das bald ändern: Die Regierungs­koalition hat sich darauf verständigt, dass im Jahr 2017 die Flexi-Rente einge­führt werden soll. Eine der wichtigsten Änderungen: Die Höhe einer Teilrente soll sich nicht mehr aus starren Hinzuver­dienst­grenzen ergeben, sondern aus einer prozentualen Anrechnung des Gehalts.

Als Folge müssten Teilrentner nicht so penibel wie bisher darauf achten, wie viel genau sie hinzuver­dienen dürfen, bevor sie deutlich weniger Rente bekommen. Mehr Gehalt würde sich so auch insgesamt immer mehr lohnen. Dadurch wächst die Gestaltungs­möglich­keit, in welchem Umfang der Job weiter ausgeübt werden soll.

Der aktuelle Flexi-Plan

Wie die Flexi-Rente am Ende konkret ausgestaltet wird, entscheidet sich während des Gesetz­gebungs­verfahrens, das gerade erst begonnen hat. Karl Schiewerling, arbeits­markt- und sozial­politischer Sprecher der CDU/CSU-Bundes­tags­fraktion, sagt: „Eine Koalitions­arbeits­gruppe hat einen Abschluss­bericht vorgelegt. Derzeit wird ein Gesetz­entwurf erarbeitet.“ Man versuche, ihn noch vor der Sommer­pause im Juli fertigzubekommen.

Der Bericht sieht vor, dass das Brutto­gehalt, das über einen jähr­lichen Frei­betrag von 6 300 Euro, das wären 525 Euro im Monat, hinaus­geht, zu 40 Prozent auf die Rente ange­rechnet wird.

Beispiel: Ein Angestellter von 64 Jahren mit reduzierter Arbeits­zeit verdient noch 1 525 Euro. Er hat Anspruch auf eine Rente in Höhe von 1 000 Euro. Von seinem Gehalt wird der Frei­betrag von 525 Euro abge­zogen. Bleiben 1 000 Euro. Davon 40 Prozent sind 400 Euro. Seine Teilrente berechnet sich dann aus: 1 000 Euro Rente – 400 Euro Anrechnung = 600 Euro Teilrente.

Weniger Rente mit Flexi-Rente

Herr Schwarz, der während seines Arbeits­lebens über­durch­schnitt­lich verdient hat, würde mit der neuen Regelung etwas schlechter­gestellt als bisher. Bei einem Verdienst von 2 265 Euro würde er nicht wie bisher 653 Euro Teilrente bekommen, sondern nur noch 610 Euro.

Das betrifft alle Menschen mit einem ähnlichen Erwerbs­verlauf wie in unserem Musterfall, die am oberen Rand der Anrechnungs­grenzen verdienen und eine Teilrente beziehen (siehe Grafik). Sie werden durch die neue Regelung schlechter­gestellt. Menschen mit eher geringeren Hinzuver­diensten inner­halb der Grenzen werden wiederum bessergestellt.

Je weniger Entgelt­punkte ein Versicherter in den letzten drei Jahren vor Beginn der ersten Alters­rente gesammelt hat und je weniger er hinzuver­dient, umso mehr profitiert er von der neuen Flexi-Regelung.

Bei Versicherten, die während ihres Berufs­lebens gut verdient haben und eine hohe Rente erwarten, sieht das anders aus. Wenn sie ihren Hinzuver­dienst optimieren und an den oberen Rändern der Hinzuver­dienst­grenzen verdienen, bekommen sie nun weniger Teilrente als ohne die geplante Flexi-Rente.

Geplante Flexi-Rente: Nachteil für unseren Musterfall

Auswirkung der Flexi-Rente auf unseren Teil­zeit-Rentner Schwarz: Mit seinem vergleichs­weise hohen Hinzuver­dienst von 2 265 Euro bekäme er eine geringere Teilrente als heute (roter Bereich) – 610 statt 653 Euro. Mit einem Einkommen ­unter etwa 2 150 Euro hätte er mehr Teilrente als heute (grüner Bereich). Quelle: Eigene Berechnung. Die Grafik ist nicht auf andere Gehälter und Rentenhöhen über­trag­bar.

Spezielle Verträge für Alters­teil­zeit

Von der Flexi-Rente unbe­rührt bleiben Alters­teil­zeitmodelle, die mit dem Arbeit­geber ausgehandelt werden. Beliebt ist dabei vor allem das sogenannte Block­modell, das aus zwei Zeitblöcken besteht. Im ersten Zeit­block arbeitet der Arbeitnehmer voll weiter, bezieht aber nur das halbe Gehalt. Dafür arbeitet er im zweiten Block nicht mehr, bezieht aber sein Alters­teil­zeit­gehalt weiter. Wie lang die Blöcke sein müssen, ist nicht fest­gelegt.

Es ist auch eine Alters­teil­zeit­regelung möglich, in der einfach durch­gängig weniger gearbeitet wird, ohne komplett früher aufzuhören zu arbeiten.

Diese Alters­teil­zeit­regelungen können allerdings nur Arbeitnehmer nutzen, für die ein entsprechender Tarif­vertrag, eine Betriebs­ver­einbarung oder eine persönliche Vereinbarung gelten. Sie müssen mindestens 55 Jahre alt sein und in den vergangenen fünf Jahren mindestens drei Jahre lang in die Arbeits­losen­versicherung einge­zahlt haben.

20 Prozent mehr vom Chef

Der Vorteil der Alters­teil­zeit­regelungen am Arbeits­platz: Wenn der Arbeit­geber eine solche Regelung anbietet, ist er verpflichtet, den nun geringeren Verdienst um mindestens 20 Prozent aufzusto­cken.

In einigen Branchen bekommen die Arbeitnehmer in Alters­teil­zeit sogar noch mehr als gesetzlich vorgeschrieben. Wo die Tarif­partner höhere Gehälter vereinbart haben, können sich die Arbeitnehmer freuen. Dies gilt zum Beispiel für die Beschäftigten der Metall- und Elektro­industrie. In der untersten Gehalts­gruppe zahlt der Arbeit­geber hier für die Hälfte der Arbeits­zeit 88 Prozent des vorigen Gehalts.

Außerdem muss er zusätzliche Renten­versicherungs­beiträge auf der Grund­lage von mindestens 80 Prozent des bisherigen Gehalts zahlen. Damit wird die Rente des Arbeitnehmers noch einmal erhöht. Die Alters­teil­zeit muss mindestens gewährt werden, bis der Arbeitnehmer Anspruch auf eine Alters­rente hat.

Die Verbreitung der Alters­teil­zeit in Unternehmen hat abge­nommen, seitdem Ende 2009 die Förderung der Alters­teil­zeit durch die Bundes­agentur für Arbeit ausgelaufen ist. Es gibt aber weiterhin Rege­lungen in etlichen Unternehmen und Tarif­verträgen.

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