Interview: Tricks für weniger Steuern und höhere Rente

Frank Heidemann kennt sich aus mit dem Thema Rente. Seit 1999 ist er Berater bei der Auskunfts­stelle der Deutschen Renten­versicherung Bund in Berlin und hat bereits mehreren Tausend Bürgern zu ihren Renten verholfen. Er erklärt, warum es besser ist, Sonderzah­lungen an die Rentenkasse zu splitten.

Wann sollten Versicherte, die früher in Rente wollen, zu Ihnen kommen?

Heidemann: Am besten einige Jahre bevor Sie in Rente gehen wollen – für mehr Entscheidungs­spielraum.

Einige Jahre?

Heidmann: Ja. Versicherte können die Abschläge bei einer vorzeitigen Rente mit einer Sonderzahlung ausgleichen. Bei Summen von mehreren Zehn­tausend Euro kann es sinn­voll sein, diese über mehrere Jahre zu verteilen.

Wäre es nicht praktischer, zu Renten­beginn alles auf einmal zu zahlen?

Heidemann: Das geht auch. Steuerlich ist das manchmal ungünstig.

Warum?

Heidemann: Versicherte können die Sonderzah­lungen bis zu einer Grenze als Alters­vorsorgeaufwand steuerlich geltend machen. Eine größere Summe kann die Höchst­grenze aber schnell über­steigen. Der Betrag über der Grenze wirkt sich dann nicht mehr steuer­mindernd aus. Würde man diesen Teil im nächsten Jahr über­weisen, könnte man den Steuer­vorteil wieder nutzen.

Wo liegt die Grenze?

Heidemann: In diesem Jahr berück­sichtigt das Finanz­amt bei Ledigen bis zu 18 669 Euro als Alters­vorsorgeaufwendungen; bei Verheirateten bis zu 37 338 Euro. Allerdings zählen unter anderem auch Renten­versicherungs­beiträge aus einer Beschäftigung dazu. Der Betrag, den Versicherte dann für die Sonderzahlung tatsäch­lich noch steuer­mindernd nutzen können, kann dadurch deutlich geringer ausfallen. Steuerberater oder Lohn­steuer­hilfe­ver­ein beraten hierzu.

Wann kann ich frühestens mit diesen Sonderzah­lungen beginnen?

Heidemann: Derzeit mit 55 Jahren. Es gibt jedoch Über­legungen, die Grenze auf 50 Jahre abzu­senken.

Können auch Versicherte, die nicht vorzeitig in Rente wollen, mit Sonderzah­lungen ihre Rente erhöhen?

Heidemann: Indirekt. Kommen Sie mit etwa 55 Jahren zu uns, lassen Sie sich ausrechnen, wie hoch Ihre Sonderzahlung sein muss, um Abschläge bei einem vorzeitigen Renten­beginn auszugleichen, und zahlen diese ein. Später entscheiden Sie, doch nicht vorzeitig in Rente zu gehen. Schließ­lich können sich Planungen ändern. Die Sonderzahlung gleicht dann keine Abschläge aus, sondern erhöht Ihre Rente.

Ist das ein Trick?

Heidemann: Ja, ein völlig legaler.

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