Viele Berufs­tätige zieht es vorzeitig in den Ruhe­stand. Dafür verzichten sie auf einen Teil ihrer Rente. Damit das Geld im Alter trotzdem reicht, sollten sie ihren Absprung aus dem Job gut vorbereiten.

Bis 65 arbeiten – oder sogar länger? Für viele Berufs­tätige kommt das nicht infrage: Sie wollen früher in den Ruhe­stand gehen. Im Jahr 2011 ist fast jeder zweite Neurentner vorzeitig aus dem Job ausgeschieden, ermittelte die Deutsche Renten­versicherung. Im Durch­schnitt waren die Neurentner 63,5 Jahre alt – und nicht wie gesetzlich vorgesehen 65 Jahre. Der vorzeitige Ruhe­stand kostete die Frührentner im Schnitt knapp 110 Euro pro Monat.

Frühere Rente kostet doppelt

Den früheren Ruhe­stand bezahlen Senioren mit Abzügen bei der Rente. Der Grund: Wer sich vorzeitig zur Ruhe setzt, muss einen Abzug hinnehmen – 0,3 Prozent für jeden Monat, den er sich früher zurück­zieht. Verabschiedet sich etwa ein Angestellter zwei Jahre vor der offiziellen Alters­grenze aus dem Job, verzichtet er lebens­lang auf 7,2 Prozent (24 Monate x 0,3 Prozent) der Rente. Von beispiels­weise 1 600 Euro im Monat bleiben nur 1 484,80 Euro – ein Minus von 115,20 Euro.

Damit nicht genug. Ansprüche von Frührentnern fallen sowieso etwas nied­riger aus. Die Rentenhöhe hängt entscheidend davon ab, wie viele Beiträge jemand im Laufe des Arbeits­lebens einzahlt. Wer nicht bis zur vorgesehenen Alters­grenze arbeitet, über­weist weniger an die Rentenkasse.

Lange Warte­zeit zahlt sich aus

Anspruch auf eine sogenannte Regel­alters­rente hat grund­sätzlich jeder, der mindestens fünf Jahre renten­versichert war und alt genug ist. Seit 2012 steigt das Eintritts­alter stufen­weise von 65 auf 67 Jahre an. Davon sind alle Jahr­gänge ab 1947 betroffen (siehe Tabelle). Wer bestimmte Vorgaben erfüllt, kann sich aber auch künftig vorzeitig zur Ruhe setzen.

Rente ab 65. Alle, die mindestens 45 Jahre renten­versichert waren, können mit 65 die erste Rente beziehen. Sie gelten als „besonders lang­jährig Versicherte“. Ihre Rente wird nicht gekürzt – egal, in welchem Jahr sie geboren sind. Für die Mindest­versicherungs­zeit, auch Warte­zeit genannt, zählen bei diesem Modell unter anderem Zeiten, in denen Versicherte Pflicht­beiträge geleistet haben. Zeiten der Arbeits­losig­keit bleiben aber außen vor.

Rente ab 63. Erwerbs­tätige, die mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse einge­zahlt haben, können eine „Alters­rente für lang­jährig Versicherte“ beantragen. Die Vorgaben für die Warte­zeit sind hier weniger streng – es zählen zum Beispiel auch Phasen der Arbeits­losig­keit. Soll die erste Rente aber bereits mit 63 Jahren fließen, zieht der Renten­versicherer bis zu 14,4 Prozent von den Ansprüchen ab.

Rente ab 60. Versicherte, die bis Ende 1951 geboren wurden sowie einen Grad der Behin­derung von mindestens 50 Prozent und 35 Jahre Warte­zeit aufweisen, dürfen ab 60 in Rente gehen. Für jüngere Jahr­gänge steigt das Mindest­alter der „Alters­rente für schwerbehinderte Menschen“ auf 62 Jahre an. Wer sich zum frühest­möglichen Zeit­punkt zur Ruhe setzt, muss aber auf 10,8 Prozent seiner Rente verzichten.

Lässt die Gesundheit keine oder kaum noch Arbeit zu, kann auch deutlich vor dem 60. Geburts­tag eine Rente fließen – dann jedoch nicht als Alters-, sondern als Erwerbs­minderungs­rente. Diese wird später in eine Alters­rente umge­wandelt.

Noch können Versicherte vorzeitig auch eine „Alters­rente für Frauen“ und eine „Alters­rente wegen Arbeits­losig­keit oder nach Alters­teil­zeit­arbeit“ bekommen. Diese zwei Renten­arten gibt es aber nur noch für Versicherte, die bis Ende 1951 geboren wurden.

Sonderfälle profitieren extra

Bei den vorgezogenen Alters­renten gelten für einzelne Versicherte etwas güns­tigere Vorgaben, etwa für frühere Arbeitnehmer im Berg­bau. Je nach Geburts­jahr können sie zum Beispiel mit 62 statt mit 63 Jahren als „lang­jährig Versicherte“ in Rente gehen.

Besonders beliebt als Modell für den vorzeitigen Ruhe­stand war über viele Jahre die Alters­teil­zeit, die lange von der Bundes­agentur für Arbeit unterstützt wurde. Diese Förderung existiert zwar nicht mehr. Dennoch können Angestellte weiterhin Alters­teil­zeit vereinbaren. In Absprache mit ihrem Chef arbeiten sie beispiels­weise Voll­zeit weiter, bekommen jedoch ein reduziertes Gehalt. Im Anschluss bleiben sie zuhause und erhalten weiter Geld vom Betrieb. Eine Rente bekommen sie erst danach.

Recht­zeitig planen

Welche Rente kommt infrage und wie hoch wird sie sein? Einen ersten Über­blick können sich Berufs­tätige mithilfe der Informationen verschaffen, die die Deutsche Renten­versicherung regel­mäßig verschickt (siehe „Gut informiert“).

Genauere Angaben, zum Beispiel wann die Warte­zeit je nach Renten­art erfüllt ist, bekommen Interes­senten, wenn sie sich von der Renten­versicherung beraten lassen. Adressen von Beratungs­stellen erhalten sie über die kostenlose Hotline 0 800/10 00 48 00 und im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de.

Sobald geklärt ist, was von der Rentenkasse zu erwarten ist, sollten Aussteigewil­lige ihre privaten Finanzen prüfen und optimieren (siehe „Checkliste Persönlicher Fahrplan“). Um das Minus bei der gesetzlichen Rente auszugleichen, kommen zum Beispiel eine private Renten­versicherung oder Spar­anlagen der Banken infrage.

Frührentner in spe können auch eine größere Summe an die gesetzliche Rentenkasse über­weisen: So vermeiden sie den Abschlag und erhalten die komplette Rente, obwohl sie vorzeitig in den Ruhe­stand gehen. Eine Sonderzahlung an die Rentenkasse kann sich lohnen, etwa um den Ehepartner etwas besser abzu­sichern. Je üppiger die eigene Alters­rente, desto höher fällt im Ernst­fall die Hinterbliebenenrente aus.

Häufig dürfte es aber rent­abler sein, das Geld in andere Anlagen zu investieren. Der steuer­pflichtige Anteil gesetzlicher Renten ist höher als beispiels­weise der privater Renten. Für gut situierte Senioren rechnet sich eine private Police somit oft besser.

Abgaben auch im Alter

Ob Ruhe­ständler Steuern zahlen müssen, hängt unter anderem vom Jahr des Renten­beginns ab. Danach bemisst sich der steuer­pflichtige Anteil der Rente. Zu dieser Summe sind weitere Einnahmen wie Zinsen oder Mieten zu addieren. Liegt am Ende das zu versteuernde Gesamt­einkommen über 8 130 Euro im Jahr, fallen Steuern an. Auch Sozial­abgaben schmälern die Rente. Gesetzlich Kranken­versicherte zahlen monatlich einen einkommens­abhängigen Beitrag zur Kranken- und Pflege­versicherung. Privatversicherte leisten ihren Beitrag unabhängig von der Rentenhöhe.

Jobben neben der Rente

Wollen Frührentner ihr Konto aufbessern, können sie problemlos bis zu 450 Euro im Monat verdienen. Jeder Euro mehr geht zu Lasten der gesetzlichen Rente. Um wie viel sie bei höherem Verdienst im Einzel­fall gekürzt wird, hängt von den Einkünften in den drei Jahren vor Renten­beginn ab. Sobald ein Senior das Alter für die Regel­alters­rente erreicht, entfallen die Ober­grenzen.

An diesen Regeln könnte sich in absehbarer Zeit etwas ändern. Ein Gesetz­entwurf lässt Frührentnern mehr Spielraum: Jeder soll künftig so viel nebenbei verdienen dürfen, dass er aus Gehalt und Rente auf eine Summe kommt, die dem Brutto­einkommen aus seinem früheren Job entspricht. Damit wäre der vorzeitige Rück­zug aus dem Berufs­leben leichter zu verkraften.

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