Früchtetees Test

Wir haben 40 Früchtetees auf Pestizide geprüft und können – anders als im Jahr 2001 – Entwarnung geben.

Bei Früchteteeliebhabern saß der Schock tief: Von 50 Tees, die die Stiftung Warentest im Jahr 2001 untersuchte, waren gleich 21 stark mit Pestiziden belastet. Anlass genug, die Tees erneut unter die Lupe zu nehmen.

Etwa ein Kilogramm Früchtetee kauft jeder Deutsche pro Jahr, Tendenz steigend. Die aktuelle Untersuchung zeigt: Die meisten Tees können ganz beruhigt getrunken werden. Kein einziger der 40 auf Rückstände getesteten Früchtetees ist stark belastet. Das heißt, bei keinem liegt der Pestizidge­halt über der gesetzlich zulässigen Höchstmenge. Fast jeder zweite Tee ist sogar überhaupt nicht oder nur sehr gering belastet.

Zweifelhafter Genuss in fünf Fällen

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Bei fünf Tees finden sich jedoch deutliche Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Deutlich belastet heißt: Bei diesen Früchtetees überschreitet der Wert für ein gefundenes Pestizid oder auch für mehrere Pestizide 50 Prozent der Höchstmenge.

Mit Cornwall Tropic Royal und Cornwall Wildapfeltee Big Apple trifft das auf gleich zwei Tees der Marke Norma zu, auch euro-tea ist mit zwei Früchteteemischungen in dieser Sparte vertreten, außerdem Rossmann mit Früchtetee Tropicana. Vier dieser fünf Tees bergen einen wahren Pestizid-Cocktail: In jedem fanden wir mehr als zehn Pestizide. Tropic Royal von Norma vereint in seiner Mischung gar 17 Pflanzenschutzmittel und ist mit dieser Zahl fragwürdiger Spitzenreiter der Untersuchung. An zweiter Stelle der mehrfach belasteten Tees liegt der Goldmännchen-Tee Apfelfrucht mit 16 Pestiziden. In ihm sind die Mengen der Pflanzenschutzmittel jedoch so klein, dass der Tee noch als gering belastet gilt.

Apfel als Risikofaktor?

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Auf einer Apfelplantage werden Pestizide versprüht. Die Rückstände dieser Mittel findet der Verbraucher dann manchmal in seinem Früchtetee wieder.

Besonders auffällig: Bei allen deutlich belasteten Tees sind Äpfel und Apfelschalen wesentliche Bestandteile in den Zutatenlisten. In getrockneter Form werden Äpfel hauptsächlich aus der Türkei und China importiert. Zum Teil glänzen sie dann mit einem ganzen Rückstandsspektrum von Pyrethroiden über Organophosphaten bis zu Endosulfan. In der Landwirtschaft werden diese Mittel vor allem zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Über das Zusammenwirken verschiedener Pestizide im menschlichen Organismus ist noch recht wenig bekannt. Deshalb sollten die Pestizidaufnahme und so auch mögliche Risiken minimiert werden.

Auf 440 Pestizide untersucht

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Die hohe Anzahl gefundener Pestizide ist unter anderem auf verbesserte Analy­se­methoden zurückzuführen. Während wir die Früchtetees im Jahr 2001 auf etwa 260 Pflanzenschutzmittel untersuchten, waren es jetzt schon 440. Das etablierte Pestizid-Screening erweiterten wir um eine relativ neue Methode, mit der wir vor allem wasserlöslichen Pestiziden auf die Schliche kamen. Umso erfreulicher ist die große Anzahl „sauberer“ Produkte.

Kinder- und Biotees „sauber“

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Früchtetee: Für Kinder geeignet.

Fünf der sechs Bio-Tees machen ihrem Namen alle Ehre und sind überhaupt nicht belastet. Im Bio-Kindertee Lebensbaum Janosch Süßschnabel mit Kräutern haben wir zwar geringe Pestizidmengen gefunden; er erfüllt aber noch die Anforderungen an ein Bioprodukt. Auch die anderen drei Kindertees sind in Ordnung. Der Bio-Kindertee von Oasis ist gar nicht belastet, die restlichen nur gering.

Fragt sich nur noch, was den Kindertee zum Kindertee macht. Ganz schlicht: überhaupt nichts. Kindertees müssen sich im Vergleich zu konventionellen Früchtetees durch keine speziellen Zutaten hervortun. Bleibt meist nur noch die bunte Verpackung, die zum Kauf animieren soll. Dafür fallen die Tees für die Kleinen beim Preis groß auf: Zwei gehören zu den teuersten Produkten im Test.

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