Früchtemüslis Test

Alle 22 Müslis im Test verleihen die nötige Energie am Morgen. Doch außer Rosinen stecken oft kaum andere Früchte drin.

Wer die Bestandteile eines Früchtemüslis auseinanderklamüsert, könnte leicht ins Rätseln kommen. Wenn es darum geht, Dattel- von Feigenstücken oder Aprikosen- von Pfirsichstücken zu unterscheiden, wird es knifflig. Die auf den Verpackungen so appetitlich in Szene gesetzten Früchte – meist Äpfel, Feigen, Himbeeren ­– sind im Müsli zu winzigen getrockneten Teilchen geschrumpft und kaum wiederzuerken­nen. So ist das bei einem Fertigprodukt.

Trotzdem kann der Kunde vom Früchtemüsli erwarten, zwischen Getreideflocken und Nüssen eine große Fruchtvielfalt zu finden. Da es für den Fruchtgehalt aber keine vorgeschriebene Mindestgrenze gibt, haben die Hersteller bei der Zusammensetzung freie Hand.

Drei Viertel sind Rosinen

Früchtemüslis Test

Fertigmüsli: Pro Jahr und pro Kopf werden bei uns 700 Gramm geknuspert.

Der von ihnen selbst gewählte Fruchtanteil muss nur deutlich auf der Verpa­ckung stehen. Er variiert stark, wie unser Test von 22 Müslis zeigt: von 20 bis 50 Prozent. Oft tauchen fünf bis zehn Fruchtarten in der Zutatenliste auf. Vor allem aber eine: getrocknete Weinbeeren, sprich Rosinen. Sie dominieren in mehr als jedem zweiten Früchtemüsli. Überhaupt kommen Liebhaber dieser süßen Trockenfrüchte voll auf ihre Kosten. Die Hersteller mischen sie großzügig unter, wohl auch, weil sie günstig zu haben sind. Im Bio-Müsli von Rosengarten zum Beispiel machen Sultaninen drei Viertel des Fruchtanteils aus. Ähnlich viele sind es bei Aldi (Nord) und Penny, noch mehr bei Plus. Die beworbene Vielfalt täuscht also.

Bei dieser Überfülle an Trauben müssen andere Früchte untergehen. Vor allem dann, wenn sie in verschwindend kleinen Mengen zugegeben sind. Im Morning Sun Fruit Muesli von Plus steckten sieben Früchte zu gerade mal je 0,3 Prozent, trotzdem wird mit einigen von ihnen extra auf der Packung geworben. Für die Deklaration gab es deshalb nur „ausreichend“.

Ausgewogene Fruchtmischungen fanden sich anderswo: etwa bei Brüggen. Da im Test keine Frucht höher bewertet wurde als die andere, also auch die Fülle an Rosinen nicht als negativ galt, erhielt der überwiegende Teil der Müslis in der Sensorik und im Gesamturteil „gut“.

Kost für „Frucht-und Pflanzenesser“

Müslis enthalten Zerealien, Speisen aus Getreide, benannt nach der römischen Göttin des Ackerbaus Ceres. Sie gehören zu den stark bearbeiteten Lebensmitteln (siehe „Das steckt im Müsli“). Der Urvater des Müslis, der Schweizer Arzt Maximilian Bircher-Benner, hätte wohl eher von ihnen abgeraten: Seinen Patienten setzte er um 1900 nur unbearbeitete pflanzliche Rohkost vor. Der Mensch war für ihn von Natur aus ein Frucht- und Pflanzenesser. Zu seinem Müsli aus Haferflocken und Nüssen tischte er viel frisches Obst auf, vor allem geriebene Äpfel (siehe Rezept in „Das Original-Bircher-Müsli“).

Weil die Industrie seinen Flockenbrei neu erfand, süße Cornflakes und Getreidemischungen beifügte, haben die Müslis von heute wenig mit dem Schweizer Original gemeinsam. Die 22 getesteten Müslis kommen zwar alle ohne Zuckerzusatz aus, süß sind sie trotzdem. Das liegt nicht nur am fruchteigenen Zucker der Trockenfrüchte. Es wird auch nachgesüßt: So werden Bananenchips in Kokosfett frittiert und dann in eine Rohrzucker-Honig-Lösung getunkt.

Ideal zum Energietanken

Gut 100 Jahre nach Bircher-Benner steht das Fertig-Früchtemüsli hoch in der Verbrauchergunst und hält einen Marktanteil von 27 Prozent. Nur Knuspermüsli wird noch häufiger zum Frühstück gelöffelt, auch Schoko-Varianten sind beliebt.

Das Frühstück gilt als die wichtigste Mahlzeit, um den Energiespeicher für den Tag aufzuladen. Müsli ist dafür ideal, denn es liefert ein ausgewogenes Verhältnis an Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett, dazu Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe. Bei einer Portion von fünf Esslöffeln Müsli und 125 Milliliter Vollmilch decken alle getesteten Produkte von der empfohlenen Energiezufuhr eines Erwachsenen am Morgen (zirka 550 Kilokalorien) etwa die Hälfte ab. Wer die volle Energie tanken will und nicht auf Diät ist, kann die Portion vergrößern oder ein belegtes Brötchen zusätzlich essen.

Günstig beim Müsli ist zudem, dass die meisten Kohlenhydrate aus Getreide vom Körper langsamer verwertet werden als der Zucker: Die Energie kann lange gehalten werden. Da in den Müslis auch viele Ballaststoffe stecken, wurde ihr Nährwert (siehe Tabellen: Spalte „ernährungsphysiologische Qualität“) mit „gut“ beurteilt.

Spielberger und Tip „mangelhaft“

Wer Früchtemüsli isst, will auch seiner Gesundheit Gutes tun. Zwei Produkte fielen da unangenehm aus dem Rahmen: Im Cornflakes-Anteil von Spielberger und Tip fanden die Tester zu hohe Gehalte an Fumonisinen, das sind Gifte von Pilzen. Diese können den Mais vor und nach der Ernte befallen und stehen im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erzeugen. Für beide Müslis gabs „mangelhaft“.

Auch Seitenba­cher, der Anbieter mit dem bekannten „Lecker, lecker, lecker“- Slogan, bekam nur „ausreichend“. Sein Müsli steckt in einer Tüte ohne Schweißnahtverschluss, was im Handel und zu Hause nicht gut vor Schädlingen schützt.

Vorbild Bircher-Benner

Zum Abschluss noch ein paar Tipps für richtige Genießer: Die getrocknete Frucht im Müsli braucht zum Quellen Milch oder Jogurt – und einige Minuten Zeit. Wer aber zu lange wartet, dem weichen die Haferflocken auf, sie verlieren ihren Biss. Wem die getrockneten Früchte nicht reichen, der kann natürlich weiteres Obst hinzufügen. Oder – am besten ganz in der Tradition von Bircher-Benner – alle Zutaten selbst frisch zusammenstellen.

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