Fritteusen Test

Höhere Acrylamidwerte in Backofen-Pommes machen die Fritteuse wieder attraktiv. Von 17 Geräten im Test erhielten aber nur zwei ein „Gut“. Harsche Kritik gab es für zu hohe Temperaturen und „zu heiße“ Empfehlungen.

Ungesund, fettig, heiß und ein Geruch wie in der Frittenbude – Fritteusen wecken unangenehme Assoziationen. Ob das zu Recht so ist, wollten wir wissen, und nahmen 17 Geräte unter die Lupe. Das Ergebnis: Ausgereift sind sie noch lange nicht, nur zwei bekamen ein „Gut“. Neue Design-Ideen und Bedienungsdetails wecken zwar wieder das Interesse. Doch der Appetit auf Frittiertes vergeht bei einem Blick auf die Zubereitungsempfehlungen: Wer sie befolgt, schadet seiner Gesundheit.

Der Grund dafür heißt Acrylamid. Beim Frittieren stärkehaltiger Lebensmittel entsteht ab 175 Grad sprunghaft mehr von dieser wahrscheinlich Krebs erregenden Substanz. Doch in den Bedienungsanleitungen aller getesteten Geräte ist davon keine Rede. Vielmehr empfehlen die meisten 190 Grad, zum Beispiel für Tiefkühlpommes. Auch die Angaben auf dem Gerät selbst sehen oft 190 Grad vor. Die Zeit seit Aufkommen der Acrylamidproblematik im Frühjahr 2002 haben die Hersteller nicht genutzt, um hier nachzubessern. Diese Art der Zubereitungsempfehlung haben wir durchweg mit „mangelhaft“ bewertet.

Acrylamid-Vorsorge: Fehlanzeige

Fritteusen Test

Die Stiftung Warentest rät, bei höchstens 170 Grad zu frittieren. Deshalb legten wir besonderes Augenmerk darauf, wie exakt sich die Temperatur einstellen lässt. Nicht nur eine zu hohe mittlere Temperatur ­– wie sie bei De Longhi F 626 gemessen wurde –, sondern auch eine kurzfristig auftretende Öltemperatur über 182 Grad wurde von uns wegen des Risikos erhöhter Acrylamidbildung mit „mangelhaft“ beurteilt. Ebenfalls „mangelhaft“: Die Siemens TG 11101 bietet überhaupt nur vier Temperaturstufen an. Wie viel Grad dahinter stecken, bleibt für den Nutzer unklar. Zur Orientierung: Wir haben bei Stufe eins rund 157 Grad und bei Stufe zwei knapp 176 Grad gemessen.

Insgesamt gibt es bei der Mehrheit der geprüften Geräte technischen Nachholbedarf für eine einwandfreie Einstellung der Temperaturkonstanz, zum Teil auch der mittleren Temperatur. Noch schwerer wiegt: Bei sieben Geräten traten bei der Einstellung 170 Grad deutlich höhere Öltemperaturen auf, die vermehrte Acrylamidbildung zur Folge haben können.

Gut, dass es da Alternativen gibt: Bei Siemens TG 32001 (baugleich Bosch TFB 3201) stimmen eingestellte und tatsächliche Öltemperatur „sehr gut“ überein und auch die Temperaturkonstanz ist „gut“. Und noch eine gute Nachricht für alle, die bei 170 Grad frittieren wollen: Öl muss keinesfalls heißer sein, um Pommes frites goldgelb auszubacken.

Frittieren ohne Gerüche – das geht nicht. Aber Gestank wie in der Imbissbude muss zu Hause keiner mehr ertragen. Besonders effektives Mittel: Deckel selten öffnen. Dabei hilft eine Funktion, über die zehn Geräte im Test verfügen: Ihr Frittierkorb lässt sich bei geschlossenem Deckel absenken, anheben oder zum Abtropfen einrasten. So wird frittiert, ohne dass die ganze Zeit über Geruch entweicht. Übrigens: Metalldauerfilter filtern nur Fettpartikel aus dem Wasserdampf, Filter mit Aktivkohle binden hingegen auch Gerüche. Sie müssen jedoch regelmäßig erneuert werden.

Herausforderung Handhabung

Da beim Frittieren immer mit heißem Fett oder Öl hantiert wird, ist Mitdenken gefragt. Gut, wenn auch bei der Fritteusenkonstruktion mitgedacht wurde. Das ist bei jenen zwölf Geräten der Fall, bei denen sich der am Gehäuse befestigte Deckel per Knopfdruck öffnen lässt. Die drei losen Deckel im Test stehen ihren im Design eher ungewöhnlichen Fritteusen zwar gut, stören aber in der Praxis: Sie müssen nicht nur abgenommen und irgendwo hingelegt werden, sondern sind außerdem heiß. Und tropft beim Abnehmen Kondenswasser ins heiße Fett, kann das gefährlich spritzen.

Die meisten Nerven kostet die Handhabung der F 205 von Solac, mit 35 Euro billigste Fritteuse im Test: Neben anderen Minuspunkten ärgert vor allem, dass ihr Korbgriff nach dem Absenken jedes Mal abmontiert werden muss, um mit geschlossenem Deckel zu frittieren.

Achtung, Verbrennungsgefahr!

Bei der zweiten Solac-Fritteuse, der Professional F 653, werden mehrere Stellen am Gehäuse sowie die Tragegriffe so heiß, dass Verbrennungsgefahr besteht. Auch die Steba DF-160 weist außen hohe Temperaturen auf. Generell gilt: Die Sichtfenster, die während des Frittierens ohnehin fast durchgängig beschlugen, sollte man nicht berühren. Kinderhände dürfen nicht in ihre Nähe kommen.

Das gilt besonders für die Onyx von Unold: Statt im blickdichten Kunststoffgehäuse wird hier in einer Glasschüssel mit einem breitmaschigen Metallgitter-Gestell frittiert. Das sieht zwar schön aus. Wer aber aus Versehen durch das Gitter aufs Glas fasst, den erwarten 144 Grad.

Weniger Öl dank rotierendem Korb

Neben Vorsicht sind beim Frittieren Geduld und Zeit erforderlich: Zum einen ist die Bedienungsanleitung genau zu studieren. Um Acrylamid zu vermeiden, empfiehlt es sich zum anderen, kleine Mengen auszubacken. Das dauert bei einem Vierpersonen-Haushalt: Neun Minuten nahm sich die langsamste Fritteuse allein zum Aufheizen Zeit, acht Minuten brauchten die Testfritten im schlechtesten Fall, um goldgelb zu werden.

Außerdem muss man das Öl nicht nur regelmäßig erneuern, sondern auch nach jedem Frittieren filtern. Um das zu erleichtern, haben beide De-Longhi-Geräte einen Schlauch, durch den das abgekühlte Öl in einen Behälter fließen kann. Ohnehin weniger Fett filtern muss, wer sich für die Rotofriteuse entscheidet: Da ihr Korb schräg im Fett rotiert, kommt sie mit nur 1,4 Liter Öl aus. Die anderen Geräte sind mit rund 2 bis 3 Litern zu füllen.

Kaltzone kann kalt lassen

Auch die Kaltzone, mit der sechs Geräte werben, soll dazu beitragen, das Öl seltener erneuern zu müssen: Niedrigere Temperaturen im unteren Bereich der Fritteuse sollen verhindern, dass herabgefallene Essensteile verbrennen. Bei der Steba DF-160 und der Solac Professional F 653 ist das Öl dort aber nicht deutlich kälter. Bei den anderen Kaltzonen-Fritteusen ist der Temperaturunterschied zwar größer. Außer bei den Testsiegern gleicht er sich aber nach Zubereitung mehrerer Portionen weitgehend aus.

Nicht nur beim Ausgießen des Fetts macht sich ein herausnehmbarer Frittiertopf bezahlt. Er ist auch leicht zu reinigen, kann sogar in die Spülmaschine.

Bei den Mengenangaben der Anbieter zum Frittiergut ist Misstrauen angebracht: Mehr als die Hälfte protzt auf dem Karton mit 1 000 Gramm. In der Anleitung ist für Tiefkühlpommes von maximal 700 bis 900 Gramm die Rede, „empfohlen“ werden 300 bis 450 Gramm.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2097 Nutzer finden das hilfreich.