Fremdwährungsdarlehen Meldung

Mit einem billigen Darlehen in Yen oder Schweizer Franken gehen Bauherren ein enormes Risiko ein.

Warum nicht Haus oder Wohnung mit einem Yen-Darlehen zum Zinssatz von 1,5 Prozent finanzieren? Oder vielleicht etwas solider mit einem Schweizer-Franken-Kredit zu 4,8 Prozent? Was für deutsche Häuslebauer eher exotisch klingt, ist unseren Nachbarn in Österreich gut vertraut. Seit ein paar Jahren boomt dort das Geschäft mit Fremdwährungskrediten. Yen-Darlehen und vor allem Schweizer-Franken-Kredite gehören schon zum Standardangebot der Banken, erhältlich bereits ab einer Darlehenssumme von umgerechnet rund 100.000 Mark.

Bislang ist die Welle nicht nach Deutschland herübergeschwappt. Doch die Nachfrage steigt. Und zunehmend sind auch deutsche Kreditinstitute zur Vergabe von Fremdwährungskrediten bereit.

Die Hürden sind allerdings hoch. Denn neben einer guten Bonität ist meist ein hoher Kreditbedarf erforderlich. So beträgt die Mindestsumme bei der Commerzbank und den Sparkassen in Leipzig und München 500.000 Mark. Die Debeka Bausparkasse, die Landesbank Hessen-Thüringen und die Vermittlungsgesellschaft Baufinanzierung.direkt steigen erst bei Krediten ab einer Million ein. Die Zielgruppe sind nicht Bauherren, die mit jeder Mark rechnen müssen, sondern vermögende Privatkunden mit "entsprechender Sensibilität für Chancen und Risiken", so die Bayerische Landesbank.

Spekulation auf starken Euro

Der Reiz der Fremdwährungskredite liegt in der zum Teil erheblichen Zinsersparnis durch das niedrige Zinsniveau in Japan und der Schweiz. So zahlen Kreditnehmer für Yen-Kredite je nach Zinsbindung mit nur 1,5 bis 3,5 Prozent meist deutlich weniger als die Hälfte der Zinsen einer herkömmlichen Finanzierung. Zusätzlich winken Währungsgewinne, falls sich der Euro erholt und so auch die Mark gegenüber dem Kurs der Fremdwährung steigt. Geht die Spekulation auf, muss der Baufinanzierer für die Rückzahlung des Kredits weniger Mark aufwenden, als er bekommen hat.

Leider hat die Sache einen Haken: Niemand weiß, wie sich der Kurs des Yen, des Dollar oder des Franken in den nächsten Monaten oder gar Jahren entwickeln wird. Die Spekulation kann auch gewaltig danebengehen.

Risiko Wechselkurs

Wer zum Beispiel im Oktober 1998 einen Baukredit in Yen von umgerechnet 500.000 Mark zum Zinssatz von nur 1,5 Prozent aufgenommen hat, steht heute vor einem Scherbenhaufen. Weil der Yen-Kurs zum Euro um satte 79 Prozent in die Höhe schoss, beläuft sich die Restschuld heute auf rund 890.000 Mark. Rechnet man den Währungsverlust mit ein, hat der Kredit bislang nicht 1,5 Prozent, sondern über 40 Prozent Zinsen pro Jahr gekostet.

Ein niedriger Zinssatz für einen Fremdwährungskredit sagt deshalb nicht das Geringste darüber aus, wie viel der Kredit tatsächlich kosten wird.

Im Vergleich zum rasanten Höhenflug des Yen verläuft die Kursentwicklung des Schweizer Franken gegenüber der Mark in ruhigen Bahnen. Das Risiko ist deutlich niedriger als bei einem Yen-Kredit. Dafür fällt jedoch der Zinsvorteil bescheiden aus.

So verlangten Banken im September für einen Franken-Kredit mit fünfjähriger Zinsbindung einen Effektivzins von rund 5,2 Prozent. Der lag nur einen Prozentpunkt unter dem Zinssatz für ein Darlehen in heimischer Währung. Schon bei einem Kursanstieg des Franken um durchschnittlich einen Pfennig pro Jahr wäre der Zinsvorteil dahin.

Das kann schnell passieren. Beispiel: Um 500.000 Mark zu erhalten, mussten Kreditnehmer Anfang des Jahres einen Kredit in Höhe von 410.000 Schweizer Franken aufnehmen. Ende September betrug diese Schuld in Mark umgerechnet stolze 530.000 Mark, weil der Franken-Kurs um 6 Prozent gestiegen ist. Im Vergleich zum Stand zu Beginn des Jahres 1997 ist der Schweizer Franken gegenüber der Mark sogar um über 12 Prozent teurer geworden.

Zusätzliche Risken

Das Wechselkursrisiko ist bei Fremdwährungsdarlehen das entscheidende, aber nicht das einzige Risiko:

- Fremdwährungskredite werden oft zu variablen Zinssätzen angeboten, die zum Beispiel alle drei oder sechs Monate der Zinsentwicklung auf dem Geldmarkt angepasst werden. Das bringt zwar den Vorteil, dass der Kreditnehmer kurzfristig wieder aussteigen kann. Doch dafür muss er mit steigenden Zinsen rechnen. Schon jetzt zeigt der Zinstrend nach oben ­ und am Markt für kurzfristiges Geld sind die Zinsschwankungen besonders hoch.

- Fremdwährungskredite werden oft im Paket mit dem Abschluss eines Aktienfondssparplans oder einer fondsgebundenen Lebensversicherung angeboten. Mit dem so angesparten Kapital soll der Kredit später zurückgezahlt werden. Das lohnt sich, wenn der Fonds oder die Versicherung eine höhere Rendite bringt, als der Kredit effektiv kostet. Bei einem niedrigen Darlehenszins ist das scheinbar locker zu schaffen. Doch wenn der Preis für das Darlehen durch einen steigenden Kurs der Fremdwährung in die Höhe klettert und der Fonds weniger bringt als erhofft, droht das finanzielle Desaster. "Harakiri-Paket" nennt deshalb das östereichische Verbrauchermagazin "Konsument" die Kombination aus Währungskredit und Fondssparvertrag.

Hohe Sicherheiten

Die hohen Risiken der Fremdwährungskredite sind auch den Banken bewusst. Kreditnehmer müssen deshalb Sicherheiten stellen, deren Wert die Darlehenssumme um bis zu 25 Prozent übersteigt. Darüber hinaus sind im Kreditvertrag so genannte Schwellenklauseln üblich: Steigt der Kurs der Währung über einen festgelegten Wert, ist die Bank berechtigt, zusätzliche Sicherheiten zu fordern. Kann der Kreditnehmer die nicht bringen, drohen harte Konsequenzen. Möglich ist zum Beispiel, dass die Bank dann auf Kosten des Kunden eine Kurssicherung vornimmt, den Kredit zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in Mark konvertiert oder ihn sogar kündigt.

Fazit: Die Aufnahme eines Fremdwährungskredits zur Hausfinanzierung ist letztlich eine riskante Währungsspekulation auf Pump. Natürlich kann man damit auch viel Geld verdienen. Vielleicht bringt die Zukunft einen kräftigen Anstieg des Euro. Risikofreudige Bauherren, die heute auf einen Fremdwährungskredit setzen, erzielen dann einen Riesengewinn. Mit einer soliden und halbwegs kalkulierbaren Finanzierung hat das aber nichts zu tun.

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