Wer keine Steuererklärung abgeben muss – etwa als Single, Studierender oder als Paar in bestimmten Steuerklassen – sollte dennoch aktiv werden. Einfach die wichtigsten Regeln befolgen, und schon sind mehrere hundert Euro vom Finanz­amt drin. Wer die Steuererklärung freiwil­lig macht, kann sich Zeit lassen. Bis Ende 2019 zum Beispiel ist noch Gelegenheit für die Steuererklärung 2015. Wer dann die Folge­jahre fix miterledigt, dem winken viele tausend Euro Erstattung.

Im Schnitt gibt es fast 1 000 Euro zurück

Die Zahl ist der Rede wert: 974 Euro erhält im Durch­schnitt jede Person, die in Deutsch­land eine Steuererstattung vom Finanz­amt bekommt. Doch wer nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, lässt sie meist sein. Schade ums Geld. Vor allem Singles, Ehepaare und Studierende haben Chancen, einiges zurück­zubekommen. Zusätzlich verfügen sie über zwei Joker: Sie können sich mehr Zeit lassen als andere, ihre Erklärung ans Finanz­amt zu schi­cken. Und falls sie sich verrechnet haben und Steuern nach­zahlen müssten, dürfen sie ihren Antrag zurück­ziehen.

Tipp: Wenn Sie es sich mit einem Steuer­programm noch einfacher machen wollen – hier geht es zum Test Steuerprogramme. Und wenn Sie unsere Steuertipps auf Papier schätzen – im Steuerratgeber von Finanztest finden sie alles, was Sie über Ihre Steuererklärung wissen müssen.

Auf diese Posten kommt es an

Wer weiß, was er beim Finanz­amt absetzen kann,erhöht seine Rück­zahlung. Wichtigster Posten für Arbeitnehmer sind Werbungs­kosten. Das sind alle Ausgaben, die für die Ausübung eines Berufs anfallen. Pauschal erkennt der Gesetz­geber 1 000 Euro im Jahr an. Wer mit einer Voll­zeitstelle mehr als 15 Kilo­meter zur Arbeit fährt, über­trifft die Pauschale bereits. Ab dann erhöht jeder Kilo­meter für den Weg zur Arbeit und jeder Euro für Ausgaben für Gewerk­schafts­beiträge oder Arbeits­mittel die Rück­zahlung.

Auch wer Hand­werker oder Haus­halts­hilfen beschäftigt hat, kann die Kosten dafür absetzen. Das gilt auch für Mieter, denn sie bezahlen über die Neben­kosten den Schorn­steinfeger oder Gärtner.

Erklärung noch für 2015 möglich

Steuer­pflichtige müssen die Erklärung für 2018 dem Finanz­amt bis 31. Juli 2019 vorlegen. Wer sie freiwil­lig macht, kann länger warten. Die Abgabe ist bis zu vier Jahre nach dem entsprechenden Steuer­jahr möglich. Es bleibt also noch bis Jahres­ende Zeit für die Steuererklärung 2015. Wer die Folge­jahre gleich miterledigt, dem winken Erstattungen über mehrere Tausend Euro.

Erstellen lässt sich die Erklärung mit Stift und Papierformularen (herunter­zuladen unter formulare-bfinv.de) oder komplett online über das Portal Elster.de. Belege zu den Angaben müssen Steuerzahler nicht einreichen. Das Finanz­amt kann sie aber anfordern. Deshalb sollten sie die Belege aufbewahren, bis der Bescheid da ist – hoffentlich mit einer satten Erstattung. 

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Für wen es sich lohnt, freiwil­lig abzu­geben

Grob gesagt ist die Steuererklärung freiwil­lig, wenn das Finanz­amt davon ausgehen kann, dass jemand entweder wegen geringer Einkünfte gar keine Steuern zahlen muss oder übers Jahr hinweg eher zu viel Steuern über­wiesen hat. Das trifft auf die unten aufgeführten Gruppen zu. Allerdings wird es auch für sie schnell zur Pflicht, eine Steuererklärung abzu­geben, wenn das Finanz­amt damit rechnen muss, noch zu Geld zu kommen. Das gilt etwa, wenn Einkünfte, etwa aus einem Neben­job oder Miet­einnahmen, noch nicht versteuert wurden.

Singles

Da Allein­stehende der Lohn­steuerklasse I zuge­ordnet werden, ist für sie die Abgabe der Steuererklärung freiwil­lig. Sie abzu­geben, zahlt sich für Singles dann aus, wenn sie hohe Ausgaben hatten. Der Klassiker: Die Kosten für den Arbeitsweg sind höher als die 1 000 Euro, die das Finanz­amt pauschal als Werbungs­kosten anerkennt. Weiter unten finden Sie eine Musterbe­rechnung.

Ehepaare – je nach Steuerklasse

Für Ehepaare ist die Abgabe der Steuererklärung freiwil­lig, wenn alle Einkünfte auf einen Allein­verdiener in Steuerklasse III fallen oder beide Partner zur Lohn­steuerklasse IV gehören. Bei der Kombination IV/IV sind die Voraus­zahlungen ans Finanz­amt in der Regel zu hoch, sodass das Paar stets Geld zurück­bekommt.

Studierende

Studierende sind in der Regel nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, da sie meist nur wenig verdienen und ledig sind. Trotzdem lohnt sich die Steuererklärung – auf jeden Fall gilt das für Studierende in dualen Studien­gängen und jene, die nach einer Berufs­ausbildung studieren oder ein Master­studium absol­vieren Weiter unten finden Sie eine Musterbe­rechnung.

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Beispiel: Single mit 60 000 Euro Brutto

Petra Müller ist Betriebs­wirtin. 2018 hat sie 60 000 Euro verdient. Sie ist allein­stehend und hat keine Kinder.

Werbungs­kosten. Petra Müller fährt täglich 35 Kilo­meter zur Arbeit. Für 220 Arbeits­tage im Jahr 2018 kann sie 30 Cent pro Kilo­meter als Fahrt­kosten gelten machen – insgesamt 2 310 Euro. Im vergangenen Jahr hat sie ein Notebook für 700 Euro gekauft, das sie zu 50 Prozent beruflich nutzt. Sie gibt also 350 Euro für das Notebook an. Frau Müller ist Mitglied in der Gewerk­schaft und setzt die Mitglieds­beiträge in Höhe von 360 Euro ebenso von der Steuer ab wie pauschal 16 Euro für die Konto­führung. Sie zahlte Beiträge für eine Unfall- und eine Rechts­schutz­versicherung. Da ihre Unfall­versicherung auch Arbeits­unfälle abdeckt, kann sie pauschal die Hälfte der Beiträge in der Steuererklärung angeben: 150 der 300 gezahlten Euro. Einer Bescheinigung der Versicherung für ihre Rechts­schutz­police entnimmt sie, dass 45 Prozent der Beiträge auf arbeits­recht­liche Streitfälle entfallen. Diesen Anteil der gezahlten Beiträge in Höhe von 178 Euro gibt sie in ihrer Erklärung an: 80 Euro für die Rechts­schutz­versicherung. Insgesamt kommt sie auf berufliche Ausgaben von 3 266 Euro.

Hand­werk­erkosten. Ihrer Neben­kosten­abrechnung entnimmt Müller, dass sie für Hausmeister­dienste, Grün­anlagen­pflege und Haus­reinigung 500 Euro gezahlt hat. Die setzt sie ebenfalls ab.

Erstattung. Durch ihre freiwil­lige Steuererklärung erhält Petra Müller 1 039 Euro vom Finanz­amt zurück.

Rechenbei­spiel Single

Brutto­lohn 2018

60 000 Euro

Steu­ersparende Ausgaben

Fahrt­kosten Arbeitsweg

2 310 Euro

Gewerk­schafts­beiträge

360 Euro

Arbeits­mittel

350 Euro

Berufliche Anteile von Unfall- und Rechts­schutz­versicherung

230 Euro

Konto­führungs­gebühren

16 Euro

Haus­halts­nahe Dienst­leistungen

500 Euro

Gesamt

3 766 Euro

Erstattung

1 039 Euro

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Beispiel: Student mit Neben­job

Nicolas Breitner studiert Maschinenbau. Zuvor hat er eine Ausbildung als Tech­nischer Zeichner absol­viert. In seinem Neben­job verdiente er im vergangenen Jahr 1 200 Euro.

Werbungs­kosten. Da Breitner eine Ausbildung absol­viert hat, gilt sein Studium als Zweit­ausbildung. Er kann daher seine Studien­kosten als Werbungs­kosten geltend machen. 2018 fuhr er an 150 Tagen zur Uni. Für die einfache Strecke von 42 Kilo­metern ergibt die Entfernungs­pauschale (je 30 Cent pro Kilo­meter) Fahrt­kosten von 1 890 Euro. Außerdem hat er sich fürs Studium einen Laptop für 530 Euro und Lehr­bücher für 170 Euro gekauft. Daher setzt er 700 Euro für Lern­mittel ab. Insgesamt kommt er auf Werbungs­kosten von 2 590 Euro.

Verlust­vortrag. Breitners Kosten über­steigen sein Einkommen um 1 390 Euro. Er trägt im Mantelbogen in Zeile 2 ein Kreuz beim Verlust­vortrag ein. Das Finanz­amt muss diesen bestätigen. Sein zu versteuerndes Einkommen verringert sich dann im Folge­jahr um 1 390 Euro.

Rechenbei­spiel Student

Brutto­lohn 2018

1 200 Euro

Steu­ersparende Werbungs­kosten

Fahrt­kosten zur Uni

1 890 Euro

Lern­mittel

700 Euro

Gesamt­ausgaben

2 590 Euro

Verlust­vortrag

1 390 Euro

Studierende ohne Neben­job. Wer sein Studium ohne vorherige Berufs­ausbildung oder Studium absol­viert und auch nicht dual studiert, kann Studien­kosten bisher nicht als Werbungs­kosten angeben. Sie zählen als Sonder­ausgaben, die nur mit Einnahmen aus demselben Jahr verrechnet werden. Das lohnt sich für Studierende oft erst ab 10 000 Euro Jahres­einkommen. Das Bundes­verfassungs­gericht prüft derzeit, ob das rechtens ist.

Tipp: Betroffene sollten Studien­kosten als Werbungs­kosten angeben. Das Finanz­amt akzeptiert sie zwar nur als Sonder­ausgaben, erteilt den Bescheid aber vorläufig. Entscheidet das Gericht für die Steuerzahler, gilt die güns­tige Regelung.

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Wer eine Steuererklärung abgeben muss

Eine Steuererklärung ist immer Pflicht – auch für die drei Gruppen oben –, wenn folgendes zutrifft:

  • In der Lohn­steuer­bescheinigung wurde ein Frei­betragberück­sichtigt – außer Pausch­beträge für Behinderte, Hinterbliebene oder Frei­beträge für Kinder.
  • Weitere Einkünfte neben Gehalt oder Pension über­steigen 410 Euro im Jahr. Das gilt auch für Lohn­ersatz­leistungen wie Eltern-, Kranken- oder Kurz­arbeitergeld.
  • Jemand bezieht eine Rente und die gesamten Einkünfte lagen 2018 über 9 000 Euro (Paare: 18 000 Euro). Dazu zählen die Rente und alle weitere Einkommen nach Abzug von Frei-, Pausch- und Entlastungs­beträgen.
  • Eine Person muss trotz Abgeltung­steuer noch Kapital­einkünfte versteuern oder Kirchen­steuer darauf zahlen.
  • Die Vorsorgepauschale für Beamte war höher als die gezahlten Versicherungs­beiträge.
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Die wichtigsten Posten für die Steuererstattung

Die meisten Steuerzahler können folgende Ausgaben beim Finanz­amt geltend machen.

Arbeits­mittel

Vom Blei­stift bis zum Notebook: Bis zu einem Kauf­preis von jeweils 952 Euro können Sie Arbeitsmittel zum vollen Rechnungs­betrag absetzen. Haben Sie mehr bezahlt, müssen Sie den Kauf­preis über mehrere Jahre abrechnen. Sie können die Kosten aber nur zu dem Anteil absetzen, zu dem Sie das Arbeits­mittel beruflich nutzen. Die Ausgaben tragen Sie in die Zeilen 41 und 42 der Anlage N ein.

Tipp: Haben Sie Berufs­bekleidung, etwa Sicher­heits­schuhe, selbst bezahlt, können Sie die Kosten absetzen. Wichtig ist, dass die Kleidung fast ausschließ­lich zur beruflichen Nutzung bestimmt ist.

Fahrt­kosten

Pendeln ist teuer. Doch einen Teil der Ausgaben für den Arbeitsweg können Sie sich zurück­holen. Für die einfache Strecke zwischen Wohnung und Arbeits­platz zählen für jeden Entfernungs­kilometer pauschal 30 Cent. Geben Sie in den Zeilen 31 bis 38 der Anlage N die Adresse Ihrer Arbeits­stätte, die Entfernungs­kilometer sowie Ihre Arbeits-, Urlaubs- und Krank­heits­tage an.

Tipp: Nutzen Sie für den Arbeitsweg öffent­liche Verkehrs­mittel? Sind Ihre Ticket­kosten höher als die pauschale Abrechnung nach Entfernungs­kilometer, können Sie alternativ Ihre Ausgaben für die Fahr­karten angeben.

Hand­werk­erleistungen

Ob Maler­arbeiten, Schorn­steinfeger oder Möbel­aufbau: Für Handwerkerleistungen können Sie 6 000 Euro pro Jahr geltend machen. 20 Prozent zieht das Finanz­amt direkt von Ihren Steuern ab. Material­kosten zählen nicht. Lassen Sie sich eine Rechnung ausstellen und bezahlen Sie nicht in bar. Ihre Ausgaben geben Sie in Zeile 73 des Haupt­vordrucks an.

Tipp: Mieter können entsprechende Posten der Neben­kosten­abrechnung als Hand­werk­erleistungen absetzen.

Versicherungen

Geben Sie Beiträge für die Renten-, Kranken- und Pflege­versicherung in der Anlage Vorsorgeaufwand an. Sie lassen sich absetzen. Bei der Kranken- und Pflege­versicherung zählen nur Beiträge für die Basis­absicherung, aber keine Extras wie die Behand­lung durch den Chef­arzt.

Tipp: Haben Sie eine Unfallversicherung, die auch Berufs­unfälle abdeckt, können Sie 50 Prozent der Versicherungs­prämie als Werbungs­kosten absetzen. Das gilt auch für eine Rechtsschutzversicherung, die für Arbeits­rechts­fälle eintritt. Da zählt der darauf entfallende Anteil der Prämie.

Spenden

Unterstützen Sie gemeinnützige Organisationen oder politische Parteien mit einer Spende, können Sie Steuer­vorteile nutzen. Bis zu 20 Prozent Ihrer Einkünfte können Sie dafür geltend machen. Entscheidend ist, dass der Empfänger der Spende gemeinnützige, wohl­tätige oder kirchliche Zwecke fördert. Die geleisteten Spenden geben Sie in den Zeilen 46 bis 49 des Haupt­vordrucks an. Wichtig: Sie müssen eine Spenden­bestätigung der Organisation besitzen. Gewerk­schafts­beiträge tragen Sie als Werbungs­kosten in Zeile 40 der Anlage N an.

Tipp: Vereins­beiträge können Sie absetzen, wenn der Verein keine Frei­zeitzwecke fördert.

Haus­halts­hilfen

Haben Sie Haushaltshilfen beschäftigt, erhalten Sie Steuerboni. Voraus­setzung: Die Helfer arbeiten nicht schwarz. Es zählen bis zu 20 000 Euro im Jahr. 20 Prozent der von Ihnen angegebenen Kosten zieht das Finanz­amt direkt von Ihrer Steuer ab. Die Ausgaben tragen Sie in Zeile 71 und 72 des Haupt­vordrucks ein.

Tipp: Für Haus­halts­hilfen, die als Minijobber beschäftigt sind, können Sie bis zu 2 550 Euro im Jahr geltend machen. Auch davon werden 20 Prozent von der Steuer abge­zogen.

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