In freien Autowerkstätten kosten Inspektionen oft weniger als bei Vertragshändlern. Wie aber steht es um die Gründlichkeit und die Arbeitsqualität?

Wer sein Auto stets in betriebssicherem Zustand halten will, sollte ihm regelmäßige Wartungen gönnen. Ist die Garantiezeit des Wagens abgelaufen, setzen kostenbewusste Fahrer vermehrt auf die Dienste nicht markengebundener Werkstätten. Die schließen sich zunehmend zu Ketten zusammen. Im Raum Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München haben wir insgesamt 40 Betriebe untersucht, die acht Werkstattketten angehören: Auto Crew, Autodienst, Autofit, Automeister, A.T.U, Bosch, 1a und Pit-Stop. Welche Kette arbeitet am gründlichsten und wie groß sind die Unterschiede zwischen den geprüften Systemen?

Sechs Defekte eingebaut

Als Testwagen wählten wir vier bis acht Jahre alte VW Golf III und Opel Astra aus und gaben eine große Inspektion in Auftrag. Wie bei früheren Untersuchungen von Vertragswerkstätten waren die Autos mit sechs Mängeln präpariert, die es zu entdecken und zu beheben galt:

  • Eine Standlichtlampe defekt.
  • Hupe funktioniert nicht.
  • Eine Scheibenwaschdüse verstopft.
  • Aufhängung des Auspuffs lose.
  • Luftdruck im Reserverad abgesenkt.
  • Eine Radschraube locker.

Die Bestnote konnte eine Werkstatt nur erreichen, wenn sie alle Fehler vollständig behob. Neben der Arbeitsqualität haben wir auch die Auftragsabwicklung, von der Kontaktaufnahme bis zur Abholung, bewertet. Zusatzpunkte gab es für ein positives Serviceumfeld. Freilich konnte der Gratiskaffee eine nachlässige Arbeitsqualität nicht ausgleichen.

Für vergleichbare Leistungen wurden auch innerhalb der gleichen Kette recht unterschiedliche Preise berechnet. So kostete die Inspektion bei den Automeister-Betrieben zwischen 76 und 226 Euro (Lohnanteil ohne Teile). Lediglich die A.T.U-Betriebe berechneten einen einheitlichen Arbeitspreis von 90,30 Euro.

AD Autodienst

Die beste und ausgewogenste Arbeitsqualität im Test zeigten die Werkstätten des AD Autodienstes. Eine „sehr gute“ und vier „gute“ Werkstätten ergaben das test-Qualitätsurteil „gut (2,0)“. Bei der Mängelbeseitigung erreichten aber nicht alle fünf geprüften Betriebe die volle Punktzahl, weil eine lose Radschraube unentdeckt blieb und eine verstopfte Scheibenwaschdüse nicht repariert wurde. Zwei Werkstätten berechneten knapp fünf Euro für nicht näher erläuterte „Entsorgungskosten“. Trotzdem, insgesamt das beste Ergebnis im Test.

Auto Crew

Eine „sehr gute“ Arbeitsqualität verschaffte auch den Schraubern der Auto Crew eine vordere Platzierung in diesem Test. Licht, Hupe, Auspuff und Waschdüse wurden von allen fünf Betrieben repariert. Einer vergaß, beim Reserverad die Luft aufzufüllen. Ein anderer übersah die lose Radschraube, forderte den Kunden aber in der Rechnung auf, diese nach 50 Kilometern nachzuziehen.

Autofit

Auch den Autofit-Partnern brachte die „sehr gute“ Arbeitsqualität ein „gutes“ Endurteil. Drei Werkstätten hatten alle eingebauten Mängel behoben, darunter auch die beiden, die sich auf der Rechnung als Renault-Fachwerkstatt beziehungsweise Honda- und Daihatsu-Händler vorstellten. Ein anderer Betrieb versäumte, die Radschraube festzuziehen. Der fünfte übersah das platte Reserverad und bemerkte die verstopfte Waschanlage, ohne sie zu reparieren.

Automeister

„Sehr gute“ bis „ausreichende“ Noten erhielten die Automeister-Partner. Zwei Betriebe behoben alle eingebauten Defekte, während das Schlusslicht nur drei von sechs Mängeln beseitigte. Da Werkstattsysteme den Anspruch erheben, einen einheitlichen Qualitätsstandard zu bieten, zum Beispiel durch Schulung des Personals, haben wir im Fall von Ergebnisschwankungen ab zwei Noten das test-Urteil um eine halbe Note abgewertet, im Fall Automeister auf „befriedigend (3,0)“. Diese Abwertung betraf noch vier weitere Werkstattketten im Test.

A.T.U Auto-Teile-Unger

Alle A.T.U-Filialen berechneten für die reine Inspektionsleistung ohne Teile einen einheitlichen Festpreis. Zusätzlich gewährten sie Frühaufstehern im Rahmen einer Sonderaktion zehn Prozent Rabatt. Unnötig fanden wir die in zwei Fällen durchgeführte Motorinnenreinigung für je 16 Euro, womit der Rabatt wieder aufgezehrt war. Nur ein A.T.U-Betrieb arbeitete fehlerfrei und erreichte die Bestnote. Mit deutlichem Abstand – zweimal „befriedigend“, zweimal „ausreichend“ – folgten die anderen Filialen.

Schlusslicht war eine Werkstatt, die jeden zweiten präparierten Mangel, darunter auch die lose Radschraube, nicht bemerkte. Immerhin machte sie unseren Testkunden auf den Steinschlag in der Windschutzscheibe und auf die abgenutzten Bremsscheiben aufmerksam. Gesamturteil: „ausreichend (3,6)“.

1a Autoservice

Auch die 1a-Partner waren insgesamt nur „ausreichend“. „Sehr gut“ arbeitete nur ein Betrieb. Laut Rechnung Spezialist für Fiat, Lancia und Alfa-Romeo, blieb ihm auch an unserem Astra kein Mangel verborgen. Weitere Werkstätten fanden zwar nicht alle Defekte, erneuerten dafür ohne Rücksprache und Erklärung Zündkabel, Bremsflüssigkeit und eine Spannrolle. Ein Betrieb führte das Auto ohne Auftrag zur Hauptuntersuchung und zur Abgasprüfung vor. Weniger aktiv waren die beiden Werkstätten, die die Hälfte der Mängel nicht behoben und deshalb nur „ausreichend“ bekamen.

Für Zusatzarbeiten gilt generell: Sie sollten nicht ohne Rücksprache mit dem Kunden durchgeführt werden – vor allem nicht, wenn sie teuer sind oder ein vereinbartes Limit überschreiten.

Bosch Service

Seit einiger Zeit bietet der Autoelektrik Spezialist Bosch auch den vollen Autoservice an. Doch nur ein Betrieb lieferte einwandfreie Arbeit zum fairen Preis und erhielt dafür die Bestnote „sehr gut“. Die anderen vier Werkstätten konnten da nicht mithalten: Ihre Urteile lauteten „befriedigend“, zweimal „ausreichend“ und „mangelhaft“. Die schlechte Werkstatt bemerkte weder das defekte Licht und die Hupe noch die verstopfte Waschdüse oder den lose baumelnden Auspuff.

Weitere Schwachpunkte: Für das Auswechseln der Scheibenwischer und der Standlichtbirne fanden wir die von einer Bosch-Werkstatt verlangten 90 Euro völlig überzogen. Das Erneuern defekter Glühlampen ist nämlich im Inspektionsumfang aufgeführt und mit dessen Kosten bereits abgegolten. Die Altölentsorgung mit zehn Euro in Rechnung zu stellen, ist nicht nur unverschämt, sondern auch gesetzwidrig. In der Altölverordnung ist klar geregelt, dass Werkstätten beim Frischölverkauf die gleiche Menge Altöl kostenfrei zurücknehmen müssen. Doppelt genäht hält besser, dachte sich ein weiterer Bosch-Service und stellte den knapp 14 Euro teuren Innenraumfilter gleich zweimal in Rechnung.

Bosch sollte unbedingt an einem gleichmäßigen und deutlich höheren Qualitätsstandard seiner Partnerbetriebe arbeiten, um den Vertrauensvorschuss in die renommierte Marke nicht leichtfertig zu verspielen.

Pit-Stop

Das Schlusslicht im Test waren mit der Note „ausreichend (3,8)“ die Pit-Stop-Betriebe. Die reparieren seit einiger Zeit nicht mehr nur Auspuff, Bremsen und Stoßdämpfer, sondern bieten auch den vollen Autoservice. Bei der Arbeitsqualität schafften die untersuchten Filialen aber bestenfalls ein „Befriedigend“. Die defekte Hupe bemerkten alle, aber nur zwei der fünf  Werkstätten reparierten sie. Einmal fuhr unser Testwagen gar ohne Luftfilter vom Hof. Der Mechaniker hatte „vergessen“, ihn einzubauen. Eine Filiale stellte eine Motorspülung mit Innenreiniger in Rechnung, weil sie eine „Emulsion“ im Öl gefunden hatte. Die Kontrolle der Radschraube entfiel – stattdessen auf der Rechnung der gut gemeinte Rat, dass nach 20 bis 200 Kilometern die Radschraube nachgezogen werden müssen. Ein weiterer Betrieb ersetzte die normale Standlichtbirne, führte in der Rechnung aber eine H1-Halogenbirne auf, die in den alten Golf gar nicht reingehört. Grundsätzlich bemängeln wir bei Pit-Stop die unzureichende Transparenz der Rechnungen. Weder Lohnanteile noch Ersatzteilkosten werden einzeln aufgeführt. Unterschieden wird nur nach Öl/Filter (50 bis 109 Euro) und Sonstiges (53 bis 134 Euro).

Mobilitätsgarantie

Um die Garantieansprüche zu sichern, nehmen Neuwagenkäufer in der Regel die Dienste von Vertragswerkstätten in Anspruch. Zwar gewähren die meisten freien Werkstattketten inzwischen eigene Mobilitätsgarantien oder Reparaturversicherungen – sozusagen als vertrauensbildende Maßnahmen. Dennoch kann bei neueren Autos nicht ausgeschlossen werden, dass die Kulanz im Schadensfall mit Hinweis auf die nicht regelmäßige Wartung durch eine Vertragswerkstatt verweigert wird. Wer aber einen Altwagen besitzt, dessen Garantie abgelaufen ist, für den kann die Pflege in einer freien Werkstatt eine empfehlenswerte, preisgünstige Alternative sein.

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