Freibetrag auf der Steuerkarte Kein Eigentor schießen

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Vor allem Frauen, die bald in Mutterschaft gehen, bringt ein Freibetrag auf der Steuerkarte mehr Geld. Auch für Arbeitnehmer, die demnächst Krankengeld beziehen, zahlt er sich aus. ­Machen Beschäftigte dagegen künftig Altersteilzeit, kann ein Freibetrag ungünstig sein.

de Viele Arbeitnehmer können ihr Nettogehalt durch einen Freibetrag auf der Steuerkarte sofort erhöhen. So haben sie gleich mehr Geld und müssen nicht auf die Steuererklärung im nächsten Jahr warten.

Unsere Musterfrau Regine Silvester schaut sich deshalb alle Posten an, die das Finanzamt im Steuerbescheid für 2002 anerkannt hat. Dann berechnet sie, wie viel Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen dieses Jahr wegfallen oder noch dazukommen.

Die Angestellte hat für den Weg zur Arbeit wieder Kilometerpauschaulen von 3 028 Euro. Außerdem kann sie pauschal 16 Euro Kontoführungsge­bühren absetzen. Nach Abzug des 1 044 Euro hohen Arbeitnehmerpauschbe­trags bleiben 2 000 Euro Werbungs­kosten.

Damit das Finanzamt die 2 000 Euro als Freibetrag in die Steuerkarte einträgt, stellt Regine Silvester im August einen Antrag auf Lohnsteuerermäßi­gung. Ab September hat sie dann netto mehr Gehalt auf dem Konto.

Das Finanzamt verteilt den eingetragenen Freibetrag auf die restlichen Monate des Jahres, sodass die Angestellte bis zum Jahresende jeden Monat 500 Euro Gehalt (2 000 Euro : 4) weniger versteuern muss. Hat sie Steuerklasse I und verdient 4 000 brutto, spart sie jeden Monat 206,59 Euro Lohnsteuer.

Lässt Regine Silvester den Freibetrag nicht eintragen, gewährt sie dem Finanzamt bis zur Steuererklärung für 2003 einen zinslosen Kredit.

Mutterschaftsgeld

Gehen Frauen bald in den Mutterschutz, verlieren sie ohne Freibetrag auf der Steuerkarte sogar ein für alle Mal Geld. Denn wie viel Mutterschaftsgeld sie in der mindestens 14 Wochen langen Schutzfrist erhalten, richtet sich nach dem Nettolohn, der in den drei Kalendermonaten vor Beginn der Frist im Schnitt auf ihrer Gehaltsabrechnung stand (ohne einmalige Entgelte).

Das tägliche Mutterschaftsgeld ergibt sich, indem man das durchschnittliche Monatsnetto durch 30 teilt.

Wir nehmen das Beispiel einer Frau, deren Schutzfrist am 6. August beginnt. Nennen wir sie Simone Berg. Sie hatte im Mai, Juni und Juli 3 500 Euro Bruttolohn, Steuerklasse IV und keinen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte.

Ihr Nettolohn betrug 1 857,53 Euro (13,8 Prozent Krankenkassenbeitrag, 8 Prozent Kirchensteuer). Simone Berg bekommt deshalb 61,92 Euro Mutterschaftsgeld am Tag (1 857,53 : 30 Tage).

Hat sie einen Freibetrag von 500 Euro im Monat in die Steuerkarte eintragen lassen, steigt ihr Nettolohn auf 2 071,76 Euro und das Mutterschaftsgeld auf 69,06 Euro pro Tag. Das sind 7,14 Euro mehr. Da mit 30 Tagen gerechnet wird, macht Simone Berg durch den Freibetrag 214,20 Euro Plus im Monat. Hat sie ihn in den entscheidenden drei Monaten nicht auf der Steuerkarte, ist das Geld verloren.

Krankengeld

Auch für Arbeitnehmer, die demnächst Krankengeld erhalten, ist ein Freibetrag auf der Steuerkarte günstig.

Das Krankengeld beträgt 70 Prozent vom Bruttoentgelt vor der Arbeitsunfähigkeit. Vom Bruttoentgelt werden aber maximal 3 450 Euro berücksichtig. Da die Kasse mit 30 Tagen im Monat rechnet, beträgt das Krankengeld höchstens 80,50 Euro am Tag (70 Prozent von 3 450 Euro : 30).

Es gibt aber noch eine zweite Grenze. Das Krankengeld darf nicht höher als 90 Prozent des Nettoentgelts sein. Deshalb kann ein Freibetrag auf der Steuerkarte das Krankengeld erhöhen.

Davon profitiert zum Beispiel ein Mann, den wir Mark Britz nennen. Er hatte vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit 4 000 Euro Brutto im Monat, Steuerklasse I und einen Freibetrag von 500 Euro im Monat auf der Steuerkarte.

Netto verdient Britz 2 292,53 Euro (13,8 Prozent Krankenversicherung, 8 Prozent Kirchensteuer). Das sind 76,42 Euro am Tag. 90 Prozent davon sind 68,78 Euro. Da dieser Betrag niedriger ist als der Höchstsatz von 80,50 Euro, nimmt die Krankenkasse ihn als Bruttokrankengeld.

Ohne den Freibetrag von 500 Euro hätte Mark Britz vor der Arbeitsunfähigkeit nur 2 058,05 Euro netto im Monat verdient und brutto nur 61,74 Euro (90 Prozent von 2 058,05 Euro : 30) Krankengeld am Tag gehabt. Das wären jeden Monat 211,20 Euro weniger.

Altersteilzeitlohn

Arbeitnehmer, die bald nach dem Altersteilzeitgesetz arbeiten, können dagegen mit einem Freibetrag auf der Steuerkarte Geld verlieren.

Gerald Müller macht zum Beispiel ab November Altersteilzeit. Er wird dann nur noch halbtags arbeiten. Bis dahin verdient er 4 000 Euro brutto im Monat. Durch die Halbtagsarbeit sinkt der Bruttolohn auf 2 000 Euro. Das Nettoentgelt, das davon nach allen Abzügen bleibt, muss Müllers Chef um 20 Prozent vom Teilzeit-Brutto aufstocken – bei Gerald Müller also um 400 Euro (20 Prozent von 2 000 Euro).

Er kommt in Steuerklasse I zunächst auf eine Auszahlung von 1 653,12 Euro:

Teilzeit-Bruttogehalt: 2 000,00 Euro
- Lohnsteuer in Steuerklasse I: 292,41 Euro
- Solidaritätszuschlag: 16,08 Euro
- 8% Kirchensteuer: 23,39 Euro
- Sozialabgaben: 415,00 Euro
Teilzeit-Nettoentgelt: 1 253,12 Euro
+ 20% von 2 000 Euro: 400,00 Euro
Auszahlung: 1 653,12 Euro

Laut Gesetz muss Müller mindestens 70 Prozent des vor der Altersteilzeit verdienten vollen Nettogehalts erhalten. Die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestnettobeträge legt das Bundesarbeitsministerium je nach Höhe des vor der Altersteilzeit verdienten Bruttogehalts jedes Jahr pauschal fest. Für Müllers Vollzeitbrutto von 4 000 Euro beträgt der vorgeschriebene Mindestnettobetrag 1 438,22 Euro.

Die 20-prozentige Pflichtaufstockung seines Arbeitgebers von 400 Euro reicht also völlig. Müllers Chef hat sich aber tariflich verpflichtet, nicht 70 Prozent, sondern 83 Prozent vom pauschal festgesetzen Netto zu zahlen – also 1 705,32 Euro (1 438,22 Euro : 70 × 83).

Der Chef stockt das Nettoentgelt für die Teilzeitarbeit von 1 253,12 Euro deshalb nicht um 400 Euro, sondern um 452,20 Euro auf.

Hätte Gerald Müller vor der Altersteilzeit einen Freibetrag von 500 Euro im Monat auf der Steuererkarte, würde sein Nettoentgelt für die Teilzeitarbeit von 1 253,12 Euro auf 1 410,60 Euro steigen. Sein Chef müsste es nur um den Pflichtbetrag von 400 Euro aufstocken.

Müller hätte ihm durch seinen Freibetrag 52,20 Euro geschenkt. Ohne Freibetrag zahlt der Chef Gerald Müllers 52,20 Euro mehr. Dafür muss der zwar rund 157 Euro mehr Steuern zahlen. Doch an die Steuerersparnis, die der Freibetrag gebracht hätte, kommt Müller später nach Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2003.

Manchmal kann es sich also lohnen dem Finanzamt erst einmal einen zinslosen Kredit zu geben.

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