Mit einem Freibetrag auf der Steuerkarte kann fast jeder leicht über 100 Euro mehr Gehalt im Monat aufs Konto bekommen.

Arbeitnehmer müssen sich mit den Steuerentlastungen des Jahres 2010, die sie seit Januar automatisch erhalten, nicht zufriedengeben. Sie können sich einen eintragen lassen und sofort noch mehr Geld bei der Gehaltsabrechnung herausholen.

Das Finanzamt gibt ihnen den Freibetrag für alle Ausgaben, die sie nächstes Jahr in der Steuererklärung absetzen können. Sie müssen die Kosten nur belegen oder glaubhaft machen. Dann zieht der Arbeitgeber weniger Lohnsteuer von ihrem Gehalt ab.

Dienste im Haushalt

Völlig unproblematisch erhalten Mieter oder Eigentümer einen Freibetrag, wenn sie dieses Jahr Handwerker oder Haushaltshilfen in ihrer Wohnung oder ihrem Garten beschäftigen werden. Für Haushaltshilfen können sie Löhne bis 20 000 Euro und für Handwerker bis 6 000 Euro abrechnen. 20 Prozent wird das Finanzamt von ihrer Steuerschuld abziehen.

Beispiel: Der Hausbesitzer Andreas Stahl wird dieses Jahr Handwerkern für Sanierungsarbeiten im Bad 1 120 Euro Lohn zahlen und dem Gärtner 600 Euro. 20 Prozent seiner Kosten bekäme er nächstes Jahr vom Finanzamt zurück, also 344 Euro.

Will er dafür jetzt schon einen Freibetrag, geht das Finanzamt pauschal davon aus, dass er einen Steuersatz von 25 Prozent hat, und berücksichtigt deshalb das Vierfache des möglichen Steuerabzugs als Freibetrag. Bei Andreas Stahl sind es genau 1 376 Euro.

Grenze von 600 Euro beachten

Für Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen erhalten Arbeitnehmer wie Stahl einen Freibetrag, wenn mindestens 600 Euro zusammenkommen. Diese Grenze gilt für Alleinstehende und für Ehepaare.

Fast alles zählt mit. Nur Versicherungsbeiträge nicht, weil sie bei der Lohnabrechnung automatisch berücksichtigt werden.

Werbungskosten. Ganz leicht schaffen berufstätige Mütter und Väter die 600-Euro-Grenze. Sie können für jedes Kind bis 14 Jahre Betreuungskosten bis 6 000 Euro angeben, etwa für den Kindergarten, den Hort oder die Tagesmutter. Zwei Drittel erkennt das Finanzamt als Werbungskosten an, also maximal 4 000 Euro für jedes Kind.

Ausgaben für den Weg zur Arbeit, für Arbeitsmittel und andere Werbungskosten kürzt das Finanzamt dagegen um den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro.

Beispiel: Andreas Stahl kommt für 26 Kilometer Arbeitsweg auf 1 794 Euro Werbungskosten (26 Kilometer x 30 Cent Pauschale x 230 Arbeitstage). Der Gewerkschaft wird er 480 Euro Beitrag zahlen. Von den insgesamt 2 274 Euro bleiben nach Abzug der 920-Euro-Pauschale 1 354 Euro, für die Stahl 2010 einen Freibetrag bekommen kann.

Für seine Tochter wird der Vater 1 200 Euro Kindergartengebühren zahlen. Zwei Drittel kann er absetzen, sodass sich Stahls Freibetrag auf 2 154 (1 354 + 800) Euro erhöht.

Sonderausgaben. Auch für Sonderausgaben wie Kirchensteuern, Spenden und Unterhalt an den getrennt lebenden Ehepartner kann jeder einen Freibetrag erhalten. Bei der Berechnung zieht das Finanzamt 36 Euro Pauschbetrag (Ehepaare 72 Euro) ab. Spendet der verheiratete Stahl einem gemeinnützigen Sportverein 672 Euro, bringen 600 Euro einen Freibetrag.

Außergewöhnliche Belastungen. Für die Pflege von hilflosen Angehörigen berücksichtigt das Finanzamt pauschal 924 Euro. Wer stattdessen seine Ausgaben nachweist, kann sie nach Abzug einer zumutbaren Belastung absetzen. Viele schaffen diese Hürde leichter, wenn noch außergewöhnliche Belastungen wie Arztkosten und Rezeptgebühren dazukommen.

Beispiel. Andreas Stahl hat vom Zahnarzt einen Kostenvoranschlag für ein Zahnimplantat von 2 800 Euro. Die zumutbare Belastung beträgt für ihn und seine Frau mit einem Kind 4 Prozent der Einkünfte. Weil Stahls dieses Jahr voraussichtlich Einkünfte von 60 000 Euro haben werden, müssen sie 2 400 Euro ohne Steuervorteil bestreiten. 400 Euro erhöhen den Freibetrag, sodass er insgesamt so hoch ist:

Hoher Freibetrag

Dienste im Haushalt 1 376 Euro
Werbungskosten + 2 154 Euro
Sonderausgaben + 600 Euro
Außergewöhnliche Belastungen + 400 Euro
Summe 4 530 Euro

Beantragt Stahl den Freibetrag im Februar, bleiben von seinem Lohn ab März rund 453 Euro mehr steuerfrei (4 530 Euro : 10 Monate). Mit 30 Prozent Steuersatz bekommt er jeden Monat 136 Euro mehr heraus.

Sind beide Ehepartner Arbeitnehmer, verteilt das Finanzamt den Freibetrag automatisch zur Hälfte auf die Steuerkarten der Eheleute. Sie können aber auch eine andere Aufteilung beantragen. Nur die Werbungskosten kommen immer auf die Karte desjenigen, der sie zahlt.

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