Mit Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte lässt sich mehr Netto rausholen – auch noch für dieses Jahr. 2011 gibt es Änderungen und erstmals keine neue Karte.

Nach 85 Jahren ist jetzt Schluss: Die Lohnsteuerkarte hat ausgedient. Sie wird durch ein elektronisches Verfahren ersetzt, ElsterLohn II genannt. Dieses Verfahren kommt jedoch ein Jahr später als geplant. Deswegen gilt die Lohnsteuerkarte für 2010 auch für das Jahr 2011.

Die Steuerklassen und Freibeträge, die für 2010 auf der Karte eingetragen sind, gelten automatisch weiter und bestimmen auch 2011 die Höhe der Lohnsteuer.

Wer seine Steuerkarte für 2011 ändern lassen möchte, wendet sich an das Finanzamt. Das Amt ist neuerdings auch für den Wechsel der Lohnsteuerklassen und das Eintragen von Kinderfreibeträgen zuständig. Bisher war dies Sache der Gemeinden.

Neu ist auch: Wer im kommenden Jahr seinen Job wechselt, nimmt seine alte Karte aus dem Jahr 2010 zum neuen Arbeitgeber mit. Für Jugendliche, die 2011 eine Ausbildung anfangen, gibt es eine Sonderregelung. Ihr Arbeitgeber stuft sie auch ohne Karte in die Steuerklasse 1 ein, sofern sie unverheiratet sind.

Nicht verändert hat sich die Frist für das Eintragen von Freibeträgen. Noch bis 30. November kann man sich Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte für 2010 eintragen lassen. Durch Freibeträge werden zum Beispiel Werbungskosten oder Sonderausgaben, die das Finanzamt sonst erst nach Abgabe der Steuererklärung verrechnet, bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Wer schnell handelt, kann so noch sein Nettogehalt für November und Dezember erhöhen. Denn die neu eingetragenen Freibeträge werden auf die verbleibenden Monate des Jahres verteilt.

Wann sich Freibeträge lohnen

Für Arbeitnehmer, die hohe Ausgaben zum Beispiel für den Weg zur Arbeit, die Kinderbetreuung oder Haushaltshilfen haben, lohnt sich der Eintrag von Freibeträgen besonders. Dazu müssen sie die Karte beim Arbeitgeber abholen und beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen.

Sobald die geänderte Karte dem Arbeitgeber vorliegt, führt er ab dem Folgemonat weniger Lohnsteuer an das Finanzamt ab. Wer keine Freibeträge nutzt, kann sich zu viel gezahlte Steuern erst im folgenden Jahr mit der Einkommensteuererklärung zurückholen. Bis dahin gewährt er dem Finanzamt einen zinslosen Kredit. Die Kehrseite ist jedoch: Mit dem Eintrag des Freibetrags auf die Lohnsteuerkarte verpflichtet sich der Arbeitnehmer, eine Einkommensteuererklärung für das Jahr abzugeben.

Die 600-Euro-Hürde

Einen Freibetrag für Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen gibt es, wenn mehr als 600 Euro für solche Ausgaben zusammenkommen. Diese Grenze gilt für Ledige und Ehepaare.

Außer Versicherungsbeiträgen zählen fast alle Kosten mit, nur nicht immer in voller Höhe. Von den Kinderbetreuungskosten geht zum Beispiel ein Drittel ab. Jobkosten kürzt der Fiskus um den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro.

Damit ein Angestellter allein mit den Jobkosten die 600-Euro- Hürde schafft, muss er also Ausgaben von mindestens 1 521 Euro haben (601 Euro zuzüglich 920 Euro Werbungskostenpauschbetrag).

Für einige Posten gilt die 600-Euro-Grenze nicht. Dazu gehören der Hinterbliebenenpauschbetrag, Einkunftsverluste aus Vermietung und Verpachtung und die haushaltsnahen Dienstleistungen.

1 200 Euro für Handwerker

Völlig unproblematisch erhalten Mieter oder Eigentümer einen Freibetrag, wenn sie dieses Jahr Handwerker oder Haushaltshilfen in ihrer Wohnung beschäftigt haben.

Für Haushaltshilfen können sie Löhne bis 20 000 Euro und für Handwerker bis zu 6 000 Euro abrechnen. 20 Prozent dieser Ausgaben wird ihnen das Finanzamt von ihrer Steuerschuld abziehen. Materialkosten zählen nicht mit.

Beispiel: Ein Ehepaar lässt im September das Parkett in seiner Wohnung abschleifen und das Bad sanieren. Dafür zahlt es den Handwerkern zusammen 6 000 Euro Lohn und Fahrtkosten. 20 Prozent davon bekäme das Paar im nächsten Jahr vom Fiskus zurück, also 1 200 Euro.

Der Ehemann (mit Weihnachtsgeld 6 000 Euro Brutto, Steuerklasse III) lässt sich aber noch im November einen Freibetrag für 2010 eintragen. Dadurch erhält er schon im Dezember rund 1 100 Euro mehr Netto.

Mit Freibeträgen Elterngeld erhöhen

Das Nettoeinkommen ist auch die Rechengrundlage für Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kranken- oder Elterngeld. Steht vorher mehr Netto auf dem Lohnzettel, gibt es später mehr Geld.

Mit einem Wechsel der Steuerklasse oder Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte können viele mehr Geld rausholen (siehe Finanztest 9/2010, Lohnersatzleistungen).

Beispiel: Eine ledige Frau verdient 3 000 Euro brutto. Anfang 2011 wird sie in Elternzeit gehen. Bisher stünde ihr ein monatliches Elterngeld von 1 207 Euro zu. Für ihren Fahrtweg zur Arbeit kann sie jeden Tag 25 Kilometer in der Steuererklärung geltend machen. Um ihr Elterngeld zu erhöhen, lässt sie sich für ihren Arbeitsweg Ende Oktober einen Freibetrag von 805 Euro auf der Lohnsteuerkarte eintragen (0,30 x 25 Kilometer x 230 Tage = 1 725 Euro minus Pauschbetrag von 920 Euro).

Außerdem spendet sie 250 Euro, zahlt 500 Euro für eine Fortbildung und 300 Euro im Jahr Mitgliedsbeiträge für die Gewerkschaft. Insgesamt erhält sie deshalb einen Freibetrag von 1 855 Euro auf ihrer Karte.

Dieser Freibetrag zahlt sich aus. Durch ihn erhöht sich ihr Elterngeld um rund 30 Euro im Monat auf 1 240 Euro.

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