Frei­beträge beantragen Sofort mehr Geld

Frei­beträge beantragen - Sofort mehr Geld
Hilfe für Kinder. Das Finanz­amt beteiligt sich an den Betreuungs­kosten. © Getty Images PA

Ob Kosten für Arbeitsweg, Kitabeiträge oder Unterhalt – zusätzliche Frei­beträge für solche Ausgaben bringen Angestellten direkt mehr Netto.

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Zusätzliche Steuerfrei­beträge bringen ein Plus

Kann das stimmen: Knapp 180 Euro mehr Netto am Monats­ende, und das ohne Gehalts­erhöhung oder Weihnachts­geld? Schauen Arbeitnehmer verwundert auf ihre Gehalts­abrechnung, müssen sie nicht gleich einen Rechen­fehler fürchten. Ein Plus bringen etwa zusätzliche Steuerfrei­beträge. Beantragt etwa eine Angestellte Ende Oktober für 30 Kilo­meter Arbeitsweg einen Frei­betrag beim Finanz­amt, bleiben ihr jeweils im November und Dezember bei 4 000 Euro Brutto­lohn netto 176 Euro mehr als vorher.

Lohn­steuer runter – Netto­gehalt rauf

Der höhere Netto­lohn ist kein Geschenk vom Finanz­amt. Doch mit Frei­beträgen können Angestellte immerhin dafür sorgen, dass sie jeden Monat einigermaßen passend Lohn­steuer zahlen und nicht deutlich zu viel. Denn je mehr Frei­beträge gelten, desto weniger vom Brutto­lohn ist steuer­pflichtig und desto weniger Lohn­steuer muss der Arbeit­geber vom Gehalt abziehen. Damit bleibt den Beschäftigten gleich mehr, und sie müssen nicht bis zur nächsten Steuererklärung auf eine Erstattung vom Finanz­amt warten.

Unser Rat

Antrag.
Zusätzliche Steuerfrei­beträge können Sie mit dem „Antrag auf Lohn­steuer-Ermäßigung“ für bis zu zwei Jahre bekommen. Für 2021 ist der Antrag bis zum 30. November möglich. Sie finden ihn unter formulare-bfinv.de. Achtung: Wenn Sie von zusätzlichen Frei­beträgen profitieren, wird die Steuererklärung für Sie zur Pflicht.
Elster.
Frei­beträge für ihre Lohn­steuer können Arbeitnehmer auch online über elster.de beantragen. Elektronisch einge­reicht werden können jetzt ebenso der Antrag auf Steuer­klassen­wechsel oder die Erklärung zum dauernden Getrennt­leben.
Steuerklasse.
Als Verheiratete können Sie auch mit einer guten Wahl der Steuerklassen Ihr Netto erhöhen. Rechnen Sie online aus, welche Kombination für Sie am güns­tigsten ist (bmf-steuerrechner.de).
Familien.
Mehr Netto dank Frei­beträgen – das lohnt sich zum Beispiel für junge Eltern, wenn vorüber­gehend ein Einkommen wegfällt. Mehr Tipps zu Geld und Recht liefert der neue Finanzplaner junge Familien, für 16,90 Euro im Handel und im test.de-Shop. Auch für den voll­jährigen Nach­wuchs gewährt der Staat unter bestimmten Voraus­setzungen weiter Kindergeld. Informationen rund ums das Thema „Steuern und Kinder ab 18“ sowie zum Unterhalt bekommen Sie von den Steuer­experten der Stiftung Warentest.

Grund- und Kinder­frei­betrag auto­matisch berück­sichtigt

Einige Frei­beträge müssen die Arbeit­geber auto­matisch bei der Gehalts­abrechnung berück­sichtigen, je nach Steuerklasse zum Beispiel den Grund­frei­betrag von 9 744 Euro im Jahr 2021 (ab 2022 beträgt er 9 984 Euro) und Kinder­frei­beträge. Zusätzliche Frei­beträge gewährt das Finanz­amt Angestellten auf Antrag für Posten, die sie sonst erst mit der Steuererklärung abrechnen würden. Dazu zählen neben Ausgaben für den Arbeitsweg und für andere Werbungs­kosten etwa Sonder­ausgaben wie Kitabeiträge und Unter­halts­zahlungen. Handwerkerrechnungen berück­sichtigt es ebenfalls (Tabelle Mehr Netto 2021 gibts mit diesen Freibeträgen).

600-Euro-Grenze für viele Posten

Die zusätzlichen Frei­beträge gibt es für viele Posten aber erst, wenn Ausgaben von mindestens 600 Euro im Jahr zusammen­kommen. Außerdem trägt das Finanz­amt häufig nicht den vollen Wert ein: So zieht es etwa bei den Kosten für den Arbeitsweg zunächst die Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro ab. Der Grund: Auch diese Pauschale gehört zu den Werten, die der Arbeit­geber auto­matisch beim Lohn­steuer­abzug anrechnet. Einer Pend­lerin, die an 220 Tagen im Jahr 30 Kilo­meter ins Büro fährt, wird somit ein Frei­betrag von 980 Euro in die Lohn­steuer­daten einge­tragen und nicht die vollen Kosten von 2 090 Euro (20 km x 30 Cent +10 km x 35 Cent, Summe x 220 Tage).

Attraktive Entlastung

Vor allem Richtung Jahres­ende machen sich Frei­beträge deutlich bemerk­bar. Wirken sich die 980 Euro für den Arbeitsweg zum Beispiel nur noch auf die Gehalts­abrechnungen im November und Dezember aus, bleiben in beiden Monaten 490 Euro (1/2 von 980 Euro) steuerfrei. Das führt je nach Einkommen zu der monatlichen Entlastung von etwa 180 Euro. Hätten der Angestellten die 980 Euro Frei­betrag bereits ab Januar zugestanden, wäre die Summe auf zwölf Monate verteilt worden. Die monatliche Entlastung wäre mit rund 30 Euro deutlich nied­riger gewesen. Sobald mehrere Frei­beträge zusammen­kommen, winkt aber auch ab Jahres­beginn eine attraktive Entlastung.

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