Frei­beträge beantragen Special

Ob Kosten für Arbeitsweg, Kitabeiträge oder Unterhalt – zusätzliche Frei­beträge für solche Ausgaben bringen Angestellten gleich mehr Netto. Sehr attraktiv ist der Antrag kurz vor Jahres­ende.

Zusätzliche Steuerfrei­beträge bringen ein Plus

Kann das stimmen: Knapp 180 Euro mehr Netto am Monats­ende, und das ohne Gehalts­erhöhung oder Weihnachts­geld? Schauen Arbeitnehmer verwundert auf ihre Gehalts­abrechnung, müssen sie nicht gleich einen Rechen­fehler fürchten. Ein Plus bringen etwa zusätzliche Steuerfrei­beträge. Beantragt etwa eine Angestellte Ende Oktober für 30 Kilo­meter Arbeitsweg einen Frei­betrag beim Finanz­amt, bleiben ihr jeweils im November und Dezember bei 4 000 Euro Brutto­lohn netto 176 Euro mehr als vorher.

Lohn­steuer runter – Netto­gehalt rauf

Der höhere Netto­lohn ist kein Geschenk vom Finanz­amt. Doch mit Frei­beträgen können Angestellte immerhin dafür sorgen, dass sie jeden Monat einigermaßen passend Lohn­steuer zahlen und nicht deutlich zu viel. Denn je mehr Frei­beträge gelten, desto weniger vom Brutto­lohn ist steuer­pflichtig und desto weniger Lohn­steuer muss der Arbeit­geber vom Gehalt abziehen. Damit bleibt den Beschäftigten gleich mehr, und sie müssen nicht bis zur nächsten Steuererklärung auf eine Erstattung vom Finanz­amt warten.

Unser Rat

Antrag. Zusätzliche Steuerfrei­beträge können Sie mit dem „Antrag auf Lohn­steuer-Ermäßigung“ für bis zu zwei Jahre bekommen. Für 2017 ist der Antrag bis zum 30. November möglich. Sie finden ihn im Internet (formulare-bfinv.de). Achtung: Wenn Sie von zusätzlichen Frei­beträgen profitieren, wird die Steuererklärung für Sie zur Pflicht.

Steuerklasse. Als Verheiratete können Sie auch mit einer guten Wahl der Steuerklassen Ihr Netto erhöhen. Rechnen Sie online aus, welche Kombination für Sie am güns­tigsten ist (bmf-steuerrechner.de)

Familien. Mehr Netto dank Frei­beträgen – das lohnt sich zum Beispiel für junge Eltern, wenn vorüber­gehend ein Einkommen wegfällt. Mehr Tipps zu Geld und Recht liefert der neue Finanzplaner junge Familien, für 16,90 im Handel und im test.de-Shop.

Grund- und Kinder­frei­betrag auto­matisch berück­sichtigt

Einige Frei­beträge müssen die Arbeit­geber auto­matisch bei der Gehalts­abrechnung berück­sichtigen, je nach Steuerklasse zum Beispiel den Grund­frei­betrag von 8 820 Euro im Jahr und Kinder­frei­beträge. Zusätzliche Frei­beträge gewährt das Finanz­amt Angestellten auf Antrag für Posten, die sie sonst erst mit der Steuererklärung abrechnen würden. Dazu zählen neben Ausgaben für den Arbeitsweg und für andere Werbungs­kosten zum Beispiel Sonder­ausgaben wie Kitabeiträge und Unter­halts­zahlungen. Hand­werk­errechnungen berück­sichtigt es ebenfalls (Tabelle).

600-Euro-Grenze für viele Posten

Die zusätzlichen Frei­beträge gibt es für viele Posten aber erst, wenn Ausgaben von mindestens 600 Euro im Jahr zusammen­kommen. Außerdem trägt das Finanz­amt häufig nicht den vollen Wert ein: So zieht es etwa bei den Kosten für den Arbeitsweg zunächst die Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro ab. Der Grund: Auch diese Pauschale gehört zu den Werten, die der Arbeit­geber auto­matisch beim Lohn­steuer­abzug anrechnet. Einer Pend­lerin, die an 220 Tagen im Jahr 30 Kilo­meter ins Büro fährt, wird somit ein Frei­betrag von 980 Euro in die Lohn­steuer­daten einge­tragen und nicht die vollen Kosten von 1 980 Euro (220 Tage x 30 km x 30 Cent).

Attraktive Entlastung

Vor allem Richtung Jahres­ende machen sich Frei­beträge deutlich bemerk­bar. Wirken sich die 980 Euro für den Arbeitsweg zum Beispiel nur noch auf die Gehalts­abrechnungen im November und Dezember aus, bleiben in beiden Monaten 490 Euro (1/2 von 980 Euro) steuerfrei. Das führt je nach Einkommen zu der monatlichen Entlastung von etwa 180 Euro. Hätten der Angestellten die 980 Euro Frei­betrag bereits ab Januar zugestanden, wäre die Summe auf zwölf Monate verteilt worden. Die monatliche Entlastung wäre mit rund 30 Euro deutlich nied­riger gewesen. Sobald mehrere Frei­beträge zusammen­kommen, winkt aber auch ab Jahres­beginn eine attraktive Entlastung:

Beispiel: Ein zweifacher Vater, vorüber­gehend Allein­verdiener der Familie, hat dem Finanz­amt Anfang 2017 eine gerade bezahlte Maler­rechnung, Belege für den Arbeitsweg und den Bescheid über die Kita­gebühren seines älteren Sohnes vorgelegt. Das Finanz­amt hat ihm für all das 4 800 Euro Frei­betrag gewährt, verteilt auf zwölf Monate je 400 Euro.

Bei 4 500 Euro Brutto­gehalt brachte das dem Mann in Steuerklasse III monatlich knapp 118 Euro mehr Netto als sonst. Das konnte die Familie gut gebrauchen.

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