Diagnose Gebärmuttermyom: Früher riet mancher Arzt, die Gebärmutter zu entfernen. Heute gibt es schonende Alternativen ohne chirurgisches Messer. Embolisation ist eine davon. Die neueste hilft per Ultraschall.

Vor zwei Jahren wurde ein erster Durchbruch in der Therapie von Myomen gefeiert. Das sind jene gutartigen Geschwülste, die sich aus Muskelzellen der Gebärmutter entwickeln und zu Beschwerden und großer Beunruhigung führen. Betroffen ist etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter. Myome – und manchmal die Gebärmutter – wurden nun nicht mehr chirurgisch entfernt, sondern von der Blutzufuhr abgeschnitten und ausgehungert.

Jetzt wird bereits ein weiteres neues unblutiges Verfahren praktiziert, hierzulande bislang nur an der Berliner Charité: das Entfernen von Myomen per Ultraschall. Dieser Eingriff eröffnet eine weitere Dimension der Operationstechnik und schont die Patientinnen ganz besonders.

Das Wachstum von Myomen wird durch Östrogene angeregt und findet deshalb während der Geschlechtsreife statt. Es wird auch als überschüssige Wachstumsenergie interpretiert, die normalerweise für die Schwangerschaft zur Verfügung steht. Gynäkologenspruch: „Der Uterus schießt ins Kraut, statt Früchte zu tragen.“

Operation bei Wachstum und Beschwerden

Viele Frauen leben mit den kugelförmigen Gewebeknoten aus Muskel- und Bindegewebe im Unterleib, ohne darunter zu leiden. Zwischen 20 und 50 Prozent der Betroffenen spüren allerdings Begleit- und Folgeerscheinungen wie Völlegefühl, Druck auf der Blase, Blutungsstörungen und Schmerzen beim Sex und wünschen sich nichts sehnlicher, als die unterschiedlich rasch wachsenden Knoten loszuwerden – Geschwülste (Tumoren), wenn in aller Regel auch gutartige. Bei Beschwerden oder raschem Größenwachstum der Myome ist eine Therapie zwingend notwendig. Myome können auch zur Unfruchtbarkeit führen.

Das Auftreten der Gebärmuttergewächse scheint mit einem erhöhten Östrogenspiegel einherzugehen. Deshalb werden sie gelegentlich mit Hormonen behandelt – zum Beispiel, um die Zeit bis zur Operation zu überbrücken. Nach Ende einer Hormonbehandlung kehren die Symptome zurück. Früher warteten nicht wenige Gynäkologen, bis der Leidensdruck der Patientin dazu führte, eine Operation zu akzeptieren. Häufig war dies aus Angst vor Gebärmutterhöhlenkrebs die Radikallösung – die Gebärmutter wurde entfernt, die Frauen konnten keine Kinder mehr bekommen.

Myome werden ausgehungert

Die Zeiten vorschneller Totaloperationen sind vorbei. Als Methode ist die Embolisation gar nicht so neu. Das Verfahren kommt aus der Radiologie. Dort wird es bereits seit 20 Jahren praktiziert – zum Gefäßverschluss bei Blutungen. Der Pariser Gynäkologe Ravina war der erste, der die Methode Anfang der 90er Jahre bei Myomen anwendete. Inzwischen sind weltweit rund 20 000 Behandlungsergebnisse zur Myomembolisation veröffentlicht.

Mit Endoskopie, Magnetresonanztomografie und Ultraschall werden Zahl, Lage und Größe der Wucherungen festgestellt. Unter örtlicher Betäubung führt der Arzt einen dünnen Schlauch (Katheter) durch die Schlagader des Beines an der Leiste ein. Wenn er durch die Gebärmutterarterie bis zu dem Blutgefäß-Ast gelangt ist, der das Myom versorgt, werden mikroskopisch kleine Partikel (Mikrospheren) injiziert. Sie stoppen den Blutzufluss. Der unblutige Eingriff dauert etwa ein bis zwei Stunden. 20 bis 30 Minuten später setzen starke, krampfartige Schmerzen ein, die bis zu zwei Tagen anhalten können – der Körper muss sich erst an den Stopp der Blutversorgung gewöhnen. „Die fehlende Durchblutung ist die Voraussetzung für ein Schrumpfen der Knoten, was jedoch Zeit braucht“, sagt der Radiologe Dr. Thomas Kröncke von der Berliner Charité.„Die Beschwerden bessern sich meist drei bis sechs Monate nach der Behandlung.“

Nicht ohne Risiken

Die Embolisation erfordert maximal vier Tage Klinikaufenthalt. Sie kann auch zu Komplikationen führen: Teile der verödeten Knoten, die sonst auf natürlichem Weg ausgeschieden werden, müssen ausgeschabt werden. In sehr seltenen Fällen werden die Eierstöcke in Mitleidenschaft gezogen, es kann zum Ausbleiben der Monatsblutungen und vorzeitigem Beginn der Wechseljahre kommen.

In Ausnahmefällen kann sich das verödete Gewebe entzünden. Besonders Diabetikerinnen sind gefährdet. Tritt nach dem Eingriff Fieber auf, muss die Patientin sofort zum Arzt gehen. Eine Spätinfektion kann zu erheblichen Komplikationen führen. Diese Gefahr steigt mit der Größe des behandelten Myoms. Dr. Kröncke embolisiert nur Myome bis zu einem Durchmesser von zehn Zentimetern. Bei vielen kleinen Knoten ist diese Methode meist „das Verfahren der ersten Wahl“, so Dr. Kröncke. Bei Myomen, die außen auf der Gebärmutter im Bauchraum sitzen (subserösen), ist der Eingriff aber nur möglich, wenn es sich nicht um gestielte Myomknoten handelt (siehe Grafik). Frauenärzte raten dann zur Operation.

Bei Kinderwunsch wird unterschiedlich verfahren: In den USA und Frankreich wurden Frauen nach einer Myomembolisation komplikationslos schwanger, hier raten Ärzte von dem Eingriff ab.

Operation ohne Schnitt

Die Klinik für Strahlenheilkunde der Berliner Charité hat zur Myombehandlung nun das erste nicht-invasive Operationsverfahren in Deutschland eingeführt: Mit hochenergetischem, gebündeltem Ultraschall werden Myome punktgenau beschossen. Wo die Schallwellen aufprallen, entwickeln sich Temperaturen zwischen 60 und 80 Grad Celsius: Die Region wird in 10 bis 15 Sekunden irreversibel zerstört. Dieser Vorgang wird abhängig von der Tumorgröße 50-mal oder öfter wiederholt, bis etwa ein Drittel des Myoms zerstört ist. Dabei werden die Blutgefäße und damit die Voraussetzung für das Myomwachstum ebenfalls zerstört. Das Myom schrumpft.

Zu beachten ist allerdings: Weltweit gibt es erst Studien zu 400 Behandlungen. Und in Deutschland wird die ambulante, noch nicht etablierte Methode erst seit etwa 18 Monaten praktiziert. Langzeitergebnisse, Erfolgsraten und Risiken bleiben also abzuwarten.

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