Fragebogen per Post Meldung

Haben Sie noch ein wenig Platz im Briefkasten? Möchten Sie noch mehr Werbung? Dann kommen Haushaltsumfragen gerade recht. Sechs bis acht DIN-A-4 Seiten, von oben bis unten eng bedruckt mit rund 150 Fragen, in denen all Ihre Konsumgewohnheiten ausgehorcht werden ­ bis in den Intimbereich: Nehmen Sie Tampons oder Binden? Auch feuchtes Toilettenpapier? Und welche Marke?

Vor allem zwei Firmen verschicken solche Fragebögen, die Lifestyle AG aus Ditzingen und Claritas aus Neu-Isenburg. Egal ob Auto, Versicherung, Telefoniergewohnheiten: Gnadenlos wird das Privatleben durchleuchtet: Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Wie oft essen Sie Chips? Wie lange sehen Sie fern? Indiskreter geht es kaum.

Dabei werden im Anschreiben Begriffe wie Vertrauen, Datenschutz, Anonymität strapaziert, obwohl es in der Praxis um das Gegenteil geht: Adresshandel ist das Ziel der Aktionen. Wer den Fragebogen ausfüllt, bekommt statt "vieler nützlicher Informationen" jede Menge Direktwerbung. Denn die beteiligten Firmen ­ meist die im Fragebogen genannten ­ kennen nun die Konsumgewohnheiten der Teilnehmer und können sie bei Werbefeldzügen gezielt anschreiben.

Unser Rat: Lassen Sie sich nicht ködern ­ weder von den Verlosungen, an denen Sie als Belohnung teilnehmen dürfen, noch von einer Telefon-Calling-Card über 5 Mark, die fürs Ausfüllen versprochen wird. Machen Sie sich nicht selbst zum gläsernen Verbraucher. Sie sind zu keinerlei Auskünften verpflichtet. Anders ist das nur bei den jährlichen Umfragen, die die Statistischen Landesämter durchführen. Wer dafür ausgewählt wurde, bekommt jedoch vorher vom Statistischen Landesamt Hinweise und Vorschläge für passende Termine.

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