Marcus G., Jena:

Ich habe neben meinem Job als Finanzkaufmann im Fernstudium Betriebswirtschaft ­studiert. Das Finanzamt will nun die ­Studienkosten für das Jahr 2003 nicht als ­Werbungskosten anerkennen. Darf es das?

Finanztest. Nein. Die Behörde muss Ihre ­Studienkosten für das Jahr 2003 voll anerkennen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden (BFH, Az. VI R 137/01). Die Kosten zählen, wenn das Studium im Zusammenhang mit späteren Einnahmen steht, erläutert eine Verfügung der Oberfinanzdirektion Münster vom 11. März 2005.

Ab 2004 ist der Abzug für Ihre Fernstudiumskosten aber wieder fraglich. Der Gesetzgeber hat die Rechtsprechung ausgehebelt. Seither sind nur noch bis 4 000 Euro für ein Erststudium als Sonderausgaben anerkannt.

Allerdings bezweifeln Experten, dass die neue Regel verfassungsgemäß ist. Deshalb sollten Sie weiter Ihre Ausgaben als Werbungskosten angeben. Lehnt das Finanzamt ab, legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein. Lehnt es weiter ab, bleibt Ihnen noch die Chance, vor dem Finanzgericht zu klagen. Das könnte sich lohnen.

Wichtig ist, dass Sie konkret vortragen, dass Ihre Studiumskosten tatsächlich durch zu­ ­erwartende spätere Einnahmen veranlasst waren (BFH, Az. VI R 71/03). In einem ­ähnlichen Fall hat eine Referendariatsstudentin beim Niedersächsischen Finanzgericht Klage eingereicht (Az. 11 K 612/04). Sobald es Urteile gibt, wird Finanztest berichten.

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